Avensis D-Cat: ein Diesel für Übermorgen
Und es geht dochDaran sollten sich deutsche Hersteller ein Beispiel nehmen. Nicht über mögliche Kosten jammern, sondern handeln. Ohne Rußfilter geht es eben nicht, wenn die unter Krebsverdacht stehenden Rußteilchen aus dem Abgas verbannt werden sollen. Peugeot hat hier mit seinen HDi-Motoren wertvolle Pionierarbeit geleistet. Deutsche Hersteller folgen nur recht zögerlich. Toyota geht noch einen Schritt weiter und orientiert sich nicht an den Mindeststandards. Der Avensis D-Cat zeigt, was technisch machbar ist: 50 Prozent weniger Stickoxide und 90 Prozent weniger Rußpartikel.
Mit angezogener HandbremseSo ganz scheint jedoch auch Toyota dem Umwelt-Engagement der Käufer nicht zu trauen. Und so stehen gleich zwei Dieselmotoren mit identischer Leistung in der Preisliste. Die Avensis-Limousine D-Cat kostet mit 24.200 € exakt 800 € mehr als der D4-D ohne Partikelfilter, der ebenfalls die steuerbegünstigte Schadstoffnorm Euro4 erreicht. Neben einem guten Gewissen bleibt für D-Cat-Käufer nur die Hoffnung, dass auch die künftige Euro5-Norm von der Kfz-Steuer befreit wird. Selbst wenn deren Grenzwerte noch nicht fest stehen, gibt sich Toyota optimistisch, dass sie der D-Cat-Motor ohne große Änderungen erfüllen wird. Auch dass der D-Cat nur in der hierzulande wenig gefragten Limousine, und dann auch nur in den beiden oberen Ausstattungsvarianten, angeboten wird, deutet nicht darauf hin, dass Toyota mit der umweltfreundlichen Technik den Markt überschwemmen möchte. Schade eigentlich.
Ohne ProblemeDa steht sie nun also, die Mittelklasselimousine mit dem derzeit saubersten Turbodiesel unter der Haube. Von außen verrät nur ein kleiner Schriftzug, dass der Vierzylinder ein überzeugter Nichtraucher ist. Einsteigen und wohl fühlen, Verarbeitung und Materialien sind topp. Wie alle Avensis bietet auch der D-Cat ein Sicherheitssystem, das beim Euro NCAP-Crashtest die Maximalwertung von fünf Sternen erzielte. Beim Dreh am Zündschlüssel erwacht der Common-Rail-Motor etwas knurrig zum Leben. Unter der Haube jagt eine Hochdruckpumpe Diesel mit bis zu 1.800 bar in die Zylinder. Die Kraftstoffzufuhr lässt sich innerhalb weniger tausendstel Sekunden in mehrere Portionen unterteilen. Mit einer derart fein gesteuerten Verbrennung sinken Geräuschniveau und Emissionen gleichermaßen. Das Triebwerk hängt gut am Gas und ermöglicht ab 2.000 Umdrehungen zügige Zwischenspurts. Der Avensis D-Cat beschleunigt in 11,4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 195 km/h Spitze. Durchschnittsverbrauch laut Toyota: 6,1 Liter. Beim Fahren ist das D-Cat-System absolut nicht spürbar, auch wenn dort ein spannendes Wechselspiel von Physik und Chemie zum Tragen kommt.
Viel Aufwand fürs NichtsDas D-Cat-System: Kontrollierte Verbrennung durch eine besonders exakte Kraftstoffzuteilung, Abgasrückführung mit Wasserkühlung, eine fünfte Kraftstoff-Einspritzdüse im Auspufftrakt und der DPNR-Speicherkatalysator (Diesel Particulate NOX Reduction). Der DPNR-Kat ist ein Keramik-Körper mit einer sechseckigen Wabenstruktur. Durchmesser und Wandstärke der mit einer Edelmetall-Legierung aus Platin und Barium beschichteten Waben betragen nur 1 Millimeter. Ein Gramm des porösen Materials besitzt eine Oberfläche von 100 Quadratmetern. Das Arbeitsprinzip des Dieselmotors, nämlich die sparsame Verbrennung bei hohen Temperaturen mit großem Luftüberschuss, wird von Toyota in ein LTC-Prinzip (Low Temperature Combusion) umgewandelt - eine Verbrennung bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen. Die Toyota D-Cat-Technik arbeitet wartungsfrei und ohne zusätzliche Additive.
Im DetailBei der Diesel-Verbrennung entsteht generell der Ozonkiller Sickoxid (N0X). Abhilfe schafft die so genannte Abgasrückführung. Hier wird Abgas aus dem Auspufftrakt in den Zylinder geführt, sodass bei der Verbrennung weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Damit sinkt die Stickoxidemission, dafür kommt es nun zur vermehrten Rußpartikelbildung. Durch Wasserkühlung bei der Abgasrückführung überwindet Toyota diesen Effekt und erreicht niedrige Verbrennungstemperaturen. Rußpartikel fallen kaum noch an. Das restliche NOX und die verbliebenen Rußpartikel werden im DPNR-Kat gespeichert und in Zyklen regeneriert, die von den Fahrbedingungen abhängig sind. Die dafür notwendigen Abgastemperaturen von 600 Grad werden erzielt, indem das Abgas im Auspuff durch Einspritzung von etwas Diesel angefettet wird. Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb ist schwefelarmer Kraftstoff. Ein Schwefelanteil von mehr als 50 ppm (50 Schwefelteile auf eine Million andere Teilchen) verhindert die optimale Abgasreinigung. Mit einer Taste am Armaturenbrett führt das D-Cat-System in kürzeren Intervallen die zur Regeneration des Katalysators notwendigen Dieseleinspritzungen durch. Notwendig ist das etwa bei Fahrten in osteuropäische Länder, wo der Schwefelanteil im Kraftstoff bis zu 400 ppm betragen kann.
Fazit: Umweltschutz oder etwas bessere Ausstattung? Das sollte in der Preisklasse des Avensis keine schwere Entscheidung sein. Problematischer scheint da die Modellpolitik von Toyota, die den D-Cat im am wenigsten nachgefragten Modell anbietet. Sie degradiert den genialen D-Cat zum ökologischen Feigenblatt. Peugeot ist da in seiner Modellpolitik deutlich konsequenter.
planbar.de, Holger Schilp