Honda CR-V i-CDTi: In der Ruhe liegt die Kraft

Er kam spät, doch inzwischen ist der Turbodiesel auch beim Honda CR-V der Renner. Ab sofort gibt es das 2,2-Liter-Aggregat auch mit Rußpartikelfilter.

Früher Erfolg

Während einige Hersteller wie VW und Peugeot den Auftritt ihres ersten Kompakt-SUV noch planen, brachte Honda im Jahr 2002 bereits die zweite Generation des CR-V an den Start. Mit der letzten Modellpflege bekam der Allradler endlich den von der Kundschaft lang ersehnten Turbodiesel spendiert. Der 2.2 i-CDTi feierte zunächst im Accord Premiere. Seit kurzem kommt er auch im Kompaktvan FR-V zum Einsatz. Im CR-V gibt es den 140 PS-Diesel mit der gehobenen "ES"-Ausstattung ab 28.690 Euro. Der Rußpartikelfilter schlägt inklusive Einbau nochmals mit 750 Euro zu Buche. Er ist auch als Nachrüstlösung erhältlich.

Über den Dingen

Hohe Sitzposition, viel Platz und ein Gefühl von Sicherheit - auch dank Allradantrieb. Diesen Faktoren verdanken die SUV ihren Boom. Der CR-V fährt sich zudem handlich, komfortabel und sicher wie ein Pkw. Normalerweise ist der Japaner mit Frontantrieb unterwegs. Verlieren die Vorderräder an Haftung, schaltet sich der Hinterradantrieb zu. Besonders auf winterlichen Straßen ist das ein echter Vorteil. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass ein SUV schwerer ist und einen höheren Schwerpunkt besitzt als ein konventionelles Auto. Entsprechend früh machen sich die Gesetze der Physik bei Glätte bemerkbar. Gute Winterreifen sind deshalb auch für den Allradler Pflicht.

Sichere Nummer

Mit der bulligen Front, über 1,70 Meter Fahrzeughöhe und dem Reserverad am Heck sieht der CR-V aus wie ein zünftiger Geländewagen. Für heftige Offroad-Touren ist er dennoch nicht gedacht. Dazu ist das Getriebe zu lang übersetzt und es fehlen sperrbare Differenziale. Weil jedoch kaum ein SUV jemals Schlamm und Geröll unter das Profil nimmt, geht die pkw-ähnliche Konstruktion in Ordnung. Die selbsttragende Karosserie ermöglicht zudem ein sicheres Crashverhalten. Durch die hohe Motorhaube werden auch Fußgänger noch verhältnismäßig gut geschützt. Honda gilt in diesem Punkt als Vorreiter. Das üppige Sicherheitspaket umfasst einen Bremsassistenten, das elektronische Stabilitätssystem VSA sowie Front-, Seiten- und Kopfairbags. Isofix-Kindersitzverankerungen sind ebenfalls serienmäßig. Mit diesem Wissen geht man im CR-V beruhigt auf Reisen. Und es darf kräftig eingepackt werden.

Große Variabilität

Das Ladevolumen des Fünfsitzers schwankt zwischen 527 und 628 Liter, je nachdem wo sich die um 17 Zentimeter längs verstellbaren Rücksitze befinden. Zudem lassen sich die Lehnen um 45 Grad neigen. Jetzt kann hier entspannt werden. Mit umgeklappten Sitzen - Kopfstützen müssen nicht demontiert werden - ergibt sich ein 952 Liter großer Stauraum. Der Kofferraumboden ist herausnehmbar. Er dient bei Bedarf als Picknicktisch. Schlechtes Wetter verhinderte allerdings diesen Praxistest. Wer bis unter das Dach stapelt, packt bis zu 1.568 Liter Gepäck ein. Damit liegt der CR-V auf dem Niveau eines geräumigen Kombis. Wie bei allen japanischen SUV ist die Heckklappe rechts angeschlagen, was das Beladen vom Gehweg aus erschwert. Um kleines Gepäck zu verstauen, lässt sich die Heckscheibe separat per Fernbedienung öffnen, was im Testbetrieb oft genutzt wurde.

Hülle und Fülle

Der 4,63 Meter lange CR-V bietet fünf Passagieren viel Luft über dem Scheitel sowie für Schultern und Beine. Die breit geschnittenen Vordersitze verfügen über eine große Beinauflagefläche und bequeme Armlehnen. In schnellen Kurven findet der Körper allerdings nur wenig Seitenhalt. Am Armaturenbrett dominieren dunkle Kunststoffe. Für eine freundliche Note sorgen das elegante Muster der Sitzbezüge, der helle Dachhimmel und die silbern glänzende Mittelkonsole. Dort ist auch der senkrecht angebrachte Handbremshebel integriert. Das schafft zwischen den Vordersitzen Platz für eine klappbare Ablage mit Becherhaltern. Oben in der Mittelkonsole sitzt das Farbdisplay des optionalen DVD-Navigationssystems. Die Routenführung ist schnell und präzise. Doch mangels dynamischer Routenführung mit automatischer Stau-Umfahrung (TMC) landet man dennoch mitten im Schlamassel. Bei einem Preis von über zweieinhalb tausend Euro ist das nicht akzeptabel. Nachrüstlösungen aus dem Zubehörmarkt wären hier die bessere Wahl. Und sie sind günstiger. Über die klar gezeichneten Instrumente darf man sich dagegen freuen. Nach dem Dreh am Zündschlüssel werden sie von hinten beleuchtet. Am Lenkrad sitzen Bedientasten für den serienmäßigen Tempomat und das Radio. Zum Lieferumfang gehört auch eine Klimaautomatik.

Glänzender Antrieb

Kurz, nur ganz kurz nach dem winterlichen Kaltstart zeigt der Diesel, dass er auch ein brummiger Geselle sein kann. Schon nach wenigen Metern schnurrt der Vierzylinder wie ein Kätzchen. Auf der Autobahn hält sich der Selbstzünder akustisch ebenfalls zurück. Nicht so bei den Fahrleistungen:
10,6 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 und 180 km/h Spitze sind für einen 1,7-Tonner respektable Werte. Auch beim Zwischenspurt ist der CR-V dank maximal 340 Newtonmetern Drehmoment, die ab 2.000 Umdrehungen bereit stehen, gut bei der Musik. Drehfreude und die spontane Gasannahme des Commonrail-Vierventilers drängen den Vergleich mit einem Benziner auf. Die Kraft gelangt über ein Sechsgangetriebe zu den Rädern. Sie entfaltet sich gleichmäßig über ein breites Drehzahlband, was den Motor weniger brachial wirken lässt als beispielsweise ein TDI aus dem Volkswagenkonzern. Wer den i-CDTi zu Höchstleistungen treibt, muss etwas Expresszuschlag einkalkulieren, sonst reichen im Alltag sieben bis acht Liter.

Fazit: Der Honda CR-V i-CDTi überzeugt mit seinem kultivierten Turbodiesel. Zusammen mit der geräumigen Karosserie und der variablen Heckbank ist der Allradler eine interessante Alternative zu manchem Kompaktvan.

mototype, Holger Schilp

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