Vectra Caravan: lang gemacht
Tradition und InnovationOpel präsentierte 1953 mit dem Olympia Rekord CarAVan sein erstes Kombimodell. 50 Jahre später ist der Vectra Caravan weit mehr als ein Pkw mit dem Nutzwert - aber auch dem spröden Charme - eines Lieferwagens. Bereits das Basismodell Vectra Caravan 1.8 bietet alles, was das Autofahren angenehm und sicher macht. Funk-Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Front-, Seiten- und Kopfairbags, das elektronische Stabilitätsprogramm ESP und aktive Sicherheitskopfstützen gibt es für 22.995 €. Das Topmodell Cosmo 3.0 V6 CDTI kostet 32.645 €. Dafür gibt es jede Menge Luxus wie etwa Lederpolster und elektrisch verstellbare Sitze mit Memoryfunktion. Mit den optionalen AFL-Scheinwerfern, die automatisch dem Kurvenverlauf folgen und beim Abbiegen um die Ecke leuchten, bewegt sich der Vectra Caravan sogar an der Spitze des technologischen Fortschritts.
In Hülle und FülleDer Caravan ist mit 4,82 m der längste Vertreter der Vectra-Familie - und dennoch eine elegante Erscheinung. Der Trick: Schwarze Tür- und Fensterrahmen lassen das endlos lange Dach, optisch nur gestützt vom massiven hinteren Dachpfosten, scheinbar schweben. Im Vergleich zur Limousine wuchs der Radstand um dreizehn Zentimeter. Das schafft reichlich Beinfreiheit auf der Rückbank. Selbst 1,90-Meter-Passagiere sitzen dort noch bequem. Dahinter wartet ein mit weichem Teppich ausgekleideter Laderaum auf bis zu 530 Liter Gepäck. Mit umgeklappter Rückbank dürfen es sogar 1.850 Liter sein. Der lange Radstand schafft viel Platz, doch er ist auch für den riesigen Wendekreis von zwölf Metern verantwortlich. Enge Parkhäuser erfordern damit volle Aufmerksamkeit. Unbeeindruckt von den Stretchingmaßnahmen zeigt sich dagegen das agile Fahrverhalten des Vectra, der Federungskomfort profitiert sogar davon.
Flexibel bis zum EndeMit Zafira, Meriva und dem Vectra-Ableger Signum hat Opel in Sachen Sitzkonzept und Variabilität Maßstäbe gesetzt. Bei der Konstruktion des Vectra Caravan war stattdessen ein besonders gut nutzbares Ladeabteil gefragt. Das dokumentieren bereits die niedrige Ladekante und eine Heckklappe, die sich per Knopfdruck (optional) elektrisch öffnet und schließt. Weil der Antriebsmechanismus unter dem Fahrzeugboden versteckt ist, bleibt im Innenraum die volle Ladehöhe erhalten. Mit nur einem Griff faltet sich die geteilte Rückbank flach auf die Sitzfläche und es entsteht eine ebene Liegefläche von 2,04 m Länge, ohne dass Kopfstützen abgebaut werden müssen. Wird die Lehne des Beifahrersitzes nach vorn geklappt, verschwinden sogar Gegenstände bis zu 2,83 m Länge.
Ordnung ist das halbe LebenOpel hat für variable Aufteilung des Laderaums das FlexOrganizer-Konzept erfunden. Das Stauraumsystem besteht aus zwei Paketen mit Netzen, Zwischenwänden und zwei in die Seitenwände integrierten Führungsschienen. Dort werden beim "Organizer-Paket" Haken für Einkaufstaschen und ein Gepäcknetz angebracht. Beim "Travel-Paket" dienen die Schienen der Fixierung einer flexible Trennwand. Zudem ist der bereits vom Signum bekannte Travel-Assistent im Angebot. Die Staubox mit dem separaten Radiomodul TwinAudio wird auf dem mittleren Platz der Rückbank verankert. Auf der Rückbank kann damit per Kopfhörer andere Musik gehört werden als auf den Vordersitzen. Weitere praktische Details: eine Durchladeeinrichtung in der Lehne der Rückbank sowie Staufächer in den Seitenwänden und im Boden des Kofferraums. Wird das Gepäckraumrollo entfernt, verschwindet es in einem Fach unter dem Kofferraum. Hobby-Spediteure werden höchstens Scheuerleisten vermissen, auf denen sich Kartons aus dem SB-Möbelmarkt bequem nach hinten schieben lassen. Schade auch, dass all die praktischen Details Aufpreis kosten, nicht einmal ein simples Gepäckraum-Netz wird serienmäßig geliefert.
Für jeden BedarfZur Markteinführung Mitte November sind sieben Motorisierungen von 100 PS (74 kW) bis 211 PS (255 kW) im Angebot. Im Frühjahr 2004 folgt ein komplett neuer Turbodiesel: Das 1,9-Liter-Common-Rail-Triebwerk leistet 150 PS (110 kW) und erfüllt dank Rußpartikelfilter die Schadstoffnorm Euro IV. Für einen ersten Fahreindruck stand uns der 2,2-Liter-Vierzylinder mit Benzin-Direkteinspritzung zur Verfügung. Der 2.2 Direct verbraucht bei gestiegener Leistung rund sechs Prozent weniger als das Vorgängertriebwerk mit konventioneller Kraftstoffeinspritzung. Bei der ersten Ausfahrt litt das Temperament der 155 PS (114 kW) jedoch spürbar unter der ebenfalls neuen Fünfgangautomatik. Nur mit Mühe gelang es, den Durchschnittsverbrauch unter zehn Liter zu drücken. Opel dagegen erwartet einen Wert von 8,8 Liter.
Fazit: Anspruchsvolle Technik, pfiffige Detail-Lösungen, kultivierter Fahrkomfort und ein ausgeprägtes Transport-Talent. Der neue Opel Vectra Caravan präsentiert das alles hübsch verpackt und zu moderaten Preisen. Die Kombi-Erfolgsgeschichte aus Rüsselsheim kann also fortgeschrieben werden.
planbar.de, Holger Schilp