Fiat Panda: Nichts geht über Bärenmarke
Mit der ZeitBeim Blick in die Ausstattungsliste würde sich der Ur-Panda verwundert die Scheinwerfer reiben. Abnehmbare und waschbare Sitzbezüge entdeckt das Bärchen dort nicht mehr. Stattdessen gibt es, je nach Modellversion, ABS, ESP und bis zu sechs Airbags. Mehr bietet in dieser Fahrzeugklasse derzeit keiner. Für verwöhnte Großstädter sind optional Klimaautomatik, das Panorama-Glasdach Sky Dome oder Soundanlagen mit fettem Bass und CD-Wechsler im Angebot. Auch nacktes Blech im Innenraum gehört der Vergangenheit an. Der neue Panda präsentiert sich wohnlich, selbst wenn die scharfkantige Kunststoffverkleidungen an manchen Stellen vom strengen Regiment des Rotstifts zeugen. Bis auf die Schalter für die elektrisch einstellbaren Außenspiegel, die sich am Boden zwischen beiden Vordersitzen verstecken, gibt auch die Bedienung keine Rätsel auf. Besonders praktisch ist der Schaltknüppel, der wie ein Joystick aus der Mittelkonsole herausragt und sich wunderbar leichtgängig und präzise bedienen lässt.
Kleines RaumwunderMit seinen 3,45 m Länge ist der Panda - zumindest bei den Abmessungen - ein richtiger Kleinwagen geblieben. Dennoch finden vier Personen und der Großeinkauf am Wochenende bequem Platz. Der Trick: Proportionen wie bei einem kleinen Van und eine geteilte Rückbank, die sich um acht Zentimeter in der Länge verschieben lässt. Und so steht im Heck entweder viel Knieraum für die Passagiere oder bis zu 230 Liter Kofferraum zur Verfügung. Mit umgeklappten Rücksitzlehnen sind es maximal 775 Liter. Leider verlangt Fiat für diese pfiffige Lösung 250 € extra. Die beiden Basismodelle müssen ganz darauf verzichten. In der Stadt glänzt der Panda dank hoher Sitzposition und kantiger Karosserie mit perfekter Übersichtlichkeit. Das Einparken wird vollends zum Kinderspiel, wenn die Servolenkung Dualdrive im Stadtmodus arbeitet. Nach einem Knopfdruck lässt sich der Italiener mit leichter Hand in kleinste Lücken bugsieren. Erst bei höherem Tempo nimmt die Lenkunterstützung wieder ab.
Hauptsache mobilEinzig das Basismodell muss auf Dualdrive verzichten. Dafür kostet der Panda 1.1 mit 54 PS (40 kW) auch nur 8.290 €. Der Vierzylinder ist ein eifriges Kerlchen, das in der Stadt locker mithalten kann. Erst auf der Autobahn geht ihm die Puste aus, was er bei maximal 150 km/h dann auch lautstark mitteilt. Das Basismodell bietet vor allem Mobilität. Zwei Frontairbags, Wärmeschutzverglasung, umklappbare Rückbank und drei Getränkedosenhalter in der Mittelkonsole sind die wichtigsten Posten der Ausstattungsliste. Elektrische Servolenkung, höhenverstellbares Lenkrad, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber sind erst im Panda Active für 8.850 € an Bord.
Feiner KleinerKopfairbags und höhenverstellbare Sicherheitsgurte (200 €) lassen sich erst im Panda Dynamic nachrüsten. Für 9.450 € sind auch ABS, Seitenairbags, Isofix-Befestigungen für Kindersitze, eine geteilte Rückbank, Drehzahlmesser, ein Bordcomputer und Stoßfänger in Wagenfarbe im Paket enthalten. Als Zugabe schnurrt unter der Haube der durchzugstärkere 1,2-Liter-Motor mit 60 PS (44 kW). Mit 5,7 Liter verbraucht er nur 0,1 Liter mehr als der Basismotor. Dafür ist er aber auch spürbar durchzugstärker und bei Bedarf mit 155 km/h unterwegs. Mit beiden Motoren ist der Panda meilenweit von sportlicher Fortbewegung entfernt. Gegen forcierte Gangart wehrt sich der Panda mit starker Seitenneigung, quietschende Reifen kündigen früh den Grenzbereich an. Dafür schluckt das weiche Fahrwerk klaglos auch tiefe Schlaglöcher. Die großzügig bemessenen und bequemen Vordersitze tragen ihren Teil zum insgesamt positiven Fahrgefühl bei. Reisen statt rasen, heißt die Devise, die besonders zum Topmodell Panda Emotion passt. Das Luxus-Bärchen kostet 11.450 € und verwöhnt mit Klimaautomatik, CD-Radio, 14-Zoll-Leichtmetallfelgen, Dachreling, Funk-Zentralverriegelung und beheizbaren Außenspiegeln.
Sparen kostet mehrAnfang 2004 folgt ein 1,3-Liter-Common-Rail-Turbodiesel mit 70 PS (51 kW). Der Selbstzünder verbraucht im Schnitt nur 4,3 Liter. Leider wird der kleine Geizkragen gegenüber dem mittleren Benzintriebwerk fast 1.800 € Aufpreis kosten. Deshalb teilt ihm Fiat im Modellmix auch nur eine Nebenrolle zu. Insgesamt sollen in Deutschland dieses Jahr noch 6.000 Panda ein liebevolles Zuhause finden. Die Chancen dafür stehen gut, denn schon vor der Markteinführung lagen den Händlern 5.000 Vorbestellungen vor. Offensichtlich kann die Kundschaft rechnen. Ausstattungsbereinigt ist der Panda günstiger als seine direkten Wettbewerber Daihatsu Cuore, Daewoo Matiz, Opel Agila und Renault Twingo.
Fazit: Der neue Panda ist ein knuffiges Kerlchen, das mit inneren Werten überzeugt. Funktionalität, Ausstattung und Komfort bieten mehr, als man in dieser Fahrzeugklasse normalerweise erwarten kann.
planbar.de, Holger Schilp