SLR McLaren: Formel-1 für die Straße
Alle für einenMercedes-Benz, SLR und McLaren - drei Namen von denen jeder einzelne bei Autofans Emotionen weckt. Sind alle drei zusammen Namens-Paten für ein Fahrzeug, dann muss das Ergebnis sensationell sein. Der Mercedes-Benz SLR McLaren ist angetreten, das Versprechen zu erfüllen: 626 PS und 780 Nm Drehmoment, eine Beschleunigung von 3,8 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 sind entsprechend beeindruckende Werte. Ein Novum ist die komplett aus Kohlefaser gefertigte Karosseriestruktur, für deren Herstellung die Mercedes-Techniker bei der Textilindustrie in die Lehre gingen. Das Wunderwerk der Technik wird von den McLaren-Rennsportspezialisten in Woking nahe London gebaut. Pro Jahr sollen 500 Exemplare zum Preis von knapp 400.000 € entstehen.
Zurück in die ZukunftBereits die Optik des SLR McLaren lässt ein pfeilschnelles Fahrzeug erwarten. Die spitze Nase zitiert das Design eines McLaren Formel-1-Rennwagens. Horizontale Entlüftungsstege und kurze Sidepipe-Auspuffrohre hinter dem vorderen Radkasten erinnern genauso an den legendären SLR-Rennwagen aus den 50-ern wie die Flügeltüren. Im Gegensatz zum historischen Vorbild, das nach seinem Konstrukteur Uhlenhaut-Coupé genannt wurde, sind die Flügeltüren des neuen SLR aus Sicherheitsgründen nicht am Dach sondern am schrägen vorderen Dachholm angeschlagen. Auffällig ist auch die schier endlos lange Motorhaube. Die Proportionen ergeben sich zwangsläufig, wenn der Motor für eine ausgewogene Gewichtsverteilung weit hinter der Vorderachse angeordnet wird. Im Heck bleibt Platz für 272 Liter Gepäck. Mit 4,56 Meter Länge ist der Mercedes SLR zwölf Zentimeter länger als das SL-Cabrio. Der Dynamik tut das keinen Abbruch.
Kraft im ÜberflussUnter Regie der Mercedes-Tochter AMG entstand ein V8-Kompressortriebwerk mit 5,5 Litern Hubraum. Der Motor ist ein echter Dampfhammer. Schon bei 1.500 Umdrehungen drücken über 600 Nm auf die Kurbelwelle. Von 3.250 U/min bis 5.000 U/min steht das maximale Drehmoment von 780 Nm zur Verfügung. Zum Vergleich: Selbst durchzugsstarke Pkw-Turbodieselmotoren erreichen nur selten mehr als 400 Nm Drehmoment. Der SLR McLaren jagt in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und passiert nach nur 10,6 Sekunden die Tempo-200 Marke, 300 Stundenkilometer sind aus dem Stand in 28,8 Sekunden möglich. Höchstgeschwindigkeit: 334 km/h. Der Durchschnittsverbrauch beträgt 14,8 Liter. Mit vier Metallkatalysatoren und Doppelzündung erreicht das Hochleistungstriebwerk immerhin die Schadstoffnorm EU-4. Wie bei Mercedes-AMG üblich, erfolgt die Motorenproduktion in Handarbeit. Es gilt dabei das Prinzip: Ein Mann - ein Motor.
Modernste TechnikFür die Kraftübertragung kommt eine Fünfgangautomatik zum Einsatz, die drei verschiedene Schaltprogramme kennt. Bei der Wahl "Comfort" oder "Sport" erfolgt der Gangwechsel automatisch. Im Modus "Manuell" kann zwischen drei Programmen gewählt werden: Sport, Supersport und Race. In dieser Reihenfolge reduziert sich die Reaktionszeit im Getriebe: Gangwechsel erfolgen immer schneller. Sie werden über Tasten am Lenkrad oder Tippschaltung am Ganghebel ausgelöst. Dem Leistungspotenzial entsprechend, ist auch die Bremsanlage auf höchste Belastungen ausgelegt. Die Bremsscheiben bestehen aus carbonfaserverstärkter Keramik. Zur Herstellung werden Kohlefasern, Kohlepulver und Harz unter großem Druck zusammengepresst und bei 1.500 Grad durch Infiltration mit Silizium zu Keramik gebacken. Das rennsporterprobte Material hält Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius aus und ist für eine Laufleistung von bis zu 300.000 Kilometern konzipiert. Wichtigstes Kriterium sind jedoch die hohen Verzögerungswerte von 1,3 G (1 G = Erdbeschleunigung). Damit stoppt der SLR McLaren in nur 34,9 Metern aus Tempo 100 - gut eine Fahrzeuglänge früher als dies einem durchschnittlichen Pkw gelingt.
Stoff zum TräumenDie Karosseriestruktur des SLR McLaren besteht wie bei einem Formel-1-Boliden komplett aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff, den Fachleute auch kurz als CFK bezeichnen. Flügeltüren und Motorhaube sind aus dem gleichen Material gefertigt. CFK wiegt 50 Prozent weniger als Stahl und bietet auch gegenüber Aluminium 30 Prozent Gewichtsvorteil. Noch wichtiger: CFK kann bei einem Aufprall extrem viel Energie absorbieren. Und so genügen zum Schutz der Fahrgastzelle beim Frontalcrash zwei 62 Zentimeter lange Längsträger, jeder ganze 3,4 Kilogramm leicht. Die Aufprallenergie wird von den Trägern absorbiert, indem die Carbonfasern nach einem exakt berechneten Deformationsverhalten von vorne nach hinten zerreißen. Bislang erfolgte die Cfk-Produktion in akribischer Handarbeit.
Mit Nadel und FadenFür den SLR wurden Techniken entwickelt, die denen der Textilindustrie ähneln und erstmals eine Serienproduktion der Kohlefaserteile ermöglichen. Kohlefasern werden für das Träger-Kernelement maschinell vernäht. Anschließend kommt der Rohling in eine eigens entwickelte Flechtmaschine. Dort werden 25.000 Carbonfaserelemente von 48 Rollen abgespult, die den eigentlichen Längsträger formen. Vier Jahre Entwicklungszeit steckten die CFK-Spezialisten von McLaren und Mercedes-Benz alleine in dieses kleine technische Meisterwerk.
Fazit:<7b> Der Mercedes-Benz SLR McLaren - ein Super-Sportwagen für super-reiche Zeitgenossen. Sie dürfen sich ab Anfang 2004 auf Rennsport-Technologie für den Straßenverkehr freuen.
planbar.de, Holger Schilp