Daihatsu Copen: Einer wie keiner
Ein Traum für jeden TagLang ist es her: Auf der Tokio Motor Show 1999 zeigte Daihatsu einen frechen kleinen Roadster, der die Herzen des Publikums im Sturm eroberte - den Copen (compact und open). Nun endlich, kommt der 3,40 m kurze Zweisitzer nach Deutschland. Wenn auch nur in kleiner Auflage von 500 Exemplaren pro Jahr. Mehr kann Daihatsu nicht liefern. Der Copen entsteht weitgehend in Handarbeit und wird erst auf Bestellung gebaut. Bei einem Preis von 17.200 € werden da wohl einige Interessenten leer ausgehen.
Halbe Portion macht AppetitWo ist vorne, wo ist hinten? Die bei wuscheligen Hunden gern gestellte Frage hat auch beim Copen ihre Berechtigung. Front und Heck unterscheiden sich von der Seite betrachtet fast nur durch die Farbe der Scheinwerfer, die bis in die Kotflüge reichen. Beim beherzten Gasgeben lässt sich der Vierzylinder-Turbomotor zu einem frechen Fauchen hinreißen. Das Triebwerk ist mit 660 Kubikzentimetern nur halb so groß wie der kleinste Antrieb eines VW Polo. Doch dank Turbolader und Ladeluftkühlung stehen 68 PS (50 kW) bereit, die bei nur 830 Kilogramm Fahrzeuggewicht leichtes Spiel haben: null bis 100 km/h in 11,7 Sekunden. 170 km/h sind möglich. Obwohl der kleine Motor Höchstleistungen bringen muss, begnügt er sich mit Normalbenzin. Laut Daihatsu reichen 6,4 Liter.
Japan in ReinkulturBevor die Testfahrt losgehen kann, muss der Pilot auf die rechte Fahrzeugseite wechseln, wo normalerweise der Beifahrer sitzt. Dort befindet sich nämlich das griffige Momo-Sportlenkrad. Daihatsu hat keine spezielle Europa-Version entwickelt - und in Japan sitzt man eben rechts. Weil der Flitzer so klein ist, fällt die Umstellung nicht besonders schwer. Schon nach einigen Kilometern sortiert die linke Hand treffsicher die Fünfgangschaltbox. Großen Menschen reicht der 1,24 Meter flache Roadster kaum bis zum Bauchnabel. Bei geschlossenem Dach wird das Einfädeln dann ziemlich mühselig. Innen ist jedoch mehr Platz, als erwartet. Doch der Dachholm, direkt neben der Schläfe, stört das Blickfeld. Beim Seitenaufprall könnte der knappe Raum zum Problem werden. Der Sitz drängt sich dicht gegen die dünne Fahrertür. Für Seitenairbags ist kein Platz. Die Sicherheitsausstattung begnügt sich deswegen mit ABS, zwei Frontairbags und Gurtstraffern.
Hin und wegDerlei Bedenken verfliegen schnell, wenn der Fahrtwind durch die Haare weht. Also Sesam öffne dich: Das Aluminiumverdeck klappt nach oben, faltet sich und füllt in wenigen Augenblicken den Kofferraum. Von 210 Liter Gepäckvolumen bleiben ganze 14 Liter übrig. Egal ob offen oder geschlossen, der Daihatsu Copen zieht die Blicke der Passanten magisch an. Meist begleitet von einem freundlichen Lächeln. Bei der Probefahrt stahl der freche Zweisitzer an der
Tankstelle sogar einem
Porsche Boxter die Schau. Je länger die Ausfahrt dauert, desto sympathischer wird der Copen. Im Sauseschritt fliegt die Nadel über den Drehzahlmesser und bald ist klar, das Sportfahrwerk trägt seine Bezeichnung zu recht. Wieselflink wetzt der Copen um die Ecken und lässt sich auch von gewagten Manövern nicht aus der Ruhe bringen. Bei aller Sportlichkeit bleibt der Federungskomfort nicht auf der Strecke. Auch die Verarbeitungsqualität überzeugt. Ohne Klappergeräusche geht es über das Holperpflaster rund um Berlin.
Wenn die Extras lockenDaihatsu hat viel Ausstattung in den kleinen Copen gepackt. 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, Sportsitze, Überrollbügel mit Windschott, Klimaanlage, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber sind serienmäßig. Richtig knuffig wird der Copen mit Metallic-Lackierung, Ledersitzen und reichlich Aluminium für Lüftungsdüsen, Mittelkonsole, Schaltknauf, Pedalerie, Tankklappe, Frontgrill und Doppelrohr-Auspuffanlage. Alles zusammen kostet nochmals gut 2.000 €. Auch das Sportfahrwerk will mit 300 € extra bezahlt werden. In Komplettausstattung bleibt der Copen nur knapp unter 20.000 € - ein stolzer Preis für eine handvoll Auto.
Fazit: Der Bauch sagt "JA!" Der Verstand ist da nicht ganz so euphorisch. Einen Bonsai-Roadster zu Zwergenpreisen zu verkaufen, das gelingt eben selbst den Kleinwagenspezialisten von Daihatsu nicht. Der Zweisitzer ist, für diejenigen, die sich das leisten können, der perfekte Zweit- oder Drittwagen. Und wie geschaffen für gelegentliche Fluchten aus dem Alltag.
planbar.de, Holger Schilp