Carisma DI-D Motion: Günstige Alternative
Internationaler PragmatikerIm Grunde ist der Carisma ein Europäer. Er rollt im holländischen Mitsubishi-Werk Born vom Band und teilt sich die technische Basis mit dem Volvo S40. Von außen ist davon jedoch wenig zu sehen. Breitflächige Klarglasscheinwerfer und die bis zur Stoßstange heruntergezogene Motorhaube sind typisch für Mitsubishi. Von der Seite betrachtet, fällt kaum auf, dass der Carisma über eine große Heckklappe verfügt. Dahinter verbirgt sich ein Laderaum mit 425 bis 660 Litern Volumen. Der Testwagen wird von einem 1,9-Liter-Turbodiesel mit Common-Rail-Technik und 115 PS (85 kW) angetrieben.
Wenn Ausstattung zähltDas Motion-Paket des Carisma bietet 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, Tempomat, Lederlenkrad und -schaltknüppel sowie Innenraumverkleidungen, die in "Dark-Silver"-Optik, für einen Schuss sportlicher Eleganz sorgen. Auch den vorderen Türeinstieg ziert eine glänzende Leiste. Die Karosserie ist einschließlich Heckspoiler komplett in Wagenfarbe lackiert. Wie bei allen Carisma sind ABS, Front- und Seitenairbags serienmäßig. Der Preisvorteil zum schwächer ausgestatteten Serienmodell Avance beträgt rund 1.000 Euro, allerdings ist statt einer Klimaautomatik auch nur eine normale Klimaanlage an Bord.
Im AlltagInnen gibt sich der Carisma gediegen. Dunkle Kunststoffe und angenehm strukturierte Stoffe suchen die Nähe zu den Nobelherstellern der Mittelklasse. Zumindest bei der Verarbeitungsqualität ist der Schulterschluss gelungen. Nichts klappert oder quietscht. Und das auf Schlaglochpisten in und um Berlin. Grobe Fahrbahnunebenheiten sind nur leicht spürbar, harte Schläge braucht die Büromenschen-Wirbelsäule nicht zu fürchten. Ungewohnt ist die hohe Sitzposition. Während die meisten Hersteller inzwischen eine wuchtige Blechwand rund um die Insassen ziehen, sitzt der Carisma-Fahrer wie auf dem Präsentierteller. Vorteil: Die Limousine ist durch die hervorragende Übersicht extrem handlich. Im Innenraum erleichtern große, gut ablesbare Instrumente und das Zentraldisplay über der Mittelkonsole die Bedienung. Das gilt leider nicht für die komplizierte Tastenbelegung, mit der Navigationssystem und das Radio gesteuert werden. Vor dem Start empfiehlt sich ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung.
Diesel mit KulturGute Noten hat sich auch der Antrieb verdient. Vom Diesel-Prinzip ist nur direkt nach dem Kaltstart etwas zu vernehmen. Ansonsten murmelt der Vierzylinder recht dezent vor sich hin. Schon auf der Landstraße verliert sich das Selbstzünder-Nageln im Mix der Fahrgeräusche. Das 1,9-Liter-Triebwerk ist genügsam und rollt mit nur wenig mehr als der Leerlaufdrehzahl durch die Stadt. Beim Tritt auf das Gaspedal verlässt der Turbodiesel ohne großes Murren den Drehzahlkeller, auch wenn der Griff zur etwas schwergängigen Fünfgangschaltung unterbleibt. Richtig kräftig ist der DI-D zwischen 1.800 U/min und 2.500 Umdrehungen. Dann steht das maximale Drehmoment von 265 Nm bereit. Derart schaltfaul bewegt, braucht der Testwagen kaum mehr als 6,5 Liter. Mit einem ordentlichen Stück Landstraße im Verbrauchsmix sind auch die von Mitsubishi versprochenen 5,5 Liter kein Problem. Ein schwerer Gasfuß beschleunigt den Carisma in 10,4 Sekunden auf Tempo 100. Bei 195 km/h ist dann Schluss. Als Alternative hat Mitsubishi das gleiche Aggregat, etwas anders abgestimmt, mit 102 PS (75 kW) und 125 Nm Drehmoment im Angebot. Die Fahrleistungen sind kaum schlechter (11,9 s/190 km/h), der Preisnachlass beträgt bei der Motion-Edition jedoch auch nur 500 €.
Fazit: Es muss nicht immer ein TDI sein. Der Mitsubishi Carisma 1.9 DI-D ist ein ausgeglichener Typ, der eine entspannte Fortbewegung ermöglicht. Preislich auf dem Niveau eines Golf V, ist der Japaner in puncto Ausstattung und Gepäckvolumen deutlich im Vorteil.
planbar.de, Holger Schilp