Pajero Classic: Gute alte Zeit

Pajero Classic: Gute alte Zeit
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Zurück in die Zukunft

Der Pajero Classic stammt aus der zweiten Pajero-Generation. Die wurde in Deutschland von 1991 bis 2000 verkauft. Danach war die Karriere des robusten Offroaders jedoch noch nicht zu Ende, die Produktion in Japan lief weiter. In vielen Ländern der Erde ist der alte Pajero bis heute ein gefragter Typ. Insgesamt wurden bislang über 800.000 Exemplare gebaut. Und nun ist er zurück in Deutschland - willkommen, alter Kumpel.

Einer für alles

Das Angebot des Pajero Classic besteht aus einem Dreitürer mit kurzem Radstand und der von uns getesteten Langversion mit fünf Türen. Der Kurze kostet 25.750 €, für die lange Variante verlangt Mitsubishi 29.790 €. Dafür gibt es ein komplett ausgestattetes Fahrzeug mit Leichtmetallfelgen, Metallic-Lackierung, Klimaanlage, elektrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung. Einzig die Sicherheitsausstattung zeigt, mit ABS und zwei Frontairbags, dass die Konstruktion schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Ein elektronisches Stabilitätsprogramm sowie Seiten- oder gar Kopfairbags sind nicht lieferbar. Richtig gut in Szene setzt sich dafür der zuschaltbare Allradantrieb mit Geländeuntersetzung und sperrbarem Hinterachsdifferenzial. Damit lässt der Pajero Classic den derzeit so beliebten SUVs im Gelände nicht den Hauch einer Chance. Nur sein langer Radstand und die seitlichen Türschweller sind bisweilen hinderlich.

Ruhig Blut

Unter der Haube werkelt in jedem Fall ein Turbodiesel mit 2,5 Liter Hubraum und 115 PS (85 kW). Der Vierzylinder ist akustisch stets präsent, ohne jedoch lästig zu werden. 240 Nm Drehmoment stehen bei 2.000 Umdrehungen bereit. Das ist nicht eben viel, um zwei Tonnen Leergewicht zu bewegen. Und so fallen die Fahrleistungen mit 145 km/h Spitze und 18,5 Sekunden für die Beschleunigung von null auf 100 km/h eher mäßig aus. Dennoch darf der Pajero bis zu 2,8 Tonnen an den Haken nehmen. Auch die Zuladung von 665 Kilogramm weist ihn als einen Typen aus, der zupacken kann. Der Innenraum: praktisch robuste Kunststoffe und unempfindliche Plüschpolster ohne Schickimicki-Ambitionen. Die Verkleidungen in Wurzelholz-Optik wirken da schon fast deplatziert. Zusatzinstrumente mit Steigungs-, Neigungs- und Höhenmesser würzen den Alltag mit einer Prise Abenteuer.

Grauer Alltag

Schade, dass unser Pajero Classic nicht in fernen Ländern zeigen kann, was so ein alter Haudegen noch alles auf dem Kasten hat. Stattdessen teilt er im Test über weite Strecken das Schicksal seiner meisten Offroad-Kollegen: Asphalt. Nur gelegentlich sorgt ein vom Regen aufgeweichter Feldweg für etwas Abwechslung. Und so trifft es sich gut, dass im Testzeitraum wenigstens eine Entrümpelungsaktion ansteht. Also, Hänger an den Haken und beladen, bis nichts mehr geht. Der Pajero Classic setzt sich unbeeindruckt in Bewegung. Kraftvoll und stur zieht er auf der Autobahn seine Spur. Selbst starken Seitenwind und tiefe Fahrbahnrillen scheint er zu ignorieren - auch wenn der Motor nur die Hinterräder antreibt. Allrad bringt auf Asphalt kaum Vorteile.

Charmanter Dickkopf

Arbeit macht durstig. Der Pajero genehmigt sich als Zugwagen rund 15 Liter Diesel. Ohne Anhänger sind es immer noch 11 bis 13 Liter. 10,6 Liter Durchschnittsverbrauch, wie ihn Mitsubishi als Normwert angibt, erreicht nur, wer oft auf freier Landstraße unterwegs ist. Die komfortable Federung des Pajero Classic reagiert auf zu forsch angegangene Kurven mit starker Seitenneigung. Lassen wir ihm seinen Willen und erfreuen uns an der hohen Sitzposition, die in Verbindung mit der kantigen Karosserie und einer niedrigen Gürtellinie eine hervorragende Rundumsicht ermöglicht. Platzprobleme gibt es keine. Knieraum ist auch in der zweiten Reihe reichlich vorhanden. Genießt das Gepäck oberste Priorität, lässt sich die nicht geteilte Rückbank mit einem Hebel dicht an die Vordersitze schieben. Rechts und links in der Rückenlehne sind zudem zwei klappbare Armstützen mit Cupholder integriert.

Fazit: Der Pajero Classic ist ein ehrlicher Kumpel, ein praktischer Begleiter für den Alltag. Konsequent entzieht er sich dem Premium-Gehabe aufstrebender Automobilhersteller. Und das ist gut so. Einziges Manko ist sein ungezügelter Durst.

planbar.de, Holger Schilp

 
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