Daihatsu YRV: schickes Mauerblümchen
Mister Unbekannt"Du testest gerade einen was?" Die Reaktionen im Bekanntenreis waren eindeutig. Mit der Marke Daihatsu verbindet kaum jemand mehr als den kleinen Cuore, der jüngst vom Verkehrsclub Deutschland VCD als eines der umweltfreundlichsten Fahrzeuge ausgezeichnet wurde. Dabei hat auch der YRV Qualitäten, die mehr Beachtung verdient hätten. Die Preispalette reicht von 11.490 € für das Basismodell bis 15.970 € für den 1.3 Top mit Allradantrieb. Zum Test ist der YRV als 1.3 Top mit Frontantrieb angetreten. Preis: 14.699 €, inklusive ABS, Seiten- und Kopfairbags sowie Klimaanlage.
YRV ganz großSchnittige Keilform, Platz für fünf Personen und ein spritziges 1,3-Liter-Triebwerk mit 87 PS (64 kW). Alles auf nur 3,77 Meter Fahrzeuglänge. Die große Stunde des Japaners schlägt im Stadtverkehr. Mit nur 8,80 Metern ist der Wendekreis rekordverdächtig klein, die hohe Sitzposition verschafft Überblick. Hinten sitzen die Passagiere so erhöht, dass Erwachsene dort locker über die Kopfstützen der Vorderleute blicken können. Auch Kinder in ihren Sicherheitssitzen freuen sich über den freien Blick zur Seite. Für optimale Variabilität lässt sich die mittig geteilte Rückbank um 15 Zentimeter längs verschieben oder umklappen. Das Gepäckvolumen variiert so zwischen 240 Liter und 1.040 Liter. Ist die Rückbank ganz zurückgeschoben, entsteht ein üppiger Knieraum, wie man ihn dem Winzling kaum zugetraut hätte. Einzig die Laderaumabdeckung überzeugt nicht. Sie besteht aus einem Nylonstoff, der über einen labilen Drahtrahmen gezogen ist und zur Befestigung in Halteklips gedrückt werden muss - eine wirklich fummelige Konstruktion.
Klein und feinDie Vordersitze sind großzügig geschnitten und stützen den Körper so, dass selbst lange Strecken problemlos bewältigt werden können. Auch der Federungskomfort gibt trotz kleinem Radstand keinen Anlass zur Klage. Warum der YRV jedoch ohne ein höhenverstellbares Lenkrad auskommen muss, ist nicht nachvollziehbar. Große Fahrer klagen, dass das Lenkrad zum Teil die Tachoskala verdeckt. Dass man sich trotz dieser Macke hinter dem Steuer des YRV sehr wohl fühlt, liegt an der geschmackvollen Inneneinrichtung. Das Armaturenbrett besteht zwar aus hartem Kunststoff, doch dank einer noppenförmigen Profilierung der Oberfläche wirkt das Ganze recht hochwertig. Sitzbezüge und Türverkleidungen erscheinen ebenfalls edler als es in dieser Fahrzeugklasse normalerweise üblich ist. Erst Kopfsteinpflaster zeigt mit zahlreichen Klappergeräuschen aus dem Armaturenbrett und den Verkleidungen, wo Daihatsu noch Nachholbedarf hat.
Flotter ZwergDie dynamische Keilform des YRV ist keineswegs nur Show. 87 PS (64 kW) genügen, um in 10,3 Sekunden von null auf 100 km/h zu flitzen und vielen Mittelklasselimousinen das verchromte Auspuffrohr zu zeigen. Leichtbau macht's möglich - der flinke Kleine wiegt ganze 900 Kilogramm. Davon profitiert auch der Kraftstoffverbrauch, der laut Datenblatt bei nur 6,1 Liter Normalbenzin liegt. Im Test lagen die Werte selbst in der Stadt kaum über sieben Liter. Der 1,3-Liter-Vierzylindermotor ist ein drehfreudiges Kerlchen, das akustisch stets präsent ist, aber auch bei 175 km/h Spitze nie lästig wird. Nur das Fahrwerk hat gelegentlich Probleme, die Leistung des spritzigen Motors auf die Straße zu bringen. Schon auf regennasser Fahrbahn neigen die Vorderräder schnell zum Durchdrehen. Eine Anti-Schlupfregelung wäre hilfreich, sie ist jedoch nicht im Angebot. Der YRV ist serienmäßig mit ABS und elektronischer Bremskraftregelung ausgerüstet. Vorbildlich ist die weitere Sicherheitsausstattung mit Front- und Seitenairbags sowie Kopfairbags, die sich beim Seitenaufprall als schützender Vorhang zwischen Scheiben und Passagiere legen.
Fazit: Der YRV ist ein Kleinwagen mit vielen Talenten. Wendig, flott und praktisch ist er das perfekte Stadtfahrzeug. Richtig gut wird er, wenn Daihatsu die wenigen Schwachstellen bei der nächsten Modellpflege beseitigt.
planbar.de, Holger Schilp