Klimaanlagen - dem Wetter auf der Spur
Ein kleiner Dreh am Knöpfchen und schon fühlen wir uns im Auto wieder wohl, Klimaanlage sei Dank. Neuster Trick von Opel: Temperaturen werden berechnet und nicht mehr gemessen. Stolz gewährten die Rüsselsheimer einen Blick hinter die Kulissen.
Komfort für alleWer hätte das gedacht? Nach dem Motor ist Klimatisierung das komplizierteste System im Auto. Über 130 Module sind in einem Opel Omega für gutes Klima zuständig - sichtbar ist nur das Bedienteil in der Mittelkonsole. Trotz höherer Kosten sind heute drei von vier Rüsselsheimer
Neuwagen mit Klimaanlagen ausgerüstet. Selbst beim Kleinwagen Corsa wählt jeder zweite Käufer das Komfort-Extra. Seit dem gerade angelaufenen neuen Modelljahr kühlt in allen Opel-Modellreihen - bis auf den puristischen Speedster - auf Wunsch sogar eine elektronisch geregelte Klimaautomatik. Einmal Temperatur einstellen und der Computer hält das Klima konstant, unabhängig von plötzlichen Witterungsänderungen.
Wolken unter AufsichtDie "Electronic Climate Control" (ECC) von Opel verbirgt ein patentiertes Geheimnis: Sensoren überwachen die Umwelt und reagieren auf die kleinste Wolkenlücke - noch bevor die Sonnenstrahlen den Innenraum aufheizen können. 200 Daten fließen in die Berechnung ein. ECC ist dem Wetter so immer dicht auf den Fersen und die Temperaturen im Fahrzeug bleiben stabil. Herkömmliche Systeme beschränken sich auf wenige Sensoren und rund 20 Daten, um das Fahrzeugklima zu kontrollieren. Problem: Verzögertes Ansprechen und Temperaturschwankungen. So kann ein heißer Kaffeebecher im Cup-Holder der Mittelkonsole einem in der Nähe angebrachten Klimasensor schon mal eine plötzliche Hitzewelle vorgaukeln - und die Passagiere frösteln im Luftzug.
Wärme per TelefonÄrztliche Untersuchungen beweisen: Das richtige Klima im Auto ist ein echtes Sicherheits-Plus. Schon nach 30 Minuten Fahrt bei 21° statt 27° Grad erhöht sich die Reaktionszeit um 20 Prozent, bei 35° Grad sind es sogar 65 Prozent - dabei zählt in kritischen Situationen jeder Sekundenbruchteil. Doch Klimaanlagen können mehr als nur kühlen: Im Herbst und Winter entfeuchten sie die Luft und verhindern so beschlagene Scheiben. Integrierte Luftfilter halten sogar giftige Abgase und Blütenpollen fern. Wenn es ganz hart kommt, schaltet ein Luftgütesensor automatisch auf Umluft, bis die Schadstoffbelastung wieder gesunken ist. In Verbindung mit einer Standheizung wird der Komfort perfekt. Zumal wenn sie sich - wie beim Topmodell Omega - per Handy fernsteuern lässt.
Klima im GriffSteifer Nacken, Erkältungen und ein hoher Spritverbrauch - die Liste der vermeintlichen Nebenwirkungen von Klimaanlagen ist lang. Damit der Luftstrom dort landet, wo er gebraucht wird, berechnen bei Opel leistungsfähige Computer bereits im frühesten Konstruktionsstadium die möglichen Auswirkungen der Innenraumgestaltung auf das Klima im Auto. Die Techniker berichten vom zähen Ringen mit den Designern - oft geht es nur um wenige Zentimeter bei der Platzierung von Lüftungsdüsen. Später überprüfen geschulte Tester im Klimakanal und unter extremen Praxisbedingungen, ob sich "Kollege" Computer nicht verrechnet hat. Die Forschung hat inzwischen auch den Mehrverbrauch im Griff: Im Jahresmittel benötigt eine Klimaanlage bei Dauerbetrieb 0,6 Liter Sprit je 100 Kilometer - extreme Sommer- oder Wintertemperaturen genauso eingerechnet, wie ein milder Frühling.
Totale KontrolleDoch die Entwicklung kennt keinen Stillstand: Künftig könnten weitere Infrarot-Sensoren die Hauttemperatur der Passagiere messen und für jeden Sitzplatz ein individuelles Raumklima schaffen. Denn nicht alle Menschen reagieren gleich auf Klimaeinflüsse. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Auch bei Opel. (hs)