Eigenwilliger Luxus innen
Entsprechend viel Kopffreiheit bietet der ebenfalls eigenwillige Luxus-Innenraum. Statt auf ein klassisches Cockpit blickt der Fahrer hier durch das Lederlenkrad auf beige gefärbte Tierhaut. Die chromumrandeten Rundinstrumente befinden sich nämlich in der Armaturenbrett-Mitte, am oberen Ende der Mittelkonsole. Darunter sind das MP3-CD-Radio und die Bedieneinheit der Zwei-Zonen-Klimaautomatik angeordnet. Barock muten die Sitzbezüge aus weinrotem Leder und hellem Alcantara an. Im Kontrast dazu steht das üppig verbaute Plastik in Schwarz und Champagner-metallic. Trotz manch schwülstiger Details ist der Lancia voll alltagstauglich. Lediglich etwas mehr Ablagen für Kleinkram wären wünschenswert. Darüber hinaus offenbarte die Verarbeitung leichte Schwächen: Nicht alles ist sauber eingepasst, nicht jedes Plastikteil perfekt entgratet. Und Knarzgeräusche während der Fahrt zeugen ebenfalls von einer gewissen Nachlässigkeit.
Variabler Innenraum
Klassisches Kleinwagen-Niveau bietet der zweitürige Fünfsitzer hinsichtlich der Variabilität. Die Sitzbank ist in Fahrtrichtung verschiebbar und die Lehne im Verhältnis 50 zu 50 umlegbar. Zusätzlich lässt sich auch die Beinauflagefläche geteilt nach vorne klappen. Dann liegt die Lehne tiefer und der Stauraum wächst zusätzlich. Einziger Haken: Zuvor müssen die beiden Kopfstützen ausgebaut werden. Trotz vielfältiger Wandlungskunst bietet der Fond keine Wunder hinsichtlich der Raumökonomie. Je nach Sitzbankstellung variiert der Kofferraum zwischen 215 und 290 Liter. Maximal passt hinter die Vordersitze 895 Liter Gepäck. Da bietet der kürzere Toyota Yaris ein besseres Innenraumkonzept mit fast 300 Litern mehr Stauraum.
Fühlt sich auch auf der Autobahn wohl
Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt der Motor. Wie bei kleinen Turbodieseln üblich, so stört auch am neuen Y-Triebwerk die ausgeprägte Anfahrschwäche unterhalb von 2.000 Touren. Im kalten Zustand stören zudem Dieselgeräusche. Doch wenn der 200-Newtonmeter-Turboschub einsetzt, entschädigt der Fronttriebler mit reichlich Temperament. 11,0 Sekunden vergehen, bis die Tachonadel aus Position Null die 100er-Marke passiert. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Lancia mit 175 km/h an. Ein besonders Eiliger ist der Y damit zwar nicht. Dennoch verschaffte sich der Kleinwagen mit ordentlichem Durchzug auch auf der Autobahn Respekt. Bei 100 km/h im fünften Gang reicht ein beherzter Tritt aufs Gaspedal und alsbald ist man mit 160 Sachen unterwegs. Entsprechend kann man auch mit den gehetzten Dauerlinks-Fahrern auf der Autobahn noch gut mithalten.
Theoretisch 1.000 Kilometer Reichweite
Als Kilometerfresser empfiehlt sich der Diesel-Y zudem mit seinem 47-Liter-Tank. Bei nur 4,5 Liter Durchschnittsverbrauch sind theoretisch mehr als 1.000 Kilometer Reichweite möglich. Doch kletterte bei Vollgasetappen der Spritkonsum auf über sieben Liter und mahnte die Reserveleuchte auf unseren Testfahrten bereits nach 500 Kilometern zum Nachtanken. Und das, obwohl noch über zehn Liter Sprint im Tank sein sollten.
Keine sportliche Alternative zum Mini
Ein betont sportliches Auto ist der Lancia Ypsilon trotz des starken Multijet-Diesels und dem recht straff abgestimmten Fahrwerk nicht. Wer eine noble und zugleich sportliche Alternative zum Mini sucht, wird beim Thema Fahrspaß vom Y eher enttäuscht. Die Lenkung ist nur mäßig präzise. Früh geht der Wagen bei schneller Kurvenfahrt ins Untersteuern, bleibt hierbei jedoch gut beherrsch- und berechenbar. Statt für die Kurvenhatz eignet sich der kleine Lancia dafür gut im gedrängten Stadtverkehr und beim Parken in engen Lücken. Dafür qualifizieren ihn vor allem der kleine Wendekreis und der zuschaltbare City-Modus, mit dessen Unterstützung sich das Lenkrad besonders leicht drehen lässt.
Kein Schnäppchen
Der Ypsilon mit dem 90-PS-Multijet ist keine Empfehlung für Sparfüchse. Mindestens 16.500 Euro muss man für die starke Dieselversion hinblättern. Viel Geld für einen Kleinwagen. Dafür bekommt man bereits die etwas höherwertige Ausstattung Oro. Die von uns getestete Top-Version Platino kostet sogar 18.650 Euro. Wobei selbst in dieser Version die Sicherheitsausstattung ohne ESP und mit nur vier Airbags eher bescheiden ist. Wer zusätzlich noch ESP (500 Euro), zwei weitere Airbags (250 Euro) und ein Glasschiebedach (860 Euro) ordert, liegt bereits jenseits der 20.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Toyota Yaris mit 90-PS-Diesel ist für rund 14.800 Euro zu haben und bietet dann bereits sieben Airbags und ESP serienmäßig.
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