Superb 2.5 V6 TDI: Dampfmaschine im Samtanzug
Innere Werte zählenAuch wenn es vielen Zeitgenossen immer noch schwer fällt dies zu glauben: Der Skoda Superb streckt die Nase eindeutig Richtung Oberklasse. Die Version 2.5 V6 TDI Elegance bietet für 34.540 € vieles serienmäßig, wofür die Konkurrenz kräftig extra kassiert. Elektrisch einstellbare Vordersitze, beheizbare Rücksitze, Tempomat, Multifunktionslenkrad, eine akustische Einparkhilfe, Klimaautomatik mit separaten Luftdüsen im Fond und eine Innenausstattung mit weichem Nappaleder gibt es serienmäßig. Selbst das Navigationssystem mit CD-Audiosystem sowie 17-Zoll-Aluminiumfelgen und Bi-Xenonscheinwerfer kosten keinen Aufpreis.
Sanftes RuhekissenEs wäre jedoch ungerecht, den Superb nur nach seinem guten Preis-Wert-Verhältnis zu bewerten. Der Tscheche hat echte Qualitäten: Im Fond gibt es fürstliche Platzverhältnisse zu entdecken, wie man sie sonst nur von Luxuslimousinen mit verlängertem Radstand kennt. Locker und lässig die Beine übereinander schlagen - ein entspanntes Vergnügen. Ist der Beifahrersitz nicht belegt, so lässt sich dessen Rückenlehne zum Teil herunterklappen und als sanftes Ruhekissen für die ausgestreckten Beine verwenden. Footboard nennt Skoda diese pfiffige Idee. Kaum weniger praktisch: ein Schirm, der in einem wasserfesten Fach in der linken hinteren Tür auf seinen Einsatz wartet. Bei Dunkelheit wird der Innenraum sanft illuminiert, das wirkt edel und stört auch bei langen Nachtfahrten nicht. Die hochwertig erscheinenden Kunststoffmaterialien trotzten im Test auch den Holperpisten rund um Berlin mit stoischer Ruhe.
Kuschelweicher Athlet Hinter der Chromnase des Skoda Superb 2.5 V6 TDI steckt ein samtweicher Turbodiesel. Ein Triebwerk mit 163 PS (120 kW) und bullenstarker Leistungscharakteristik: 350 Nm Drehmoment stehen bereits bei 1.250 Umdrehungen bereit. Und das ohne Common-Rail- oder Pumpe-Düse- Technik. Der V6-Direkteinspritzer kann sich auch mit einer konventionellen Verteiler-Einspritzpumpe hervorragend in Szene setzen. Stadtverkehr im sechsten Gang - kein Problem. Ein Tritt auf das Gaspedal und der Sechszylinder spannt die Muskeln. Souverän, relaxt und flüsterleise zieht der 1,7-Tonner davon. Von Anfahrschwäche keine Spur. In 9,2 Sekunden geht es von null auf Tempo 100. Dennoch ist der V6 TDI kein Sprinter. Der gewichtige Selbstzünder auf der Vorderachse vermittelt stets den Eindruck, eine schwere Limousine zu chauffieren. Standesgemäß präsentiert sich auch die Sicherheitsausstattung mit ABS, Bremsassistent, ESP und sechs Airbags.
Langstrecken-SparerAutobahn, 200 Stundenkilometer: Motor und Fahrtwind diskutieren mit leisem Gemurmel. Trotz 225er Breitreifen auf 17-Zoll-Bereifung ist vom Fahrwerk kaum etwas zu hören, der Geradeauslauf tadellos. Auf dem Display des Bordcomputers flimmern Werte zwischen zehn und zwölf Litern. Der Durchschnittsverbrauch auf unserer Testrunde mit Vollgasetappen von bis zu 223 km/h, viel zähem Stadtverkehr und etwas Landstraße beträgt 8,5 Liter Diesel. Ohne wirklich langsam unterwegs zu sein, genügen auch sieben Liter und weniger.
Haar in der SuppeDie wenigen Kritikpunke des Superb sind schnell aufgezählt: So sehen die hellen Materialien im Fußraum zwar elegant aus, doch nach dem ersten Herbstspaziergang ist es mit der edlen Pracht schnell vorbei. Auch beim Kofferraum sollte sich Skoda etwas einfallen lassen: 462 Liter taugen zwar für das Urlaubsgepäck einer fünfköpfigen Familie, doch der Laderaum ist durch eine schmale Blechluke nur schlecht zu beladen - und null variabel. Die Lehne der Rückbank lässt sich nicht umklappen, ein Skisack muss als Durchreiche zum Passagierabteil genügen. Kleines Trostpflaster: Im Kofferraum sorgt auf Wunsch CargoFlex (350 €) für Ordnung. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich eine faltbare Box mit variablen Trennwänden, die Ordnung in den Tiefen der Gepäckhöhle schafft.
Fazit: Der Skoda Superb 2.5 V6 TDI trägt zwar keinen Stern auf der Haube - aber er greift nach den Sternen. Die geräumige Limousine präsentiert sich solide verarbeitet, mit maximaler Ausstattung und einem Turbodiesel der Extraklasse.
planbar.de, Holger Schilp