Doblò JTD: Wiedergeburt der tollen Kiste
Pragmatiker mit QualitätenKonsequent praktisch, völlig uneitel und doch mit einem gewissen rustikalen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Damit lässt sich der Fiat Doblò genauso treffend beschreiben, wie seinerzeit der Panda. Und noch etwas haben die beiden gemeinsam: Entweder ist es Liebe auf den ersten Blick, oder man wird wohl kaum jemals Zuneigung empfinden. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, auf Komfort muss im Doblò niemand verzichten. Ein schluckfreudiges Fahrwerk, die solide Verarbeitung und eine reichhaltige Zubehörliste machen den Alltag mit dem Doblò angenehm. Allerdings summieren sich die Extras im Testwagen wie Navigationssystem mit angeschlossenem Call-Center, Klimaanlage, Leichtmetallfelgen, Parksensor und beheizbare Außenspiegel auf das hübsche Sümmchen von 4.350 €. Das ist immerhin ein Viertel des Basispreises von 16.100 Euro.
Unendliche WeitenViel schwarzer Kunststoff an Front und Heck verleiht dem Doblò eine kernige Optik. Doch innen herrscht die lichte Weite eines Ateliers. An Kopffreiheit herrscht bei 1,81 Meter Fahrzeughöhe kein Mangel. Personen mit großem Platzbedarf dürften auch an der riesigen Heckklappe ihre Freude haben. Im Testbetrieb hat sie sich zudem als prima Regenschutz beim Picknick am Straßenrand bewährt. Zwei seitliche Schiebetüren sorgen ab der getesteten ELX-Version für einen komfortablen Zugang zu den hinteren Plätzen. Dort herrscht fürstliche Beinfreiheit, die nicht nur Kindern entspanntes Reisen ermöglicht.
Wenn es um Stauraum geht, kann die Konkurrenz einpacken. Obwohl er nicht länger als ein VW Golf ist, schluckt der Doblò selbst mit fünf Personen an Bord zweieinhalb mal mehr als der Bestseller aus Wolfsburg. Bei Bedarf wächst der Laderaum von 750 Liter auf bis zu 3.000 Liter. Kleinkram verschwindet in den vielen Fächern und Ablagen, die sich in den Türen und über der Windschutzscheibe befinden. Mit 53 Zentimetern schont die Ladekante den Rücken, wenn wieder einmal der halbe Baumarkt mit nach Hause soll. Doch Vorsicht: 480 Kilogramm Zuladung sind in diesem Raumwunder schnell erreicht.
Blick hinter die KulissenRobuste Kunststoffe und viel lackiertes Blech im Innenraum lassen keinen Zweifel, dass der Doblò mehr Nutzfahrzeug als Pkw ist. Instrumente und alle wichtigen Schalter sind hoch und damit griffgünstig platziert. Sie lassen sich problemlos bedienen - wenn man erst einmal ihren Sinn verstanden hat. So befinden sich die elektrischen Fensterheber gut getarnt rechts und links neben dem auffälligen Warnblink-Schalter. Praktisch ist der Schalthebel im Armaturenbrett, zwischen den Vordersitzen führt ein Weg nach hinten. Die fünf Vorwärtsgänge rasten auf kurzen Wegen ein - leider funktioniert die Führung des kleinen Knüppels nicht immer ganz exakt. Dass der Testwagen einen so ausgewogenen Eindruck hinterlässt, liegt maßgeblich am 1,9-Liter-Common-Rail-Turbodiesel hinter der zerfurchten Blechnase.
Ein starkes StückDer 100 PS (74 kW) starke Vierzylinder packt schon bei 1.500 Umdrehungen mit maximal 200 Nm kräftig zu. Laut ECE-Norm gibt sich das Triebwerk mit durchschnittlich 6,4 Liter zufrieden. Im Test wurden es selbst auf schnellen Autobahnetappen nie mehr als neun Liter, in der Regel pendelt der Verbrauch um die sieben Liter. Der dicke Brocken beschleunigt zügig in 12,4 Sekunden von null auf 100 km/h. Allerdings verliert der Italiener schon bei 168 km/h den Kampf gegen die Gesetze der Physik. Schneller lässt sich die voluminöse Karosserie einfach nicht durch den Wind drücken. Diesel-Kaltstartnageln lässt der JTD nur kurze Zeit hören. Ist die Betriebstemperatur erreicht, präsentiert sich der Selbstzünder fast so kultiviert wie ein Benziner. Trotz Turbodiesel - die werden normalerweise mit Vielfahrerzuschlag gestraft - gönnt die Versicherungswirtschaft dem Doblò die Vollkaskoklasse 14, die Haftpflicht ist mit Typklasse 18 ebenfalls noch recht günstig.
Fazit: Der Fiat Doblò 1.9 JTD ist ein urwüchsiger Typ, der im Alltag mit guten Manieren überzeugt. Komfort und Wirtschaftlichkeit stimmen - eine ziemlich tolle Kiste also, die eigentlich etwas mehr Beachtung verdient hätte.
(07/03) planbar! Holger Schilp