Matiz 1.0 SE: Kleiner Freund
Von Meisterhand Der Daewoo Matiz sieht aus wie ein zu heiß gewaschener Kompaktvan. Motorhaube und Innenraum gehen fließend ineinander über. Durch die weit nach vorn gezogene Windschutzscheibe entsteht ein luftiges Raumgefühl. Man möchte kaum glauben, dass der Matiz ganze 3,50 Meter kurz ist. Italiens Stardesigner Giugiaro hat dem Matiz zweifellos ein hübsches Kleid geschneidert.
Kurz und knappDie gute Raumausnutzung schafft auch im Fond genügend Platz für die Beine. Selbst Erwachsene sind hier noch passabel untergebracht. Allerdings zwingt die kurze Sitzfläche zu einer unnatürlich aufrechten Haltung. Gut, dass Daewoo dem Benjamin der Modellpalette serienmäßig vier Türen spendierte. Das Gepäckabteil schluckt mit 145 Litern auch einen Wochenend-Großeinkauf. Wer die Rückbank umklappt, hat 512 Liter Stauraum zur Verfügung. Wenn der Matiz irgendwo zwickt, dann in der Fahrzeugbreite. Ganze 1,50 m stehen zur Verfügung. Groß gewachsene Europäer gehen mit den Schultern häufiger mal auf Tuchfühlung. Die rechte Hand am Knie des Beifahrers, das ist im Matiz kein Zeichen unsittlicher Annäherung, sondern beim Einlegen des fünften Gangs nahezu unvermeidlich.
Günstiger UnterhaltWer sich für den Matiz interessiert, sollte sich die SE-Ausstattung für 8.990 € gönnen. Darin sind bereits ABS, zwei Airbags, Servolenkung, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn und Stoßfänger in Wagenfarbe enthalten. Metallic-Lackierung (230 €) und Klimaanlage (870 €) kosten im Testwagen nochmals extra. Was sparen hilft: 36 Monate Mobilitätsgarantie und eine ebenso lange Gewährleistung. Auch die Versicherungseinstufungen (HP 11/ TK 20/ VK 12) fallen günstig aus.
Minimalismus Die Inneneinrichtung ist funktional, die Instrumentierung beschränkt sich mit Tacho, Tankuhr und Kühlwasseranzeige auf das Nötigste. Mit blauen Ziffernblättern und weißen Zeigern erfreuen die drei Rundinstrumente dennoch das Auge. Trotz einfacher und teilweise harter Kunststoffverkleidungen wirkt der Matiz recht wohnlich. Als praktisch erweist sich die Fernentriegelung für Tankdeckel und die Hecklappe. Auch ohne höhenverstellbares Lenkrad findet sich im Matiz eine passende Sitzposition. Was dagegen wirklich stört: Vordersitze im Bonsai-Format, die den bürogeplagten Rücken von Großstädtern kaum stützen.
Flotter FlitzerLos geht`s. Der Matiz stürzt sich in den Stadtverkehr. 64 PS (47 kW) haben mit dem 870 Kilogramm-Floh leichtes Spiel. Null auf 100 km/h: 13,7 Sekunden. Leider glänzt das Fünfganggetriebe nicht gerade mit einer besonders exakten Schaltkulisse. Der Klang des Vierzylinders ist kräftig, aber nicht störend, das gilt auch für Autobahnetappen. Lange Strecken lassen sich mit maximal 152 Stundenkilometern zurücklegen. Mit vier Personen und Gepäck an Bord büßt der ansonsten leichtfüßige Flitzer spürbar an Temperament ein. Das Fahrverhalten wird träge und die Bremsen könnten besser zupacken. Nach EC-Norm begnügt sich das 1,0-Liter-Triebwerk mit durchschnittlich 6,4 Liter. Ein realistischer Wert, wie der Test zeigte. Damit stellt der kleine Koreaner zwar keinen Sparrekord auf, aber immerhin darf es das günstigere Normalbenzin sein.
Auf hoher SeeDer Härtetest, dem sich jeder Testwagen unterziehen muss: das gnadenlose Kopfsteinpflaster entlegener Dorfstraßen rund um Berlin. Hier stößt die Federung an ihre Grenzen. Normalerweise sorgt das weich abgestimmte Fahrwerk dafür, dass Schlaglöcher komfortabel gemeistert werden. Nun lässt es den Matiz wie ein Schiffchen in rauer See heftig auf und ab schaukeln. Im Stadtverkehr ist davon glücklicherweise nichts zu spüren. Doch auch diese Marterstrecken entlocken dem Matiz kaum Quietsch- oder Klappergeräusche.
Fazit: Ein flinker Winzling auf Rädern, hübsch verpackt. Der Daewoo Matiz 1.0 fühlt sich besonders im Stadtverkehr zu Hause. Wirklich billig fährt damit jedoch nur, wer bereits bei der Anschaffung an der Ausstattung spart.
planbar.de, Holger Schilp