Kia Rio 1.5 LS: Vorlauter Preisbrecher

Kia Rio 1.5 LS: Vorlauter Preisbrecher
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Gut in Form

Sahnestück des Kia Rio ist zweifellos sein Heck. In einem gefälligen Schwung treffen hier ein sanft abfallendes Dach und die keilförmig ansteigende Seitenlinie aufeinander. Klarglasscheinwerfer, große Kühlluft-Öffnungen und eine v-förmige Motorhaube geben der Front eine moderne Optik. Hübsch gemacht sind auch die Kunststoff-Radblenden, die auf den ersten Blick wie Aluminiumfelgen aussehen.

Finanzen im Griff

Zum Test angetreten ist der Rio 1.5 LS mit 97 PS (71 kW). Das nahezu komplett ausgestattete Topmodell der Baureihe kostet nur 12.790 €. Ein echter Kampfpreis, bei dem selbst Kleinwagen aus deutscher Produktion nicht mithalten können. Und es kommt noch besser: das Service Plus Paket schont den Geldbeutel - serienmäßig und ohne Aufpreis - fünf Jahre lang. Bis zu einer Laufleistung von 75.000 Kilometer sind mit dem Kaufpreis alle Lohn- und Ersatzteilkosten für anfallende Inspektionskosten abgegolten. Sogar ein Satz Sommerreifen und Wischblätter sind enthalten. Und auch die Kfz-Steuer wird von Kia übernommen. Alles zusammen: ein Preisvorteil von 1.800 €. Hinzu kommen drei Jahre Neuwagen- und Mobilitätsgarantie ohne Kilometerbegrenzung.

Für großes Gepäck

Mit 4,24 m Länge sprengt der Rio beinahe das Format der Kompaktklasse. Er übertrifft sogar den optisch bulligeren, neuen Golf V um eine Daumenbreite. Und so wundert es nicht, dass im schicken Heck locker das Urlaubsgepäck einer ganzen Familie verschwindet. 449 Liter Kofferraum wachsen dank der geteilt klappbaren Rückenlehne auf bis zu 1.277 Liter. Leider ist die Zuladung mit maximal 365 Kilogramm nicht allzu üppig bemessen. Weniger geräumig geht es im Fond zu: Dachhöhe und Beinfreiheit lassen großen Nordeuropäern auf den Rücksitzen nicht allzu viel Bewegungsfreiheit. Auch vorne gibt es kein verschwenderisches Raumangebot. Große Menschen sitzen zu hoch. Daran ändert auch der in Höhe und Neigung verstellbare Fahrersitz nichts. Dafür fällt er mit Lordosen-Rückenstütze und großzügig bemessenen Polstern recht bequem aus.

Einfach gemacht

Beim Innenraumdesign hält Kia auch nach der letzten großen Modellpflege zum Modelljahr 2003 am freudlosen Mausgrau fest, das ehemals typisch für fast alle asiatischen Fahrzeuge war. Immerhin sind die teils einfach wirkenden Kunststoffe recht solide verarbeitet. Es braucht schon derbes Kopfsteinpflaster, um in den Verkleidungen Klappergeräusche zu produzieren. Weniger überzeugend: ein Fahrersitz, dessen Bezug schon nach wenigen tausend Kilometern Falten wirft. Gut ablesbare Rundinstrumente und übersichtlich angeordnete Schalter erleichtern die Bedienung. Im Gegensatz dazu fallen die Knöpfe des Radios fummelig klein aus. Zum Lieferumfang des Rio 1.5 LS gehören elektrische Fensterheber, beheizbare Außenspiegel, eine Funk-Zentralverriegelung und zahlreiche praktische Ablagen im Innenraum. Klimaanlage, Glas-Schiebedach und Metallic-Lackierung kosten zusammen vergleichsweise zivile 1.815 € Aufpreis.

Lautstarker Kerl

Der 1,5-Liter-Vierzylindermotor ist ein recht rauer Geselle. Dabei ist das 16V-Triebwerk mit zwei oben liegenden Nockenwellen eine durchaus moderne Konstruktion. Versöhnlich stimmt, dass sich der Rio mit preiswertem Normalbenzin begnügt. Im Schnitt reichen sieben bis acht Liter. Bleifuß kostet bis zu elf Liter. Bei Bedarf beschleunigen die 97 PS (71 kW) in 11,6 Sekunden von null auf 100 km/h und ermöglichen bis zu 175 Stundenkilometer. Doch schon bei 120 km/h greift die Hand immer wieder zum Schalthebel - auf der vergeblichen Suche nach einem sechsten Gang. Eine derart kernige Geräuschkulisse passt nicht so recht zum sonst eher behäbigen Charakter des Rio. Lange Schaltwege und eine Lenkung, die viel Kurbelei erfordert, lassen keine sportlichen Ambitionen zu.

Weiche Beine

Im Stadtverkehr ist der Wendekreis von nur 9,8 m hilfreich. Allerdings poltert der Rio, trotz weicher Fahrwerksauslegung, mit etwas steifen Beinen über Schlaglöcher und kurze Bodenwellen. Bei zügiger Gangart sucht der Koreaner mit der Nase den Kurvenrand, spontane Ausweichmanöver provozieren Lastwechsel. Je stärker die Beladung, desto mehr Eigenleben entwickelt das Heck. Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP könnte Abhilfe schaffen. Es ist jedoch genauso wenig lieferbar wie Kopfairbags. Das serienmäßige Sicherheitspaket beschränkt sich auf ABS sowie Front- und Seitenairbags. Hier macht sich die knappe Kalkulation dann doch bemerkbar.

Fazit: Der Rio 1.5 LS bietet viel Platz in einer durchaus gefälligen Verpackung. Geringe Anschaffungskosten und sein attraktives Rundum-sorglos-Servicepaket machen ihn zum Preisbrecher der Kompaktklasse. Da lassen sich ein paar Schwächen im Detail schon verschmerzen.

planbar.de, Holger Schilp

 
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