Gut und günstig: Hyundais Kompaktkombi i30cw 1.6 CRDi im Test

Dubrovnik (Kroatien), 2. April 2008 - Wenn man sich vor Augen hält, dass die Kompaktklasse in Deutschland die beliebteste Fahrzeugkategorie ist, wundert einen die relativ geringe Zahl der Kombis, die in dieser Gruppe angeboten werden. Vom Chevrolet Nubira Wagon bis zum VW Golf Variant zählt man gerade mal neun Kompaktkombi-Modelle. Ein Hyundai war bisher nicht darunter. Das ändert sich mit dem i30cw, dem Pendant zum weitgehend baugleichen Cee'd Sporty Wagon von Konzernschwester Kia. Wir haben den Neuling mit dem 116 PS starken 1,6-Liter-Diesel für Sie getestet.

Viel Platz im Fond, weniger im Kofferraum
Der Kombi ist 23 Zentimeter länger als die Limousine und misst knapp 4,50 Meter. Damit liegen die Verhältnisse ähnlich wie beim Golf. Anders als beim Klassenbestseller vergrößert sich bei Hyundais Kompaktmodell aber auch der Radstand - allerdings nur um fünf Zentimeter. Dadurch gibt es im Kombi noch etwas mehr Platz für Insassen und Gepäck. Was Knie- und Kopffreiheit auf den billigen Plätzen angeht, befriedigt der i30cw vollständig. Der Kofferraum ist allerdings nicht sehr groß: Er fasst 415 bis 1.395 Liter und ist damit etwa 100 Liter kleiner als beim VW Golf Variant, der 505 bis 1.495 Liter transportiert. Noch mehr Laderaum bietet der kaum größere Skoda Octavia Combi mit 580 bis 1.620 Liter. Die Ladekante des i30cw liegt auf einer Höhe von 61 Zentimeter, was in etwa Mittelmaß bedeutet. Etwas störend ist, dass man nach dem Umlegen der Rücksitze - nur die Lehnen, nicht aber die Sitzpolster lassen sich klappen - keinen völlig ebenen Ladeboden vorfindet. Die Partie im Bereich der Rücksitze steigt etwas an. Dafür gibt es keine Ladeschwelle, die beim Ausladen von schweren Gegenständen stören könnte. Auch die Klappe öffnet ausreichend weit nach oben.

Fünf Motoren
Den bei der Limousine als Einstiegsaggregat fungierenden 1,4-Liter-Benziner mit 109 PS gibt es beim Kombi nicht. Die anderen vier Motoren - zwei Benziner und zwei Diesel - werden auch im i30cw angeboten. Hinzu kommt im Juli 2008 noch ein neuer 90-PS-Diesel. Er ist eine hubraumgleiche, aber abgeschwächte Version des von uns gefahrenen 1,6-Liter-Selbstzünders, der ab Marktstart verfügbar ist. Der 116-PS-Diesel wird mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert. Optional gibt es auch eine Vierstufen-Automatik, die jedoch den Spritverbrauch um 1,1 Liter ansteigen lässt und den i30cw beim Sprint auf 100 km/h anderthalb Sekunden langsamer macht.

Kräftiger 116-PS-Diesel
Mit dem Seriengetriebe beschleunigt der Hyundai in 11,9 Sekunden auf Tempo 100. Kein überragender Wert, aber der Sprint ist ja auch nicht die eigentliche Domäne eines Diesels. Seine Stärke liegt auf dem Gebiet des Drehmoments. Es wird mit bulligen 255 Newtonmeter angegeben, die zwischen 1.900 und 2.750 Touren zur Verfügung stehen. Und diese Kraft spürt man deutlich: Der Kombi macht damit viel mehr Spaß, als der mittelmäßige Sprintwert vielleicht vermuten lässt. Der zum Vergleich gefahrene Zweiliter-Diesel kann da kaum mehr zusetzen. Er erlaubt aber mit dem Sechsgang-Getriebe eine höhere Maximalgeschwindigkeit von 205 km/h, während der 1,6-Liter bei 188 km/h aufgibt. Unser Selbstzünder bleibt, obwohl er sich von außen durch das typische Dieselgeräusch verrät, leise. Hier zahlen sich die diversen Schalldämmungsmaßnahmen aus. Erst ab 4.500 Touren wird der Motor laut und dröhnend, aber das ist weit jenseits des normalerweise genutzten Drehzahlbandes.

