Jaguar X-Type 2.0 D: Stille Revolution
Macht des MarktesDer X-Type hatte schon seit seiner Markteinführung im Jahr 2001 eine Sonderstellung im Jaguar-Modellprogramm: Die kompakte Nobellimousine ist die erste Katze, die offenkundig Gene der Konzernmutter Ford in sich trägt. X-Type und Ford Mondeo sind sich nämlich technisch ähnlicher, als man dies nach einer Probefahrt vermuten möchte. Und richtig: Auch der 2,0-Liter-Vierzylinder-Common-Rail-Turbodisel des X-Type findet sich im aktuellen Mondeo. Vierzylinder, Diesel und Frontantrieb sind die logische Konsequenz, wenn Jaguar in der Premium-Liga der Mittelklasse neue Kunden gewinnen möchte. In Europa werden nämlich zwischen 50 und 75 Prozent aller kompakten Nobellimousinen mit einem modernen Turbodiesel verkauft - genau hier mussten die Briten bislang passen.
Edel-DieselAuch mit Dieselmotor muss ein Jaguar besonders hohe Komforterwartungen erfüllen. Deshalb spendierten die Engländer dem Ford-Triebwerk eine neue Abstimmung und widmeten sich intensiv der Geräuschdämmung. Ergebnis: Nur im Leerlauf ist der 2,0-Liter-Motor noch als Selbstzünder zu identifizieren. Schon bei Landstraßentempo ist außer dem leisen Säuseln der Reifen kaum noch etwas zu hören. Kein Wunder. Unter der Motorhaube, an Radhäusern, in sämtlichen Hohlräumen und an der Spritzwand zwischen Motor und Fahrgastzelle wurde reichlich Dämmmaterial verbaut. Die Modifikationen der Motorsteuerung änderten nichts an der Leistung von 130 PS (96 kW) und dem maximalen Drehmoment von 330 Nm, das per Overboost kurzfristig auf 350 Nm gesteigert werden kann. Doch besonders beim Zwischenspurt aus mittleren Drehzahlen verfügt die Limousine nun über einen bemerkenswerten Antritt. Wie am Gummiband gezogen schnellt der X-Type 2.0D nach vorn. Jaguar reklamiert für sich in dieser Disziplin den Klassen-Bestwert. Doch auch die Jaguar-Techniker konnten die Anfahrschwäche nicht ganz wegzaubern. Wer die Drehzahl unter 1.500 Umdrehungen fallen lässt, braucht etwas Zeit, um sich wieder aus dem Turboloch heraus zu arbeiten.
Extremer TypWird das Kätzchen richtig gekitzelt, springt es in 9,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bezwingt einige Zeit später auch knapp die prestigeträchtige 200-km/h-Marke. Durchschnittsverbrauch: 5,6 Liter, bei zügiger Fahrweise werden es gut acht Liter. Schade nur, dass der Brite noch nicht die strenge und in Deutschland steuerlich geförderte Schadstoffklasse Euro4 erreicht. Von einem neu eingeführten Triebwerk kann man das durchaus erwarten. Neben dem Motor wurde auch das Fahrwerk angepasst. Mit Erfolg, Federungskomfort und Einlenkverhalten überzeugen. Und selbst beim beherzten Gaseinsatz zerren keine störenden Kräfte am Ledervolant. Geschmeidig rollt der X-Type dahin. Die Klimaanlage kämpft bei der ersten Testfahrt wacker gegen die Backofenhitze, die sich flirrend über den Asphalt legt. In solchen Situationen ist man besonders dankbar für den englischen Salon, der die Passagiere etwas der realen Welt entrückt. Das Leder der optional sechzehnfach verstellbaren Vordersitze schmiegt sich an den Rücken. Wer denkt jetzt schon daran, dass derartiger Komfort 2.440 € extra kostet. Das in dieser Fahrzeugklasse fast unvermeidliche DVD-Navigationssystem im Touchscreen kommt auf 2.820 € und ist nur in Verbindung mit Klimaautomatik für 600 € zu haben. So lässt sich der Basispreis von 28.500 € schnell in standesgemäße Regionen treiben.
Modellpflege im DetailZum Modelljahr 2004 gibt es weitere Modifikationen, von denen alle X-Type profitieren: Front, Heck und der Innenraum wurden aufgefrischt. Die Instrumente zieren nun schwarze statt grüner Ziffern. Zudem gibt es neue Polsterfarben. Auf der Extras-Liste finden sich elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memory-Funktion und eine akustische Einparkhilfe für die vorderen Stoßfänger. Dahinter besteht das Prallelement nicht mehr aus einem angeschweißten Stahlprofil, sondern aus einem angeschraubten Aluminiumträger. Das senkt nicht nur das Fahrzeuggewicht um fünf Kilogramm, sondern reduziert auch die Reparaturzeit nach einem Unfall um fast vier Stunden - niedrigere Kaskoeinstufungen sollten bald folgen. Die Markteinführung des Jaguar X-Type 2.0D erfolgt im September nach der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Probefahrten und Bestellungen sind ab sofort möglich. Jaguar erwartet, dass künftig zwei Drittel aller X-Type mit dem neuen Motor ausgerüstet sein werden.
Fazit: Jaguar und Diesel - warum nicht? BMW hat diesen Schritt schließlich auch mit Bravour gemeistert. Das einzige, was der Diesel-Katze noch fehlt, ist eine Extraportion Leistung, wie sie so mancher Konkurrent zu bieten hat.
planbar, Holger Schilp