Ready to race: Rinspeed Le Mans 600
Mittwoch Mai 2
Mit 600 PS und 343 km/h Topspeed könnte der Rinspeed Le Mans 600 beim gleichnamigen 24-Stunden-Rennen an den Start rollen.
Seit Jahren macht Rinspeed um Visionär und Firmengrüner Frank Rinderknecht mit spektakulären Konzeptstudien auf sich aufmerksam - vorzugsweise präsentiert auf dem Genfer
Autosalon. Jetzt, knapp zwei Monate nach der Premiere des eXasis auf Europas erster großen Automesse des Jahres, konzentrieren sich die Schweizer wieder auf ihr Tagesgeschäft: Zuffenhausener Sportwagen in ein sportlich-elegantes Kleid zu hüllen und technisch zu optimieren. Der neueste Rinspeed-Bolide hört auf den Namen "Le Mans 600", basiert auf dem
Porsche 911 Turbo und verfügt über die Zutaten, um am gleichnamigen Langstreckenklassiker teilzunehmen.
Wer glaubt, das Turbo-Triebwerk wäre mit seinen serienmäßigen 480 PS und 620 Newtonmetern ausgereizt, sieht sich von Rinspeed eines Besseren belehrt. Die Eidgenossen zaubern aus dem 3,6-Liter-Boxer atemberaubende 600 PS (bei 6.700 Touren) und fördern nicht minder spektakuläre 800 Newtonmeter (bei 4.400 Umdrehungen) zu Tage. Werte, die Rinspeed mit umfangreichen Änderungen der Motor-Peripherie erreicht. Die Serienlader ersetzen die Schweizer durch effizientere Pendants, die ebenfalls mit einer variablen Turbinengeometrie arbeiten und in künftigen Porsche-Modellen zum Einsatz kommen sollen. Hinzu kommen das neue Carbon-Ansaugsystem "Ram-Air" mit Sportluftfiltern, geänderte Ladeluftkühler sowie eine Hochleistungsauspuffanlage mit Metallkatalysatoren.
Die Fahrleistungen eines Le Mans-Renners
Das alles befähigt den Rinspeed Le Mans 600 zu Fahrleistungen, mit denen er auch beim 24-Stunden-Rennen (in diesem Jahr am 16. und 17. Juni) glänzen könnte. Mit 343 km/h Topspeed hätte er bei Windschattenschlachten auf der Hunaudières-Geraden gute Karten. Genau wie beim Start, wo er den Konkurrenten dank seines Sprintvermögens (Null auf Hundert in 3,3 Sekunden) schnell die Rücklichter zeigen würde. Hinzu kommen standfeste Bremsen - das richtige Rüstzeug für Ausbremsmanöver vor den Schikanen oder der Mulsannes-Spitzkehre. An der Vorderachse nehmen Achtkolben-Aluminium-Festsättel 380 Millimeter große Scheiben in die Zange, hinten verbeißen sich Sechskolben-Pendants in 360er-Scheiben.
Für eine optimale Straßenlage im Highspeed-Geschlängel zwischen Porsche-Kurve und "Tertre Rouge" sorgt ein zusammen mit Bilstein entwickeltes Gewindefahrwerk, das auf dem originalen elektronischen PASM-Dämpfersystem basiert. Dieses regelt aktiv und kontinuierlich die Dämpferkraft abhängig von der Fahrweise und der Fahrsituation für jedes einzelne Rad. Laut Rinspeed sollte man das Fahrwerk aber höchstens 20 Millimeter herunterdrehen, sonst rasiert der Bolide ständig den Asphalt. Kontakt zur Straße stellen die 20-Zoll-Aluräder im charakteristischen Rinspeed-Design "C5/1" her. Erstmals kommt die Felge beim Turbo auf der Hinterachse im monströsen 12 x 20 Zoll-Format zum Einsatz, die Boxencrew montiert Reifen der Dimension 325/25 R 20. Vorne kommen Pneus im Format 325/25 R 20 zum Einsatz.
Das Styling: Zu schade für die Rennstrecke
Trotzdem wird man den Rinspeed Le Mans 600 wohl nie am Start eines Autorennens sehen. Es wäre auch schade, wenn der edel gestylte Supersportler bei heißen Rad-an-Rad-Kämpfen Blessuren davontragen würde. Besonders die Frontschürze erregt Aufsehen: Die größer geformten Lufteinlässe sowie die modifizierten Bremsbelüftungen dienen einer verbesserten Frischluftzufuhr. Ein Carbon-Splitter erhöht den Abtrieb auf der Vorderachse, eine Zusatzscheinwerfer-Einheit mit Tagfahrlicht und nach innen versetzten Nebelleuchten das Überholprestige. An der Flanke sorgen Carbon-Spiegelblenden und markant geformte Seitenschweller für optischen Feinschliff. Eine Heckschürze mit integrierten Auspuffblenden und ein üppig dimensionierter Heckflügel erzeugen ausreichend Anpressdruck auf der Hinterachse.
Kein Wunder, dass der Rinspeed Le Mans 600 bei all diesen Modifikationen auch preislich in die Regionen eines waschechten Le Mans-GT-Renners aufsteigt. Wer das Komplettprogramm ordert, muss auf die 137.058 Euro des Basismodells nochmals gut 70.000 Euro drauflegen. Eine sportliche Innenausstattung, die den Boliden mit Accessoires wie Schalensitzen oder Alu-Pedalerie endgültig fit für die Rennstrecke macht, schlägt nochmals mit 8.334 Euro zu Buche.
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