Stream 2.0i ES Sport: Gegen den Strom
Hübsch gemachtBasis des Honda Stream ist der kompakte Civic. Von ihm stammt auch die stark abgeschrägte Motorhaube. Das Front-Design verfolgt den Zweck, Fußgänger bei einem Unfall besser zu schützen. Und das mit Erfolg, wie die Euro NCAP-Crashtests inzwischen bewiesen haben. Mit drei von fünf Sternen setzte Honda beim Fußgängerschutz Bestmarken. Ansonsten ist die Karosserie weniger zweckorientiert. Direkt hinter der Windschutzscheibe fällt das Dach in sanftem Schwung wieder ab. Die nach hinten ansteigende Gürtellinie trifft am Fahrzeugheck in gefälligem Schwung auf die Dachpartie. Markant sind auch die extrem schmalen Heckleuchten, die einen großen Bogen oben um die Rückscheibe beschreiben. Mit einer Fahrzeughöhe von 1,59 m ist der Stream eine handbreit flacher als beispielsweise der VW Touran.
Flexibler KompromissAm Innenraum zeigt sich, mit welchen Kompromissen die schnittige Optik erkauft wurde: Die ansteigende Seitenlinie ist beim rückwärts Einparken sehr unübersichtlich. Und für den Besuch im SB-Möbelmarkt fehlt es dem Laderaum an Höhe, obwohl das Gepäckraumvolumen von 435 bis 1.520 Liter immerhin guter Durchschnitt ist. Großes Lob verdient das flexible Sitzsystem: Bei Bedarf machen sich die hinteren Sitze klein und verschwinden im Boden des Kofferraums. Natürlich lässt sich auch die zweite Sitzreihe umklappen, sodass eine ebene Ladefläche (1,05 mal 1,33 Meter) entsteht. In der dritten Sitzreihe ist genug Platz, damit kleinere Kinder auch längere Reisen ohne Quengelei durchhalten. Bei voller Bestuhlung fasst der Stream allerdings nur noch 158 Liter Gepäck. Für zwei Kinder-Buggis reicht das, doch dann wird es auch schon richtig eng. Abhilfe schaffen zahlreiche Staufächer im Innenraum. Kleinkram lässt sich beispielsweise unter dem Beifahrersitz vor neugierigen Blicken verstecken.
Viel dahinterDer Honda Stream 2.0i ES Sport lässt nicht nur optisch - mit Spoilern rundum - die Muskeln spielen, der Van lässt sich tatsächlich recht flott bewegen. Die Kurven der Kasseler Berge werden jedenfalls mit sicherem Tritt im Eiltempo gemeistert. Dennoch ist die Federung recht komfortabel. 156 PS (115 kW) beschleunigen in 9,3 Sekunden auf Tempo 100. In den 70er Jahren war ein
Porsche 911 nicht viel schneller. Maximal 205 km/h sind möglich - aber nicht unbedingt zu empfehlen. Das liegt nicht am Fahrwerk, das würde locker noch mehr Leistung verkraften. Vielmehr entwickelt sich der vibrationsarme 2,0-Liter-Vierzylinder bei Topspeed zum Quartalssäufer: 15 Liter, kein Problem. Wenn maximal Tempo 180 reicht, sind Werte um zehn Liter möglich. 8,6 Liter, die Honda als Normverbrauch ermittelt hat, sind in der Praxis kaum zu erreichen. Im Alltag, zwischen Kindergarten und Supermarkt, gefällt das Triebwerk stattdessen mit kräftigem Antritt und ruhigem Motorlauf. Einzig die Vorderräder haben bei Nässe manchmal Probleme, die maximal 192 Nm Drehmoment auf die Straße zu bringen.
Alles im GriffDer Schaltknüppel für das exakte Fünfganggetriebe sitzt griffgünstig im Armaturenbrett. Ansonsten: Instrumente gut ablesbar, bequeme Sitze - der Innenraum des Stream ist gut gelungen. Auf der Wunschliste steht höchstens noch ein in der Länge verstellbares Lenkrad. Im Fußbereich ist der Fahrzeugboden völlig eben. Diese Lösung schafft Platz, birgt jedoch auch ein Problem: Die Füße haben keine Stütze und das ist auf langen Strecken ziemlich anstrengend. Für die vorderen Passagiere gibt es vier Airbags. Auf den äußeren Sitzplätzen der zweiten Reihe sind Isofix-Verankerungen für Kindersitze serienmäßig. Nicht mehr zeitgemäß ist der Beckengurt auf dem mittleren Platz. Dafür kann die Bremsanlage mit ABS und Notbremsassistent überzeugen. Sie lässt sich gut dosieren und packt kräftig zu.
Fazit: Der Honda Stream 2.0i ES Sport ist für einen Van sehr agil. Auch der laufruhige Motor kann überzeugen. Einziges Manko: Der ausgeprägte Durst bei hohem Tempo.
planbar.de, Holger Schilp