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Flunder im Zeichen des Doppelwinkels
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Keine große Autoshow ohne dickes Überraschungs-Ei der edlen Designschmiede Pininfarina. Zur IAA verblüfften die Italiener mit einer rassigen Studie - unter dem Blech steckt erstmals Citroen-Mechanik. Fans des französischen Herstellers werden jubeln: Endlich Avantgarde, die an ruhmreiche Traditionen der Modelle DS und CX anknüpft.
Doppelwinkel in der Front und im fensterlosen Heck. Natürlich zeichnet das Citroen-Emblem auch die Form der Scheinwerfer. Auch wenn in der Citroen-Modellgeschichte ein reinrassiger Sportwagen fehlt: Die Studie Osée ist ein stilsicheres Spiel mit der Vergangenheit; ein unmoralisches Angebot, das Citroen aus der Lethargie der vergangenen Jahre reißen könnte. Pininfarina sieht die Studie Osée als Denkanstoß für eine mögliche Zusammenarbeit mit der französischen Traditionsmarke. Sollte das Liebeswerben Erfolg haben, wären beide Marken des PSA-Konzerns mit in italienischen Boot vereint. Denn Pininfarina ist bereits seit fünfzig Jahren Partner von Peugeot.
Osée ist eine radikale Interpretation des Urtyps aller Sportwagen: Für eine optimale Gewichtsbalance kauert das Triebwerk als Mittelmotor unter der 1,16 Meter flachen Karosserie. Es gibt drei Frontsitze nebeneinander, gelenkt wird in der Mitte. Der nach vorn versetzte Fahrerplatz ist fest im Fahrzeug verankert. Zum Einstellen der Sitzposition werden Pedale und das Lenkrad bewegt. Die Pininfarina-Studie verzichtet zudem auf Türen. Zum Einsteigen schwenkt die ganze Glaskuppel nach oben. Auch für den Instrumententräger findet Pininfarina ungewöhnliche Lösungen: Schwungvoll wölbt sich ein massives Stahlrohr an dem verschiedene Instrumente angebracht sind. Wie ein Segel spannt sich zwischen ihm und der Windschutzscheibe ein farbiges Gewebe. Von oben betrachtet: Erneut der Doppelwinkel.
Spitz zulaufende Motorhaube, stark geschwungene Kotflügel und ein hinten sanft abfallendes Dach erinnern an die früher für Citroen typische Linienführung. Durchgehende, abgerundete Flächen in der Frontpartie sollen verhindern, dass der rassige Flitzer allzu aggressiv daherkommt. Das wäre einem Citroen nicht angemessen, meint Pininfarina. Die nach hinten abfallenden Seitenflanken sind dem in den sechziger Jahre revolutionären DS nachempfunden, der bei der Entwicklung des Osée als Referenzmodell diente. Über der Frontscheibe versteckt sich dezent der Luftschlitz für den Mittelmotor aus dem Hause Citroen. Der Dreiliter-Sechszylinder leistet 194 PS (140 kW) und kommt in ähnlicher Form auch in anderen PSA-Fahrzeugen zum Einsatz. Geschaltet wird der Hecktriebler wie ein Formel-1-Renner: Per Knopfdruck wechselt die Fünfgang-Box des deutschen Spezialisten ZF in Friedrichshafen die Gänge.
In einem Citroen darf die hydropneumatische Federung natürlich nicht fehlen. Pininfarina bediente sich dazu bei der aktuellen C5-Limousine. Das aktive Fahrwerk senkt bei hoher Geschwindigkeit die Karosserie - und der Osée "fliegt" in nur zehn Zentimeter Höhe über den Boden. Dann sieht der Sportflitzer noch bulliger aus. Schon "hochgebockt" sorgen 285er-Reifenwalzen hinten und 225er vorn für einen starken Auftritt. Kurze Karosserieüberhänge, die üppige Breite von fast 1,90 Meter und der lange Radstand betonen die kraftvolle Linienführung.
Fazit: Vielleicht weckt die Studie ja die Citroen-Verantwortlichen endlich aus ihrem Dornröschenschlaf. Mit etwas Mut könnten bald wieder wirklich aufregende Citroens über die Straßen rollen. Das würde den Fans sicherlich ein dickes Doppelwinkel-Grinsen ins Gesicht zaubern.
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