Honda Civic: Herzschrittmacher inklusive

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Intelligentes Sparprogramm

Nach der jüngsten Erweiterung der Modellpalette stiehlt das Hybridmodell Civic IMA dem eisenharten Type R mit 200 PS die Schau. Intelligent sparen satt einfach nur schnell fahren, lautet die Devise. Das Benzin-Elektromobil begnügt sich mit durchschnittlich 4,9 Liter Super. Dabei ist die umweltfreundliche Stufenhecklimousine bei Bedarf recht flott unterwegs. Spitze: 177 km/h. Und auch mit Ausstattung wird nicht gegeizt. Vom Lederlenkrad über das CD-Radio bis zur Klimaautomatik ist alles an Bord, was das Autofahren angenehm macht. Und das zu einem Preis von 21.900 €. Hinter vorgehaltener Hand gibt Honda zu, dass mit dem Hybrid-Civic kein Gewinn gemacht werden kann. Wichtiger war es demnach, das Konkurrenzmodell Toyota Prius deutlich im Preis zu unterbieten.

Elektromotor hilf!

Die Modellbezeichnung Civic IMA steht für Integrated Motor Assist, womit die Funktion des Honda-Hybridsystems bereits recht gut beschrieben ist: Der kleine unterstützt den großen Motor. Unter der Motorhaube steckt ein 1,3-Liter-Vierzylindertriebwerk mit 83 PS (61 kW), dem in bestimmten Situationen ein Elektromotor unter die Arme greift. Dessen 9 PS (6,5 kW) reichen aus, um das unvermeidliche Kraftmanko des Verbrennungsaggregats bei niedrigen Drehzahlen auszugleichen. Damit lässt sich der Hybridwagen klaglos auf schaltfaule Fahrweise ein. Er ist im unteren Drehzahlbereich durchzugsstark und sparsam wie ein Diesel - aber flüsterleise. Amerikaner und Japaner haben diese Vorteile bereits schätzen gelernt. Allein in den USA wurden in den ersten neun Monaten des Jahres über 17.000 Civic IMA verkauft. Honda Deutschland plant bescheidener: Ganze 200 Fahrzeuge sind für 2004 hierzulande angepeilt.

Auf den Spuren der Technik

Warum diese Zurückhaltung? Eine Probefahrt soll Aufschluss bringen. Von der modernen Technik ist auf den ersten Blick nichts zu sehen. Blinker in den Außenspiegeln; das haben nun alle Civic. Beim Türöffnen leuchten augenblicklich die Instrumente in edlem Blau. Rechts neben dem Tachometer sitzt ein Rundinstrument, das anzeigt, ob der Elektromotor Leistung gerade abgibt oder ob er als eine Art Dynamo die Batterien lädt. Besonders beim Bremsen wird Strom gewonnen. Wenn das Fahrzeug ohne Motorkraft im Schiebebetrieb rollt, oder wenn nur wenig Motorleistung benötigt wird, schaltet der IMA bis zu drei Zylinder ab. Die variable Ventilsteuerung verschließt zudem die Ein- und Auslassventile. Beim Halt an der Ampel verstummt der Motor gänzlich, um beim Einkuppeln sofort wieder anzuspringen.

Funktioniert garantiert

Die Spurensuche nach dem Verbrauchswunder des Civic IMA führt in den Motorraum. Nur das kundige Auge erkennt, dass vorn am Motor eine sechseinhalb Zentimeter flache Scheibe hinzugefügt wurde - der Elektroantrieb. Beide Motoren sind mit einer Kurbelwelle starr verbunden. So dient der Elektromotor gleichermaßen als Antrieb, Anlasser und Generator. Für den Notfall ist noch ein konventioneller Anlasser an Bord. Doch Honda hat Vertrauen zur Technik und stattet das Hybrid-System mit acht Jahren Garantie aus. Seinen Strom bezieht der Elektromotor von einer Batterie, die sich hinter der Rücksitzlehne flach macht. Einziger Nachteil: Die Lehne lässt sich nun nicht mehr umklappen.

Sparen leicht gemacht

Die ganze Hybrid-Technik bringt nur 63 Kilogramm auf die Waage. Vor dieser Auskunft hatten wir während der Probefahrt jede Menge Extragewicht im IMA vermutet. Der Japaner wirkt nämlich stark kopflastig. In zu schnell angegangenen Kurven führt der Weg schnurstracks Richtung Kurvenrand. Und bei hohen Drehzahlen geht dem IMA bald die Puste aus. Aber dafür ist der Hybridwagen sicherlich auch nicht gedacht. In der Ruhe liegt die Kraft. Wer sich auf den Charakter des etwas anderen Civic einlässt, entdeckt schnell die Freude am Sparen.

Auf Punkt und Komma

Wir wollten es genau wissen: Stadtverkehr, Autobahn und dann Landstraße. Auf den ersten Kilometern nach dem Kaltstart zeigt der Bordcomputer noch Werte bis zu zehn Liter an. In der Stadt taucht bald die sechs vor dem Komma auf. Schnelle Autobahnfahrt, teils mit Vollgas, ändert daran wenig. Der Rückweg führt durch den goldenen Herbstwald des Taunus. Eine echte Freude, zumal auch der Verbrauch rasch sinkt. Nach knapp 100 Kilometern zeigt das Display 5,7 Liter. Respekt. Immerhin waren wir meist recht flott unterwegs.

Der Honda Civic IMA präsentiert schon heute Antriebstechnik von morgen. Bis irgendwann die Brennstoffzelle einsatzbereit ist, testen die japanischen Ingenieure Mischformen aus Benzin- und Elektroantrieb. Wer selbst die Probe aufs Exempel machen will: Ab 17. Januar 2004 steht der IMA bei den deutschen Honda-Händlern.

planbar.de, Holger Schilp

 
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