Nissan Micra 1.4: Ein knuffiger Typ

Nissan Micra 1.4: Ein knuffiger Typ
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Jenseits der Norm

Der neue Nissan Micra ist einfach anders. Er widersetzt sich dem Sportlichkeits- und PS-Größenwahn, dem die Automobilindustrie derzeit huldigt. Maximal 88 PS (65 kW) genügen dem japanischen Charmeur, um nicht nur flott in der Stadt unterwegs zu sein; auch längere Autobahnetappen werden halbwegs entspannt bewältigt. Großen Verdienst daran haben die Nissan Akustiker, die Fahrwerks- und Windgeräusche auf ein Minimum reduzierten. Zudem gelang den Ingenieuren das Kunststück, unter der im Vergleich zum Vorgänger um drei Zentimeter kürzeren Karosserie deutlich mehr Platz für die Passagiere und jede Menge Stauraum zu schaffen. Viele Gründe also, um den pfiffigen Kleinwagen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Schein und Sein

Was auch nach der x-ten Begegnung noch fasziniert, ist das mutige Design, wie es sonst nur wenige Autos bieten. Der Mini oder der Renault Twingo sind solche Sonderfälle. Beispielhaft sind die hoch in die Kotflügel ragenden Scheinwerfer mit ihren blasenartigen Wölbungen an der Oberseite. Sie dienen beim Einparken als Peilmarkierungen und beweisen, dass ausgefallene Optik durchaus auch einen besonderen Nutzen haben darf. Die Show geht weiter. Im Testwagen scheint der Instrumententräger mit einem stark strukturierten Stoff bespannt zu sein. Doch Fehlanzeige, es handelt sich um einen leicht zu reinigenden Kunststoff, mit dem ein Designer ein kleines Meisterwerk abgeliefert hat. Das gilt leider weniger für die trist grauen Seitenverkleidungen der Türen, die deutlich den Rotstift erkennen lassen. Wenig gelungen ist auch das runde Display der Klimaautomatik (1.200 €), auf dem bei flach stehender Sonne kaum etwas zu entziffern ist. Und auch die Perlmutt schimmernden Knöpfe des Radios sehen netter aus als sie sich handhaben lassen. Mit dem ab der Ausstattungslinie acenta serienmäßigen Multifunktionslenkrad spielt dieser Makel keine Rolle mehr. Mit dem Daumen lässt sich das Soundsystem locker bedienen.

Multi-Talent

Kein Zweifel. Der Micra acenta ist mit seiner umfangreichen Ausstattung ein richtig komfortables Schnuckelchen. Selbst einen Regensensor gönnten ihm die Entwickler. Dazu kommen elektrische Fensterheber vorne, beheizte Außenspiegel, Bordcomputer, Funk-Zentralverriegelung, Lederlenkrad sowie viele nützliche Details wie Taschenhaken an der Mittelkonsole für Einkaufstaschen. Wem das noch nicht reicht, der kann noch ein elektrisches Glasschiebedach (490 €) oder ein Navigationssystem (1.500 €) ordern. Mindestens so praktisch sind im Alltag die vielen Staufächer - eines davon unter dem hochklappbaren Beifahrersitz - und Cupholder, die von der Espressotasse bis zur 1,5-Liter-PET-Flasche alles fassen. Großen Wert legen die Entwickler auf die Tatsache, dass für die Planung des Kofferraums in ganz Europa mehrere Dutzend Kinderwagen gekauft wurden. Zumindest, wenn die Rückbank nach vorne geschoben wird, dürfte auch der größte Sportwagen Platz haben. Dann steigt das Ladevolumen nämlich von 251 auf 371 Liter, bei umgeklappter Rückenlehne sind es sogar bis zu 982 Liter.

Anti-Stress-Programm

Kleinwagen und Automatik, das hat in der Vergangenheit selten funktioniert. Viele Hersteller setzen daher auf automatisierte Schaltgetriebe. Anders Nissan: Im Micra kommt eine neue 4-Gang-Automatik mit Drehmomentwandler zum Einsatz. Und die Mischung stimmt. Fast schon zu spontan reagiert der Japaner nach dem Start auf kleinste Hinweise, die der Gasfuß gibt. In der Stadt lässt sich damit gut leben. Erst über 80 km/h lässt der Vortrieb etwas nach, was zu wenig berauschenden 15 Sekunden von null auf 100 km/h führt. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 158 km/h bleibt 14 Sekunden hinter der handgeschalteten Version zurück. Doch im Alltag überwiegen die Vorteile, zumal auch der Verbrauch selten über 6,5 Liter steigt. Leise und stressfrei rollt der Micra so durch den Stadtverkehr. Wird es einmal gefährlich, greift der Notbremsassistent beherzt ein und reduziert so den Anhalteweg um entscheidende Meter. Zur serienmäßigen Sicherheitsausstattung gehören vier Airbags für die vorderen Passagiere, Window-Airbags sind optional (200 €) verfügbar. Ab Herbst 2003 ist für die stärkeren Motorisierungen auch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP verfügbar.

Fazit: Der Nissan Micra 1.4 Automatik ist ein quirliger Begleiter für den Großstadtalltag, der mit einer ordentlichen Portion Komfort überzeugt. Wer nicht ständig auf der Suche nach dem nächsten Ampelduell ist, wird an dem unkonventionellen Japaner viel Freude haben.

planbar.de, Holger Schilp

 
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