Der neue Prius: sparsam mit Hybridantrieb
Die Zukunft hat begonnenBereits 1977 präsentierte Toyota mit GT 800 das erste Hybridauto der Firmengeschichte. Das Sportcoupé kombinierte eine Gasturbine mit einem Elektromotor. 1997 wagten die Japaner mit dem ersten Prius den Schritt in die Großserienproduktion - 120.000 Exemplare wurden seitdem weltweit verkauft. Der neue Prius vertraut, wie schon sein Vorgänger, auf das Teamwork von Benzin- und Elektroantrieb. 113 PS (82 kW) und ein Normverbrauch von nur 4,3 Liter Super lassen sich so realisieren. Und das ohne Einschränkungen bei der Zuverlässigkeit: der erste Prius war das Fahrzeug, das bei Toyota bislang die geringsten Garantiekosten verursachte.
Sparen mit NiveauAuf den ersten Blick zeigt nur die aerodynamische Tropfenform, dass sich unter dem Blech innovative Technik verbirgt. Obwohl er gut eine handbreit kürzer ist als sein Konzernbruder Avensis, bietet der Prius innen kaum weniger Platz. Ins flach abfallende Heck passen 410 bis 1.210 Liter Gepäck. Ansprechende Kunststoffe sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Der Prius räumt gründlich auf mit dem Vorurteil, dass ein Sparmodell klein und kärglich ausgestattet daherkommen muss. Schon das Basismodell "Prius Sol" (23.900 €) verfügt über acht Airbags, ABS mit Bremsassistent und ein elektronisches Stabilitätsprogramm. Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, CD-Radio und ein Multifunktionslenkrad sind ebenfalls serienmäßig. Der "Prius Executive" (25.400 €) hat zudem ein JBL-Soundsystem mit CD-Wechsler, Nebelscheinwerfer und einen Tempomat an Bord. Ein so genannter Smart-Key dient als Sesam-öffne-dich: Türen entriegeln sich automatisch und der Motor lässt sich per Knopfdruck starten, selbst wenn der Schlüssel in der Jackentasche bleibt.
Jeder, wie er kannRechts neben dem Lenkrad des Prius sitzt der kleine Hebel für das stufenlose Automatikgetriebe. Beim Anfahren oder beim Stop-and-go in der Innenstadt rollt die Hybridlimousine mit Elektroantrieb fast geräuschlos daher. Je nach Beladungszustand der Batterie funktioniert das maximal zwei Kilometer lang. Die Elektronik verhindert jedoch, dass der Prius mit leerer Batterie liegen bleibt und startet rechtzeitig den Benzinmotor. Wird mehr Leistung gebraucht, arbeiten im Prius beide Antriebsquellen flexibel zusammen. Der bärenstarke Elektromotor übernimmt mit seinem maximalen Drehmoment von 400 Nm beim Anfahren die Hauptlast, der Benzinmotor wird mit zunehmender Geschwindigkeit immer wichtiger. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h liegt mit 10,9 Sekunden auf dem Niveau einer modernen Mittelklasselimousine mit Turbodieselmotor. Einzig bei der Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h kann die Hybridtechnik nicht mithalten.
Wechselspiel im SekundentaktWas gerade unter der flachen Motorhaube passiert, zeigt der Touchscreenmonitor im Armaturenbrett mit einer Pfeilgrafik: Mal sorgt der Benzinmotor hauptsächlich für Antriebskraft, mal treibt er gleichzeitig über den Generator den Elektromotor an und lädt die Batterie. Dann wieder stellt die Batterie zusätzlich Energie zur Verfügung und der Benzinmotor hat Pause. Das Sparpotenzial des Prius folgt dem Grundsatz, möglichst keine Energie zu verschwenden. Konsequenter Leichtbau und eine ausgefeilte Aerodynamik mit einem cW-Wert von 0,26 sind wichtige Voraussetzungen hierfür. Beim Bremsen und Gaswegnehmen holt sich der Prius über einen Generator die Energie wieder zurück, die bei normalen Autos in den Bremsen als Wärme verpufft. Beim Beschleunigen speist die Batterie mit der gespeicherten Energie wiederum den Elektromotor, was den Benzinverbrauch reduziert.
Sparen auf breiter FrontBei einer ausgiebigen Testfahrt durch Berlin und Brandenburg zeigte der Bordcomputer, dass die Hybridtechnik besonders in der Stadt enorm sparsam arbeitet. Verbrauchswerte unter sechs Liter sind kein Problem. Schnelle Autobahnetappen kosten dagegen acht bis neun Liter. Nach 250 Kilometern überwiegend zügiger Fahrt zeigt das Display bemerkenswerte 5,7 Liter an. So sparsam war noch keine Mittelkasselimousine mit Benzinmotor unterwegs. Laut Toyota wird der Prius kein Exot in der Modellpalette bleiben. Der Automobilkonzern plant, in den nächsten drei Jahren für jede Baureihe der Marken Toyota und Lexus mindestens eine Hybridvariante anzubieten. Den Anfang macht im nächsten Jahr der Lexus RX 300. Pro Jahr sollen dann 300.000 Fahrzeuge mit der umweltfreundlichen Antriebstechnik vom Band rollen. Für Deutschland werden kommendes Jahr allerdings ganze 2.000 Verkäufe erwartet.
Fazit: Die Zukunft hat begonnen. Und sie fühlt sich gut an. Die Hybridtechnik des Toyota Prius erweist sich als sparsam und komfortabel. Und in Sachen Schadstoffausstoß stellt das innovative Antriebsprinzip selbst jeden modernen Turbodieselmotor in den Schatten.
planbar.de, Holger Schilp