Jaguar S-Type: britische Alternative
Im Bann der TraditionDie Raubkatze fällt auf, wenn sie samtweich schnurrend um die Häuser streicht. Unverhohlen staunende Blicke verfolgen den S-Type in Berlin; auch wenn die Passagiere nicht dem englischen Königshaus angehören. Das Jaguar-Design wandelt auf dem schmalen Grat zwischen barocken Rundungen und modernen Proportionen: Opulent geschwungene Linien münden in einem mächtigen Plakettenkühlergrill. Wie in der guten alten Zeit neigt sich der Kofferraumdeckel sanft der Stoßstange entgegen. Ein langer Radstand, die weit zurück versetzte Fahrgastzelle und die hoch angesetzte Fensterfront geben der Limousine in der Seitenansicht eine dynamische Note. Für Eleganz sorgt Chrom rund um die Fenster. Jaguar verlangt für den schon optisch beeindruckenden S-Type 3.0 Executive 46.430 €.
Einsteigen und genießenDas klassisch geformte Heck hat ein flaches Gepäckabteil zur Folge, das mit 400 Litern auch nicht besonders üppig ausfällt. Doch wer in den elektrisch verstellbaren Lederpolstern versinkt, neigt zur Milde. Genussvoll streichen die Hände über das optionale Holz-Leder-Lenkrad, während sich das Auge über die ausladende Holzverblendung im mit Leder bezogenen Armaturenbrett freut. Im Gegensatz zu vielen anderen, futuristisch ambitionierten Limousinen wirkt das Holzdekor im Jaguar keineswegs deplatziert. Im Gegenteil, man würde etwas vermissen, wäre es nicht da. Nur die schmucklosen Instrumente passen nicht so recht in den englischen Salon. Auch die Grafik des DVD-Navigationssystems mit Touchscreen-Farbmonitor könnte etwas nobler wirken. Immerhin verlangt Jaguar dafür 2.820 € Aufpreis. In der Mittelkonsole findet sich hinter dem Automatikwahlhebel ein chromblitzender Schalter, der die konventionelle Handbremse ersetzt. Moderne Technik also unter dem traditionsbewussten Blechkleid. Auf der Höhe der Zeit präsentiert sich auch die absolut klapperfreie Verarbeitung des Testwagens. Jaguar hat inzwischen offenbar die bösen Geister der Vergangenheit besiegt.
Von Komfort bis SportDie Passagiere sitzen recht tief im S-Type, und so entpuppt sich die akustische Einparkhilfe schnell als recht nützliches Zubehör. Trotz der eher sportlichen Sitzposition animiert der S-Type keineswegs zum Rasen. Allerdings bieten 231 PS (175 kW) hierfür beste Voraussetzungen. Spannt die Raubkatze ihre geschmeidigen Muskeln, schnellt die 3,0-Liter-Limousine in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 und jagt mit bis zu 233 Stundenkilometern über den Asphalt. Wer sich mit bis zu 180 km/h begnügt, wird mit einer flüsterleisen Fahrt und Verbrauchswerten um zehn Liter Super belohnt. So lassen sich auch lange Strecken entspannt bewältigen. Die butterweich agierende Sechsgangautomatik und der sanfte V6-Motor sind ein echtes Dreamteam. Schaltrucke kennt das vom deutschen Antriebsspezialisten ZF in Friedrichshafen entwickelte Getriebe auch bei extremer Belastung praktisch nicht. Bewegungen des Gaspedals werden dennoch spontan in Vortrieb umgesetzt.
Braves KätzchenIn Verbindung mit einer direkt ansprechenden Lenkung entpuppt sich der S-Type 3.0 als angenehm handliches Fahrzeug. Das gilt auch für Fahrten auf Eis und Schnee. Trotz Heckantrieb bleibt der mit Pirelli-Winterreifen ausgerüstete Testwagen lammfromm. Das Stabilitätsprogramm und die Traktionskontrolle haben den antrittstarken Briten zuverlässig im Griff, solange die Grenzen der Physik nicht mutwillig überschritten werden. Es ist beruhigend zu wissen, dass der S-Type serienmäßig über ein umfangreiches Sicherheitspaket verfügt. Dazu gehören zweistufig auslösende Frontairbags, die nicht nur die Schwere des Aufpralls, sondern auch die Sitzposition der vorderen Passagiere und deren Gewicht berücksichtigen. Seitenairbags vorne und Kopfairbags für die außen Sitzenden in beiden Reihen sind ebenfalls enthalten. Hinzu kommen aktive Anti-Schleudertrauma-Kopfstützen und ein wegklappendes Sicherheitsbremspedal. Optional gibt es das adaptive Fahrwerk CATS, das die Federung im Millisekundenbereich auf die jeweilige Fahrsituation abstimmt.
Fazit: Der Mythos Jaguar lebt, und wie! Besonders die gelungene Motor-Getriebekombination verhilft dem S-Type 3.0 Executive zu einem überzeugenden Auftritt.
planbar.de, Holger Schilp