Sparsamer als der Vergleichs-Golf
Der zweite Hauptvorteil eines Selbstzünders neben dem Drehmoment ist der niedrige Verbrauch; ihn gibt der Hersteller mit 4,9 Liter auf 100 Kilometer an. Das entsprechende Golf-Variant-Modell mit 105 PS starkem 1.9 TDI weist bei Drehmoment und Sprint ähnliche Daten auf; in puncto Verbrauch liegt der Hyundai sogar um ein paar Zehntelliter vorne. Unser Bordcomputer zeigte Werte zwischen 5,8 und 6,1 Liter an und lässt damit vermuten, dass der Alltagsverbrauch wie üblich etwas höher liegen wird als der vom Hersteller angegebene Wert. Ein Dieselpartikelfilter wird serienmäßig eingebaut.

Eher straff
Das Fahrwerk basiert auf dem Untersatz der Schrägheckversion. Wie dieses besitzt es vorne die üblichen McPherson-Federbeine, hinten aber eine aufwendige Mehrlenkerachse. Der Hyundai wirkt damit eher straff; bei Unebenheiten im Fahrbahnbelag kann es da auch mal etwas holprig werden. Dafür bleibt der i30cw in der Kurve vergleichsweise ruhig und wankt kaum. Das Anti-Schleuder-System ESP ist bei allen Versionen des i30cw Serie. Wer lange Knie hat, sollte nur darauf achten, dass er es beim Einsteigen nicht versehentlich ausschaltet: Eine Berührung des Schalters neben dem Lenkrad, und schon ist das Sicherheitssystem aus. In flott gefahrenen Kurven kommen einem die Sitze zugute, die ordentlichen Seitenhalt geben. Die Anmutung der Materialien im Innenraum ist in Ordnung, kann aber im Vergleich mit Premiummarken nicht mithalten. So lässt sich beispielsweise die Hülle des Schalthebels mit dem Schaltschema darauf leicht versehentlich verdrehen.

1.6 CRDi ab 18.490 Euro
Den Hyundai i30cw gibt es ab 16.990 Euro. Dafür bekommt man den 90-PS-Diesel. Damit gibt ein Selbstzünder die Einstiegsmotorisierung ab - sehr ungewöhnlich in diesem Segment. Bis der kleine Selbstzünder verfügbar ist, liegt der Einstiegspreis bei 17.490 Euro. Vier Ausstattungen stehen zur Auswahl: Classic, Comfort, Style und Premium. Den getesteten 1,6-Liter-Diesel gibt es in allen Versionen außer der noblen Premium-Variante. Zu zahlen sind mindestens 18.490 Euro.

Klimaanlage und CD-Radio serienmäßig
Zur Classic-Ausstattung zählen sechs Airbags, ESP und mechanische Aktiv-Kopfstützen vorne. In puncto Komfort gehören eine Zentralverriegelung ohne Fernbedienung, ein CD-Radio, elektrische Fensterheber vorne und eine Klimaanlage zum Standard. Gut gefällt uns, dass der Kombi schon in der Grundversion einen Anschluss für iPod oder USB-Stick besitzt. Angesichts der schon recht umfassenden Ausstattung wäre für uns die Classic-Version die Variante der Wahl. Wer elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber auch hinten, eine Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer und eine Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung haben will, muss die nächsthöhere Version Comfort wählen. Hier lässt sich außerdem die Lenkachse nicht nur im Winkel, sondern auch in der Länge einstellen und es finden sich Tasten zur Radiobedienung darauf. Die 2.300 Euro Aufpreis wäre uns das nicht wert. Nochmal 1.500 Euro mehr bezahlt man für die Style-Version mit Reifendruck-Kontrollsystem, Lichtautomatik, Alurädern und Sitzheizung vorne.

Günstiger als bei der Konkurrenz
Stellen wir noch ein paar Preisvergleiche für den 116-PS-Diesel an, der wie erwähnt ab knapp 18.500 Euro zu haben ist. Fast 3.000 Euro teurer ist die Basisversion des Golf Variant 1.9 TDI mit 105 PS für 21.200 Euro. Günstiger, nämlich ab 19.190 Euro, gibt es den gleich motorisierten Skoda Octavia Combi. Der Hyundai ist also im Vergleich mit dem Tschechen ebenfalls deutlich günstiger. Auch entsprechende Modelle des Kia Cee'd Sporty Wagon, des Peugeot 307 Break oder Renault Mégane Grandtour sind ein paar hundert Euro teurer. Wesentlich günstiger kommt man freilich beim Dacia Logan MCV weg. Nur kommt der recht spartanisch daher und patzt bei der Sicherheitsausstattung. Auch leistet hier der stärkste Diesel nur 86 PS und ist damit nur schwer vergleichbar.

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