350Z: Vorsicht Suchtgefahr

350Z: Vorsicht Suchtgefahr
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Tradition verpflichtet

350Z, da war doch was. Richtig. Das "Z" in der Modellbezeichnung erinnert an den legendären Datsun 240Z, der Mitte der Sechziger-Jahre für Furore sorgte. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Z-Reihe von Nissan zum meistgebauten Sportwagen der Welt. Der 350Z erinnert in Styling und Konzept an den Urahn. Dennoch widerstand Nissan der Versuchung, mit einem Retro-Look die gute alte Zeit wieder aufleben zu lassen.

Japanischer Kraftbolzen

Zierliche Dachpfosten über einem bulligen Korpus verleihen dem 350Z optische Potenz - 280 PS (206 kW) und 363 Nm Drehmoment lösen das Versprechen ein. In 5,9 Sekunden schnellt der Porsche-Jäger von null auf 100 km/h und erst bei 250 Stundenkilometern findet der Vorwärtsdrang elektronisch begrenzt ein Ende. Für die Statistik: Der Durchschnittsverbrauch beträgt 11,1 Liter. Ein schwerer Gasfuß verfeuert erwartungsgemäß deutlich mehr. Doch darum geht es nicht. Der Nissan 350Z ist so etwas wie die Sünde auf vier Rädern. Der Sportler zielt aufs Herz, in die Magengrube und auf alle Rezeptoren, die ein Mensch zur Verfügung hat.

Lockruf der Technik

Beim Dreh am Zündschlüssel brabbelt das V6-Triebwerk einen leisen Bass. Doch schon der erste Gasstoß entlockt der armdicken Doppelrohrauspuffanlage kehlige Laute. Jetzt aber nichts wie runter vom Parkplatz. Es zeigt sich schnell, dass der 350Z die reine Sportwagenlehre vertritt. Fahrspaß entsteht nicht nur im Grenzbereich, wo ständig der Entzug des Führerscheins droht. Der Sportler ist auch bei Tempo 30 hellwach. Ohne Verzögerung folgt er jeder Lenkbewegung. Die Federung ist sehr straff, aber nicht unkomfortabel - so ist das Popometer stets gut über den Kontakt zur Straße informiert. Der 3,5-Liter-V6-Motor findet hinter der Vorderachse Platz. Das Front-Mittelmotor-Layout sorgt für eine gut ausbalancierte Gewichtsverteilung. Daher radiert der Nippon-Sportler fast ohne Seitenneigung auch durch engste Kurven. Ein bequemer Sportsitz fixiert den Fahrer. Füße und Beine sind damit von der Suche nach Seitenhalt entbunden und tanzen locker über die gelochte Aluminiumpedalerie. Beruhigend zu wissen: Ein elektronisches Stabilitätssystem sowie sechs Airbags gehören zur Serienausstattung.

Ohrenschmaus für Autonarren

Selten fiel der Verzicht auf ein optional angebotenes Highend-Hi-Fi-System leichter als im 350Z. Um den anregenden Klang des Motors ungefiltert zu genießen, sucht die Hand den elektrischen Fensterheber. Und trotz Nieselregen bleibt das Fenster einen Spalt geöffnet. Gaswegnehmen und wieder beschleunigen, da ist es wieder: das gierige Röcheln. Schon steigt die Vorfreude auf die Cabrioversion des 350Z, die hoffentlich bald den Weg nach Europa findet. Doch noch ist Winter. Wir entfliehen dem Hamburger Berufsverkehr in Richtung Süden. Die Nadel des Drehzahlmessers fliegt von einer knackig exakten Schaltung getrieben über die Skala. An Beschleunigung herrscht auch jenseits von Tempo 200 keinerlei Mangel. Jede Menge aufgeblasener Mittelklasselimousinen finden ihren Meister, räumen widerwillig die linke Spur. Im sechsten Gang sinken Drehzahl und Verbrauch dann wieder auf ein sozialverträgliches Niveau.

Der Arbeitsplatz

Während der Nissan Kilometer frisst, schweift das Auge durch den schwarzen Innenraum. Hin und wieder blitzt etwas Chrom. Groß und zentral positioniert: der Drehzahlmesser. Der Tacho und ein Kombiinstrument finden sich, etwas kleiner, jeweils links und rechts daneben. Beim Einstellen des Lenkrads ändert auch das Informationstrio seine Position. In der Mittelkonsole, zum Fahrer geneigt, grüßen drei kleine Rundinstrumente, wie sie ähnlich auch im Datsun 240Z zu finden waren. Fahrer und Beifahrer trennt eine mächtige Mittelkonsole, die aus dem Armaturenbrett Richtung Kofferraum fließt. Eine Quertraverse hinter den Vordersitzen schafft zusätzliche Stabilität. Immerhin, 235 Liter Kofferraum bleiben übrig. Angeblich genug für zwei Golfbags. Doch wer mit dem 350Z zum Golfplatz fährt, ist selber schuld. Auf dem Parkplatz sagt der Testwagen schließlich leise knisternd: "Auf Wiedersehen". Das wollen wir hoffen.

Fazit: Eine Fahrt im Nissan 350Z massiert die Synapsen. Und das Grinsen im Gesicht bleibt nach dem Aussteigen noch eine ganze Weile erhalten. Das ist Fahrspaß pur - selbst im zähen Stadtverkehr. Dafür sind 33.500 € wirklich nicht zu viel.

planbar.de, Holger Schilp

 
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