Sirion 1.0 Plus: im Herzen anspruchsvoll
Kleiner Wagen ganz großDaihatsu gehört zu den wenigen Fahrzeugherstellern, die sich hauptsächlich mit dem Bau von kleinen und kompakten Fahrzeugen beschäftigen. Der Sirion 1.0 macht da keine Ausnahme. Obwohl nur 3,70 Meter lang, transportiert der Japaner bis zu fünf Personen. Selbst im Fond gibt es ausreichend Kopf- und Beinfreiheit. Etwas knapper geht es im Gepäckabteil zu. 245 Liter Laderaum stehen zur Verfügung. Durch die geteilte Rückbank wächst das Ladeabteil auf bis zu 527 Liter. Allerdings müssen dazu die Kopfstützen entfernt werden. Die entstandene Ladefläche ist zudem nicht ganz eben. Dafür versöhnen die Polster, vorne genauso wie hinten, mit einem für die Billigheimerklasse sehr hochwertigen Stoffbezug. An Passform und Größe des Gestühls gibt es ebenfalls nichts zu kritisieren.
Kleines KraftwerkKleiner Motor und Automatik, diese Kombination hat in der Vergangenheit bei Tests selten Begeisterungsstürme ausgelöst. Und auch das Datenblatt des Sirion scheint die Erwartungen zu bestätigen. Das 1,0-Liter-Dreizylindertriebwerk mit 58 PS (43 kW) schafft gerade einmal 140 km/h Spitze. 17,1 Sekunden braucht es für die Beschleunigung von null auf 100 km/h. Umso überraschender fällt das Fazit nach den ersten 1.000 Kilometern aus: Der Kleine schwimmt problemlos im Verkehr mit. Die Automatik schaltet spontan und meistens weich. Sicherlich hilft das geringe Gewicht von 870 Kilogramm, den Straßenfloh in Bewegung zu halten. Selbst lange Autobahnstrecken bewältigt der automobile Minimalist halbwegs zügig. Allerdings sollten jenseits von 100 km/h keine Beschleunigungswunder erwartet werden. Bergab gaukelt der Tachometer dafür Geschwindigkeiten bis zu 170 km/h vor.
Schotte aus JapanIm Testdurchschnitt verbraucht der Sirion 1.0 zwischen 5,0 und 7,0 Liter Normalbenzin. Mehr wurde es weder in der Stadt noch bei schneller Autobahnfahrt. Der Dreizylinder erfreut zudem mit einem kultivierten und vibrationsarmen Motorlauf - das Ergebnis einer aufwändigen Motorenkonstruktion. Vierventiltechnik, variable Ventilsteuerung und zwei oben liegende Nockenwellen sind in dieser Fahrzeugklasse eine echte Besonderheit. Das Fahrgefühl im Sirion erinnert auf guter Fahrbahn an Autos größerer Fahrzeugklassen. Der Japaner liegt kopflastig und etwas träge auf der Straße. Kommen Bodenwellen und Schlaglöcher hinzu, wird das Fahrverhalten unruhig. Grobe Fahrbahnschäden werden zu den Passagieren weitergereicht. Das Revier des Sirion ist die Stadt. Parkplatzsuche macht dank Servolenkung und einem Wendekreis von nur 8,80 Metern nämlich wieder richtig Spaß. Der Sirion quetscht sich in jede noch so kleine Lücke. Beim Zielen hilft die hohe Sitzposition.
Im Laufe der ZeitBei der letzten Modellpflege im vergangenen Jahr widmete sich Daihatsu intensiv der Innenraumgestaltung. Nur das Lenkrad haben die Ingenieure dabei wohl vergessen. Wie zuvor lässt es sich nicht in der Höhe verstellen. Schon bei Personen ab 170 Zentimeter Körpergröße verdeckt es den oberen Teil der Tachoskala. Abhilfe könnte auch ein Fahrersitz schaffen, der sich weiter nach unten bewegen lässt. Davon abgesehen präsentiert sich der Innenraum aufgeräumt. Alle Schalter sind nun griffgünstig in der Mittelkonsole untergebracht. Die vier serienmäßigen elektrischen Fensterheber lassen sich über Tasten in den Seitenverkleidungen bedienen. Links neben der Handbremse sitzt ein Hebel, mit dem sich Kofferraum und Tankdeckel entriegeln lassen. Zum insgesamt positiven Gesamteindruck trägt auch die Verarbeitungsqualität bei, die sich auch von grobem Straßenpflaster nicht nachhaltig erschüttern lässt.
Fazit: Der Sirion 1.0 Top ist ein wendiger Stadtwagen, der mit umfangreicher Ausstattung und geringen Unterhaltskosten glänzt. Automatikgetriebe und der kleine Benzinmotor sind die richtige Wahl für bequeme Menschen, die keinen Wert auf besonders dynamische Fortbewegung legen.
planbar.de, Holger Schilp