Ein Auto, zwei Meinungen: Der Renault Scénic Conquest im Mann-/Frau-Test

Ein Auto, zwei Meinungen: Der Renault Scénic Conquest im Mann-/Frau-Test
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München, 31. Januar 2008 – Isabel und Matthias sind eines unserer Auto-Paare. Sie wohnen zusammen in einer WG, interessieren sich beide für Autos und vor allem – sie diskutieren gerne. Grund genug, die beiden für unseren Mann-/Frau-Autotest den Renault Scénic Conquest 1.9 dCi FAP testen zu lassen. Dabei wurde relativ schnell klar, dass die beiden ganz sicherlich nicht immer einer Meinung sind ...

Isabel: „Diesmal haben wir ein Auto, das vor allem praktisch und nützlich sein soll. Der Renault Scénic ist ein Minivan, der vor allem für Familien gedacht ist. Mal sehen, ob er hält, was er verspricht.“

Matthias: „Beim ersten Anblick löst er bei mir keine großen Emotionen aus. Das heißt, ich finde ihn nicht umwerfend schön, aber auch nicht übermäßig hässlich.“

Isabel: „Na, das ist ja ein Kompliment! Sag das bloß nie zu einer Frau, dass Du sie nicht „übermäßig hässlich“ findest. Besonders der Offroad-Look des Scénic Conquest ist sicherlich Geschmackssache. Mir gefällt das nicht so. Ich finde, die Stoßfänger und Radlaufschutzleisten aus schwarzem Kunststoff wirken etwas billig. Der Unterfahrschutz und die Türgriffe in Matt-Chrom sowie die Dachreling sehen ja ganz schick aus. Aber dass der Scénic kein SUV ist, erkennt man dann doch auf den ersten Blick.“

Matthias: „Mit dem um 20 Millimeter höher gelegten Fahrwerk des Conquest kann ich immerhin auch mal abseits von befestigten Wegen fahren – und das nicht nur im Schritttempo, das ist doch was!“

Isabel: „Für ein Familienauto ist das ja auch besonders wichtig, denn Frau und Kinder genießen es sicherlich sehr, wenn der Papa mit dem Van durchs Gelände brettert! Ich denke, Renault will mit dem Conquest einfach optisch auf den SUV-Trend aufspringen. Und wer fährt schon mit einem SUV wirklich abseits der Straße?“

Matthias: „Leider ist der Franzose fürs Einparken etwas unübersichtlich. Hinten kompensiert das zum Glück die elektronische Einparkhilfe. Und vorne ist das deshalb nicht so schlimm, weil letztendlich immer noch mehr Platz ist, als man vermutet.“

Isabel: „Wohlfühlen kann man sich auf jeden Fall im Innenraum. Der Scénic bietet viel Platz, gute Ablagemöglichkeiten und den einen oder anderen versteckten Clou, wie die horizontal verschiebbare Mittelkonsole oder den zusätzlichen Innenraumspiegel, mit dem beispielsweise Eltern schauen können, was ihre Kleinen hinten auf den Rücksitzen so treiben.“

Matthias: „Für die Passagiere gibt es wirklich einiges an Platz und Komfort im Minivan. Die vorderen Sitze sind bequem und beide höhenverstellbar. Dank der hohen Fahrgastzelle dürfte es auch für große Personen kein Problem geben, aufrecht zu sitzen. Positiv überrascht bin ich von der üppigen Beinfreiheit im Fond, gerade wenn die hinteren Sitze ganz zurückgeschoben sind.“

Isabel: „Was mir innen überhaupt nicht gefällt, ist das Cockpit. Die Anordnung der Instrumente in der Mitte des Armaturenbretts ist schon ungünstig. Und die Digitalanzeige mag ja ein wenig futuristisch aussehen, sie ist aber schwer abzulesen und sehr gewöhnungsbedürftig. So ist der Drehzahlmesser nicht einfach aus dem Augenwinkel zu erkennen, sondern man muss schon sehr genau auf das Display schauen.“

Matthias: „Bei einigen Details habe ich den Eindruck, es geht Renault in erster Linie darum, etwas anders als die Konkurrenz zu machen. Eine automatische Parkbremse kenne ich eher aus Oberklasse-Limousinen. Ob das im Scénic wirklich sein muss, sei mal dahin gestellt. Und die Keycard im Scheckkartenformat wirkt vielleicht ausgefallen und modern, aber ob ich nun einen Schlüssel oder eine Karte benutze, ist mir relativ egal. Ein herkömmlicher Schüssel ist zumindest handlicher.“

Isabel: „Was gar nicht geht beim Scénic Conquest, sind die in orangefarbenen Sicherheitsgurte. Das sieht einfach nicht schön aus. Und außerdem kann ich dann kein rotes Oberteil anziehen, das beißt sich ja sonst farblich total.“

