Mazda MPV: Liebe auf den zweiten Blick

Mazda MPV: Liebe auf den zweiten Blick
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Die Mischung macht's

Auch nach der letzten Modellpflege Ende 2002 kommt der Mazda MPV noch recht amerikanisch daher. Auffällig: Der große Frontgrill mit viel Chrom. Aus mancher Perspektive erinnert das Design von Heck und Seitenlinie auch an den Chrysler Voyager, der das Van-Fahren einst bei uns populär machte. Innen bleibt der Blick an plüschigen Polstern hängen. Die ultramoderne Cockpitverkleidung in Carbonfaseroptik wirkt da schon etwas deplatziert. Bis zu sieben Personen oder 2.500 Liter Gepäck gehen im MPV auf Reisen. Mit voller Bestuhlung schrumpft der Gepäckraum auf Golf-Größe. Sind nur fünf Sitze an Bord, bleibt Platz für beachtliche 866 Liter Gepäck. Die Einzelsitze der zweiten und dritten (optional) Reihe lassen sich mit etwas Kraftanstrengung herausnehmen und in der Garage zwischenlagern. Der Zugang zum Innenraum hinter den Vordersitzen gestaltet sich dank zweier Schiebetüren dagegen recht einfach. Einzig die Heckklappe öffnet für Personen über 1,85 m Größe nicht weit genug.

Felsenfest überzeugend

Schon nach den ersten Metern über original brandenburgisches Mörder-Kopfsteinpflaster steht fest: Sollte der Mazda MPV wirklich französische oder amerikanische Vorbilder haben, so vereinigt er das beste aus den verschiedenen Welten. Die langhubige Federung schaukelt den Nippon-Raumkreuzer sanft zur nächsten Asphaltstrecke. Hier spielt der MPV locker die Vorteile von 2,84 m Radstand aus. Trotz Schmusekurs zeigt das Fahrwerk bei schnellerer Gangart genügend Sicherheitsreserven. Freilich wird man die nur selten benötigen, denn der MPV erzieht zum ruhigen Fahren. Die Innenraumverkleidungen und das Armaturenbrett scheinen für die Ewigkeit gemacht. Nur selten dringt ein leises Zirpen sich aneinander reibender Kunststoffe an des Fahrers Ohr, egal wie schlecht die Straße ist. Bei der Verarbeitung macht den Japanern immer noch keiner etwas vor.


Kräftiger Leisetreter

Beim entspannten Gleiten über die Autobahn wird ein Tempomat vermisst. Da hat Mazda am falschen Ende gespart, zumal der MPV ein entspanntes Langstreckenfahrzeug ist. Richtig gestört hat allerdings der viel zu tief angebrachte Schalthebel. Durch die ansonsten sehr angenehme seitliche Armlehne landet die Hand beim Schalten oft nicht da, wo sich der Ganghebel gerade befindet. Dass der Mazda MPV so komfortabel wirkt, liegt neben den gut gedämpften Fahrwerksgeräuschen am kultivierten Motor. Der 2,3-Liter-Vierzylinder mit 141 PS (104 kW) ist eine moderne Konstruktion mit einer Ausgleichswelle, die lästige Vibrationen verhindert. Wie die Probefahrten zeigen, gelingt das besonders im Stadtverkehr hervorragend. In der Stadt profitiert das Aluminiumtriebwerk auch von dem variablen Schaltsaugrohr, das eine gleichmäßige Kraftentfaltung über einen breiten Drehzahlbereich ermöglicht. 80 Prozent der maximal 195 Nm Drehmoment stehen fast über das ganze Drehzahlband bereit.

Schaltfaul unterwegs

In der Praxis lässt sich der MPV extrem schaltfaul fahren. Fünfter Gang bei nur 40 km/h ist kein Problem. Ohne gequältes Brummen nimmt das Triebwerk Gas an und zieht den Van langsam aber sicher aus dem Drehzahlkeller - zumindest so lange keine großen Steigungen oder viel Gepäck das Leben zusätzlich schwer machen. Der MPV 2.3 schafft andererseits den Sprint von null auf 100 km/h in nur 12,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 180 km/h erreicht. Eine Traktionskontrolle verhindert beim schnellen Beschleunigen durchdrehende Räder. Weitere Sicherheitssysteme wie das elektronische Stabilitätsprogramm ESP oder ein Notbremsassistent sind allerdings nicht verfügbar. Dass Hochgeschwindigkeitsetappen auf der Autobahn mit dem MPV keinen Spaß machen, liegt nicht etwa am Fahrwerk oder an der Geräuschkulisse, sondern am Bordcomputer. Auch wenn Baustellen und Tempolimits sparen helfen, liegt der Durchschnittsverbrauch bei einer So-schnell-wie-möglich-Fahrt kaum unter 14 Litern. Durchschnittswert über zwei Wochen Redaktionsalltag: 10,4 Liter.

Alles drin

Der in der Topausstattung Exclusive angetretene Mazda MPV ist japantypisch reichhaltig ausgestattet: 16-Zoll-Fahrwerk mit Leichtmetallfelgen, beheizbare Außenspiegel, Klimaanlage mit zusätzlicher Heizung im Fond und ein Bordcomputer sind neben den üblichen elektronischen Helfern für Fenster und Türen die wichtigsten Posten. Für Sicherheit an Bord sorgen Front- und Seitenairbags, die auch Brust und Kopf schützen sollen, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Isofix-Kindersitzverankerungen auf den äußeren hinteren Sitzreihen. An Extras bleiben das - sehr große - elektrische Glasschiebedach, Metallic-Lackierung und ein Navigationssystem mit Farbmonitor, Kassetten- und CD-Player.

Fazit: Der Mazda MPV 2.3 Exclusive ist ein grundsolider Typ, den man mit jedem Meter mehr schätzen lernt. Und wer meint, nur ein Turbodiesel passt zu einem Van, der wird von dem durchzugsstarken Vierzylinder-Benzintriebwerk eines besseren belehrt - zumindest so lange nicht ständig der Bleifuß das Tempo bestimmt.

(06/03) planbar! Holger Schilp

 
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