Mégane 1.6 16V: Griff nach den Sternen
Form und FunktionWas für eine Idee: Das Dach endet abrupt und wie mit einem Rasiermesser abgeschnitten nahezu waagerecht über dem wulstigen Heck. Darunter eine fast senkrecht stehende Scheibe, die im weiten Schwung bis in die Fahrzeugflanken reicht. Dort trifft sie auf den kühnen Bogen, den die Fensterlinie beschreibt. Damit fügt sich der Mégane nahtlos in die avantgardistische Designlinie ein, die mit dem zweitürigen Großraumcoupé Avantime und der Nobellimousine Vel Satis in der Oberklasse begann. Die ungewöhnliche Karosserie fällt jedoch nicht nur auf, sie beschert den Passagieren auf allen Plätzen eine bemerkenswerte Kopffreiheit. Weniger üppig ist der Kofferraum, der sich von 330 Liter auf 1.190 Liter erweitern lässt.
Keiner bietet mehrDie Markteinführung des Mégane erfolgte im Frühjahr 2003 mit einem großen Knall. Fünf Sterne beim Euro NCAP Crashtest. Das hatte zuvor noch keiner geschafft! Bravo, Bravo! Sämtliche Sicherheitsmerkmale aufzuzählen, würde den Umfang des Fahrberichts sprengen. Deshalb nur so viel: Der dreitürige Testwagen verfügt serienmäßig über acht Airbags. Sogar in den Sitzflächen für Fahrer und Beifahrer steckt so ein Teil. Es ist allerdings nicht aus Stoff, sondern besteht aus zwei hauchdünnen Metallstreifen, die sich bei einem schweren Unfall aufblähen und so verhindern, dass die Passagiere unter ihrem Sicherheitsgurt durchrutschen. Als Option werden Seitenairbags auch für die hinteren Plätze geliefert. Beim Aufprall zieht sich zudem das Bremspedal zum Bodenblech zurück und schützt so den Fuß.
Freie AuswahlWelches Auto hätten Sie denn gerne? Der Mégane lässt sich à la carte aus drei Ausstattungs-, vier Designlinien und einer ganzen Motorenreihe zusammenstellen. Zur getesteten Kompaktlimousine gibt es mit Stufenheck, Combi und je einem Van für fünf oder sieben Personen sowie dem Coupé-Cabrio zahlreiche Alternativen. Unser Mégane ist mit dem 1,6-Liter-Benzinmotor angetreten. Der Vierzylinder entwickelt 113 PS (83 kW). Von null auf 100 km/h geht es in 10,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 192 km/h erreicht. Wer auf der Autobahn nicht ständig versucht, neue Rekorde zu brechen, wird mit niedrigem Innengeräusch und einem moderaten Verbrauch belohnt. Normalerweise wird die Werksangabe von 6,9 Litern nur knapp verfehlt. Dominiert jedoch der Bleifuß die Vernunft, sind auch zwölf Liter kein Problem. Doch der Mégane verführt nicht zum Rasen.
Alles unter KontrolleModerates Tempo passt ohnehin viel besser zur komfortablen Federung des Mégane. Wer den kompakten Dreitürer auf der Landstraße fordert, darf sich dennoch über ein sehr sicheres Fahrverhalten freuen. Das Stabilitätsprogramm ESP greift ein, wenn das Fahrzeug auszubrechen droht. Untersteuern, das Schieben der Vorderräder zum Kurvenrand, unterbindet die Elektronik, indem sie die Motorleistung drosselt. Genügt das nicht, greift wieder das ESP ein. Dass die Kurbelei am Lederlenkrad dennoch keine reine Freude ist, liegt an der elektrischen Servolenkung. Sie spart zwar alle 100 Kilometer rund 0,2 Liter Treibstoff, doch ihre Auslegung vermittelt beim Fahren wenig Gefühl für die Straße.
Gut ausstaffiertBesonders gut kann sich der Mégane bei der Ausstattung in Szene setzen. Zum einen überzeugen nette Details wie ein Handbremshebel, der wie die Schubhebel eines Flugzeugs gestaltet ist. Zum anderen bietet die Comfort-Ausstattung mit Klimaanlage, 15-Zoll-Alufelgen, Regen- und Lichtsensor und Bordcomputer eine Menge praktischer Dinge. Highlight ist jedoch Keyless Drive. Hier ersetzt eine etwas klobige Chipkarte den Zündschlüssel. Gestartet wird per Knopfdruck am Armaturenbrett. Eine nette Spielerei, deren Nutzen sich jedoch nicht sofort erschließt, denn die Chipkarte ist wesentlich größer als ein Zündschlüssel, bei dem sich der Bart wegklappen lässt. Schade auch, dass beim Testwagen der Fahrersitz wackelt und das Armaturenbrett auf schlechten Straßen nicht frei von Klappergeräuschen ist.
Fazit: Das Design muss man mögen, Komfort und Fahrwerk sind ohne Tadel. Vor allem das Sicherheitsniveau liegt weit über dem Standard, der in der Kompaktklasse derzeit herrscht. Nur leider kann die Verarbeitungsqualität da nicht in jedem Punkt mithalten.
planbar.de, Holger Schilp