Matthias: „Da hast Du recht. Das geht nun wirklich gar nicht, dass die Garderobe auf die Sitzgurte abgestimmt werden muss. Zur Not musst Du dann eben ein paar neue Klamotten kaufen gehen. Tu’ nicht so, als wäre das ein großes Opfer für Dich ...“

Isabel: „Du bedienst ja immer gerne die geschlechtertypischen Klischees, also lass’ ich Dich mal in dem Glauben. Ich muss noch ein paar Worte zum Navigationssystem los werden: Zum einen finde ich den Joystick zur Steuerung etwas labberig und den Druckpunkt schlecht definiert. So passieren bei der Eingabe Fehler. Zum anderen finde ich die Stimme das Navis furchtbar. Die Dame klingt hölzern und unfreundlich.“

Matthias: „Was Dir alles auffällt! Und ich dachte immer, nur Männer würden sich ungern etwas von unsympathischen Frauenstimmen sagen lassen!“

Isabel: „Super sind jedenfalls die vielen Staufächer im Scénic. Neben einem großen Handschuhfach gibt es unter den Sitzen Schubladen, in den Armlehnen der vorderen Türen verschließbare Fächer und in der Mittelkonsole ein wirklich großes, 15 Liter fassendes Ablagefach. Da kriegt man viel unter und das Auto sieht immer aufgeräumt aus.“

Matthias: „Ordnung ist für Dich ja besonders wichtig. Auch bei uns in der WG darf ja nie irgendetwas rumliegen! Auch in den Kofferraum passt ja so einiges hinein. Schiebt man die zweite Sitzreihe komplett nach vorne, gewinnt man zusätzlichen Platz. Wie sich das für einen modernen Van gehört, kann man außerdem mit den Sitzen so einiges anstellen: Alle drei hinteren Sitze können einzeln nach vorne geschoben und die Rückenlehnen einzeln umgelegt werden. Zusätzlich lassen sich die Sitze auch einzeln ausbauen. Zum Transport langer Gegenstände kann sogar noch die Lehne des Beifahrersitzes umgelegt werden.“

Isabel: „Allerdings tut man sich bei dem ganzen Umlegen und Ausbauen schon etwas schwer. Nach dem Motto „1,2,3 – fertig“ geht das nicht. Und wenn zum Beispiel die Lehne wieder in ihren Normalzustand versetzt werden soll, das aber partout nicht funktionieren will, lässt die Freude über so viele Verstellmöglichkeiten schnell nach.“

Matthias: „Als Mann will man sich ja nicht anmerken lassen, wenn so etwas nicht gleich gelingt. Ich probiere lieber Ewigkeiten herum, um dann zu sagen: „Klappt doch alles prima!“ Aber so ganz gut bin ich mit dem Sitzsystem ehrlich gesagt auch nicht zurechtgekommen.“

Isabel: „Dafür fährt sich der Scénic sehr ordentlich. Er bietet guten Fahrkomfort und nimmt die Kurven souverän. Die Lenkung spricht direkt an und auch die Sechsgang-Schaltung arbeitet leichtgängig.“

Matthias: „Für meine Begriffe merkt man den Diesel etwas zu deutlich. Zum einen vom Sound her: Gerade wenn er kalt ist, nagelt der 1,9-Liter-Turbodiesel ganz schön. Die 130 PS zeigen sich erst ab knapp 2.000 Umdrehungen, darunter ist er mir zu durchzugsschwach. Ist diese Grenze durchbrochen, dann beschleunigt er wirklich gut und gleichmäßig. Auf der Autobahn ist dann in kurzer Zeit richtig Tempo drin und die 190 km/h Höchstgeschwindigkeit sind kein Problem.“

Isabel: „Zum eher gemütlichen und Sprit sparenden Cruisen habe ich mich schnell mit dem Tempomat und dem Geschwindigkeitsbegrenzer angefreundet. So kann man unbewusstes „Zu-schnell-Fahren“ vermeiden und spart sich vielleicht sogar das ein oder andere Knöllchen. Nur den Schalter für den Tempomat finde ich ungünstig angebracht. Man verwechselt ihn leicht mit dem Hebel für Blinker und Licht.“

Matthias: „Die 31.210 Euro für unseren Scénic Conquest 1.9 dCi FAP sind sicherlich gut angelegt. Dafür sind auch so praktische Dinge dabei wie eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Sonnenrollos und zwei Klapptische für die hinteren Passagiere.“

Isabel: „Zum Schluss sind wir uns ja doch mal wieder einig. Der französische Minivan hält also, was er verspricht: Er ist ein praktisches Familienfahrzeug, das sich gut fährt, eine Menge Platz bietet und vielseitig einsetzbar ist. Ein ordentliches Auto also – die Gefahr ins Schwärmen zu geraten, bleibt allerdings überschaubar.“

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