Discovery TD5 HSE: Landadel im Sonntagsanzug
Zweite JugendGoldene Mitte: Der Discovery ist in der Land Rover Modellpalette zwischen dem rustikalen Ur-Landy Defender und dem Nobel-Allradler Range Rover angesiedelt. Und so strahlt die Front mit silbern schimmernden Projektionsscheinwerfern Eleganz aus, während die Seitenlinie mit zahlreichen Kanten und schwarzen Kotflügelverbreiterungen auf einen harten Kern hin deuten. Am Heck wanderten die Rückleuchten aus dem Stoßfänger in die Dachsäulen. Neu gestaltete Stoßfänger vergrößern den Böschungswinkel (vorn: 31 Grad, hinten: 21 Grad). Das ist die größte Steigung, die der Discovery aus der Ebene heraus angehen kann, ohne mit der Karosserie anzuecken. Blickfang des Discovery HSE sind gewaltige 18-Zoll-Alufelgen mit 55er Breitreifen.
Technik verbessertSeit dem letzten Modellwechsel kann der Discovery erstmals auch mit einer zentralen Differenzialsperre bestellt werden. Finden die Räder an einer Achse keinen Grip mehr, landet bei gesperrtem Differenzial die Motorkraft bei der anderen Achse. Bergab begrenzt die von Land Rover entwickelte Hill Descent Control das Tempo automatisch auf Schrittgeschwindigkeit, während die elektronische Traktionskontrolle auf rutschigem Untergrund durch gezielten Bremseingriff verhindert, dass einzelne Räder wild durchdrehen. Neu ist auch die Luftfederung der Hinterachse, die auf Knopfdruck für mehr Platz unter der Karosserie sorgt. Sie verhindert außerdem, dass bei schwerer Beladung das Heck absackt. Eine gute Entscheidung, denn der Discovery darf über 600 Kilogramm zuladen. Schließlich kann der Allradler bis zu 3,5 Tonnen an die Anhängerkupplung nehmen. Auch hier ist eine Niveauregulierung von Vorteil. Skipper und Reiter werden sich freuen. So ausgerüstet, empfiehlt sich der Discovery mit permanentem Allradantrieb und Geländeuntersetzung für die richtig schweren Jobs im Leben.
Kraftwerk an BordEs gibt also viel zu tun für den 2,5-Liter-Turbodiesel und seine 139 PS (102 kW). Der Fünfzylinder verfügt über die hoch moderne Pumpe-Düse-Einspritzung, die einerseits für eine besonders genügsame Kraftstoffverwertung sorgt, andererseits aber auch für den rauen Motorlauf verantwortlich ist. Im kernigen Discovery stört das weniger. Im Gegenteil: das tiefe Brummen aus dem Motorraum verheißt Kraft und Durchhaltevermögen. Wenn sich der Discovery TD5 in 17,1 Sekunden auf Tempo 100 kämpft, wirkt er wie ein träger Bulle, der sich ohne Hektik aber mit aller Macht ins Zeug legt. 340 Nm Drehmoment drücken bereits bei 1.950 Motorumdrehungen auf die Kurbelwelle. Und wenn er muss, schiebt der Discovery mit 157 km/h über die Autobahn. Das ist aber nicht wirklich seine Welt. Straßenlage und Komfort überzeugen auch auf Asphalt, wenngleich der Allradler stets ein wenig behäbig daher kommt. Das hohe Fahrzeuggewicht von über 2,25 Tonnen schlägt sich erwartungsgemäß auch im Verbrauch nieder. 10,3 Liter Diesel konsumiert die Automatikversion im Schnitt. In der Stadt sind es um 12,7 Liter.
Jenseits von AfrikaMatsch, schlechte Wege, Steigungen oder weite Steppen - da kann der Discovery erst richtig zeigen, was in ihm steckt. In Deutschland ist das aber so eine Sache: Bis auf wenige Offroad-Gelände ist der Ausflug in Wald und Flur nämlich streng verboten. Und so bleibt auch Land Rover bei der Pressevorstellung in Potsdam nichts anderes übrig, als die extreme Verschränkung der Starrachsen und die Steigfähigkeit mit einem Offroad-Parcour aus Stahl zu demonstrieren. Immerhin, vom Fernweh geplagte Land Rover Kunden können sich auf organisierten Abenteuerreisen austoben. Der Ausflug wird dank umfangreicher Serienausstattung zum Abenteuer de luxe.
Alles vom FeinstenKlimaautomatik, Lederausstattung, beheizbare Windschutzscheibe und Außenspiegel sowie das hochwertige Soundpaket mit elf Lautsprechern und CD-Wechsler gefallen aber auch im Asphaltdschungel. Und, Hand aufs Herz, der Discovery schindet auch vor der Oper Eindruck. Es muss ja niemand wissen, dass es im Innenraum trotz nobler Materialien, eher zweckmäßig und eng zugeht. Zwischen den Vordersitzen beansprucht der mächtige Getriebetunnel viel Platz. Im Heck des Fünfsitzers wartet dafür mit 880 Litern eine große Laderaumhöhle. Nutzwert geht beim Discovery eben vor.
Fazit: Der Discovery TD5 HSE ist ein richtiges Arbeitstier, allerdings eines mit viel Stil. Erfreulich ist auch, dass Land Rover unter Modellpflege nicht nur Kosmetik versteht, sondern auch die Technik stets weiter entwickelt.
planbar, Holger Schilp