Mini Cooper S: König der Landstraße
Wie alles begannMini Cooper - eine Legende seit 1959. Damals trat John Cooper mit seiner aufgemotzten Hutschachtel in Monza gegen die versammelte Sportwagen-Elite an. Schon bei der Anreise von England aus ließ Cooper einen zeitgleich gestarteten Aston Martin DB 4 GT eine Stunde hinter sich zurück. Doch trotz aller sportlichen Erfolge sollte es zwei Jahre zäher Verhandlungen mit Britisch Motor Company kosten, bis Cooper seinen Schriftzug auf entsprechend getunten Fahrzeugen anbringen durfte - zum mageren Salär von zwei britischen Pfund je Mini. Von 1961 bis 1971 wurden 144.910 Mini Cooper produziert, die auf Rennstrecken bis zum Gesamtsieg der Rallye Monte Carlo reichlich sportlichen Lorbeer ernteten.
Tradition verpflichtetDie Messlatte für den Mini Cooper S liegt hoch. Und weil der von
BMW produzierte neue Mini deutlich größer und mit 1.215 Kilogramm auch erheblich schwerer ist als der legendäre Urahn, pflanzten die Bayern ein richtiges Powerpack unter die Haube: 163 PS (120 kW) quetscht ein Kompressor aus dem 1,6-Liter-Vierzylinder. Das sollte reichen, könnte man meinen. Doch schon die ersten Kilometer machen klar: da geht noch was. Weder auf der Autobahn bei knapp 220 km/h noch auf kurvigen Landstraßen zeigt sich das Fahrwerk überfordert. Selbst ohne die Überwachung des elektronischen Stabilitätsprogramm DSC bleibt der Mini gut beherrschbar. Leicht kontrollierbar lässt sich der Kraftbolzen mit Gaspedal und der super direkten Lenkung um die Kurven zirkeln. Auch die Bremsen sind derlei Eskapaden locker gewachsen.
Aus der Enge der StadtBei Bedarf springt der Cooper S in 7,4 Sekunden auf Tempo 100. Dennoch kann der Vierzylinder nicht ganz überzeugen. Trotz Kompressor zeigt er bei niedrigen Drehzahlen wenig Biss. Zudem kommt die Maschine nur zäh auf Touren. Bei 4.000 Umdrehungen, wenn das maximale Drehmoment von 210 Nm bereit steht, ist das alles vergessen. Vom Summen des Kompressors begleitet, fliegt der Drehzahlmesser in den roten Bereich. Die Passagiere werden mit Nachdruck in die Sportsitze gepresst. Damit scheidet die Stadt als bevorzugtes Revier aus, die Suche nach Fahrspaß führt in weit entlegene Gegenden. Je einsamer, desto lieber. Adrenalin, wo bist du? Die Fahrt über welliges Landstraßengeschlängel, ein Ritt auf der Kanonenkugel. Vorsicht Suchtgefahr.
Eile mit WeileBei aller Straffheit lässt das Fahrwerk noch einen Rest Komfort übrig, so dass durchaus einmal lange Strecken unter die 16-Zoll-Bereifung genommen werden können. Freie Fahrt und einen schweren Gasfuß vorausgesetzt, gibt es in erfrischend kurzen Abständen Gelegenheit für eine Pause. Im Sommer muss die extrem steil stehende Windschutzscheibe gut alle halbe Stunde von den bemitleidenswerten Fliegen gesäubert werden, deren Leben bei der Begegnung mit dem Cooper S ein jähes Ende fand. Zudem lässt das Triebwerk bei Vollgas alle Hemmungen fallen und säuft wie ein Loch - vielleicht werden die Zylinder ja auch mit Benzin gekühlt. Durchschnittswerte von über 18 Liter lassen sich jedenfalls leicht erzielen. Im Alltag gibt sich der Brite mit zehn bis zwölf Liter zufrieden. Ruhige Fahrer werden auch mal die acht auf dem Bordcomputer erblicken.
Licht und Schatten
Der Innenraum des Mini Cooper S unterscheidet sich nur in Details von den schwächeren Versionen. Etwas Chrom, andere Stoffe und Sitze schaffen sportliche Atmosphäre. Es dominiert der bratpfannengroße Tacho in der Fahrzeugmitte, der Drehzahlmesser ist blickgünstiger direkt hinter dem griffigen Sportlenkrad platziert. Leider finden sich auch die kratzempfindlichen Kunststoffe im sportlichsten Mini wieder. Und auch die Verarbeitungsqualität lässt noch Raum für Verbesserungen, wie die permanent lockere Verkleidung des Hochton-Lautsprechers in der Fahrertür beweist.
Fazit: Großer Spaß im kleinen Flitzer. Der Mini Cooper S ist das ultimative Sportgerät für die Landstraße. In der Stadt dagegen können sich die Extra-PS nicht so recht entfalten. Hier reicht für das kurvengierige Mini-Feeling bereits die Basisversion Mini One mit 90 PS. Wer es stärker mag: der Cooper S kostet ab 19.990 €.
(07/03) planbar, Holger Schilp
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