Lancia Ypsilon: Bella Italia

Lancia Ypsilon: Bella Italia
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Vielfalt

Die Stupsnase mit dem keck hervorspringenden Plaketten-Kühlergrill stimmt freundlich. Das Heck fasziniert mit schmalen, senkrechten Leuchten und einem markanten Buckel im Stil längst vergangener Zeiten. Wie die provokante Nobellimousine Thesis ist auch der Lancia Ypsilon eine Skulptur auf Rädern. Nur eben eine ganz kleine. Aber genauso fein. Zweifarbiges Leder, Alcantara-Ausstattung, Zwei-Zonen-Klimaanlage, ein Soundsystem vom amerikanischen HiFi-Spezialisten Bose oder Regensensor und ein automatisch abblendender Innenspiegel - so viel Luxus bietet sonst keiner auf nur 3,70 Meter Länge. Der Lancia Ypsilon führt die Tradition fort, die vor 18 Jahren mit dem Y10 begann. Er war damals der erste Mini mit Luxus-Ambitionen - und damit seiner Zeit weit voraus.

Genuss

Zu Preisen ab 11.500 € steht der neue Ypsilon bei den Händlern. Die Basisausstattung: Front- und Windowairbags, Zentralverriegelung, Wärmeschutzverglasung, Servolenkung sowie ein in der Höhe und längs verstellbares Lenkrad. Der Ypsilon Argento kostet mindestens 12.450 €, inklusive besonders feiner Innenraumstoffe und einer Klimaanlage. Seine Rücksitzbank ist längs verschiebbar. Topmodell ist der Ypsilon Platino mit Preisen von 15.350 € bis 17.350 €. Dann ist bis zur noblen Lederausstattung jede Menge Luxus an Bord. Die teuerste Platino-Variante mit Turbodieselmotor und automatisiertem Schaltgetriebe DFN (Dolce Far Niente = Das süße Nichtstun) ist zur Markteinführung nicht verfügbar, sondern folgt Anfang 2004. Dann soll auch das elektronische Stabilitätssystem ESP lieferbar sein.

Schöngeist

Wie sein Vorgänger verfügt auch der neue Lancia Ypsilon über mittig auf dem Armaturenbrett platzierte Instrumente. Sie sind mit einem Chromring eingefasst und hübsch anzusehen - aber leider nicht ganz frei von störenden Lichtspiegelungen. Die wichtigsten Bedienungselemente für Radio und Klima sind günstig in der Mittelkonsole angeordnet. Wer sich etwas gutes tun will, sollte die Alcantara-Ausstattung wählen. Sie schafft ein luxuriöses Ambiente und kostet, je nach Ausstattungsline, bis zu 550 € extra. Die Sitzposition in dem italienischen Mini ist entspannt, kleinwagentypische Enge kommt selbst auf der Rückbank nicht auf. Im markanten Heck verschwinden 290 Liter Gepäck. Genug Platz also für Extremshopping in den Nobelmeilen deutscher Großstädte. Dort vermutet Lancia nämlich das Gros der Käuferinnen. 80 Prozent aller Lancia Y wurden bislang von Frauen gekauft.

Knauserkönig

Die Motorenpalette startet mit einem alten Bekannten: der 1,2-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor leistet wahlweise 60 PS (44 kW) und 80 PS (59 kW). Für ein erstes Kennenlernen standen uns zwei andere Triebwerke zur Verfügung: Der neue 1.4-Liter-16V-Benziner und der 1.3 JTD. Der kleine Turbodiesel leistet 70 PS (51 kW) und verfügt über Common-Rail-Technik der neusten Generation. Kraftstoff wird je Verbrennungsvorgang in bis zu fünf einzelnen Portionen exakt dosiert. Diese Multijet genannte Technik ermöglicht einen Durchschnittsverbrauch von nur 4,7 Litern. In der Praxis muss der kleine Diesel wie ein Benziner bewegt werden. Erst mit ordentlich Drehzahl kommt der Vierzylinder in Schwung, was erstaunt, da bereits bei 1.750 Umdrehungen das maximale Drehmoment von 180 Nm bereit steht. Eine allzu lange, weil auf Kraftstoffersparnis ausgelegte, Übersetzung raubt dem kleinen Italiener sein südländisches Temperament. Nur mit viel Anlauf erreicht der Ypsilon 1.3 JTD seine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h. Von null auf 100 km/h geht es in 14,5 Sekunden. Dafür agiert der Vierventil-Diesel vibrationsarm und sackt, dank Schadstoffnorm Euro 4, eine Steuerbefreiung ein.

Langstreckenläufer

Flinker auf den Beinen ist der 1.4 16V. Das Leichtmetalltriebwerk leistet 95 PS (70 kW) und beschleunigt den Ypsilon in flotten 10,9 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h ist langstreckentauglich, zumal Federungskomfort und der niedrige Geräuschpegel kaum an einen Kleinwagen erinnern. Angesichts der Leistung sind 6,6 Liter Super je 100 Kilometer nicht zuviel. Im direkten Vergleich spricht viel für den drehfreudigen Benzinmotor. Der ist munterer als der JTD und kostet bei gleicher Ausstattung 550 € weniger. Beim Vergleich mit dem 1.2 16V fällt das Urteil für den Diesel noch ungünstiger aus. Die Preisdifferenz beträgt hier satte 1.050 €. Somit rechnet sich der Diesel, bei den aktuellen Spritkosten, erst nach über 40.000 Kilometern. Und das ist eine ganz schön lange Strecke für einen Kleinwagen, der als Luxus-Schnuckelchen positioniert ist.

Fazit: Der Lancia Ypsilon ist ein schickes und praktisches Kerlchen. Er hat es aber nicht verdient, nur als Lifestyle-Spielzeug vermarktet zu werden. Schließlich ist er ein richtig erwachsener Kleinwagen.

planbar.de, Holger Schilp

 
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