Alfa 166: Im Schatten des kleinen Bruders

Alfa 166: Im Schatten des kleinen Bruders
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Endlich aufgewacht

Nach einem großen Facelift präsentiert sich der Alfa Romeo 166 jetzt als aufgewecktes Kerlchen. Die italienische Luxuslimousine funkelt die Konkurrenz nun aus Klarglasscheinwerfern an. Kein Vergleich zum müden Schlafzimmerblick der Vergangenheit. Wer weiß, vielleicht lockt ein derart entschlossener Auftritt auch neue Kundschaft an. Nötig hätte er es, denn hierzulande ist der 166 ein echter Exot. Ganze 560 Exemplare fanden vergangenes Jahr den Weg nach Deutschland. Audi verkaufte vom A6 selbst in schlechten Monaten locker fünfmal so viel.

Nicht zu hoch hinaus

Im Vergleich zur Konkurrenz war der Alfa 166 schon immer ein extrem sportlicher Typ. 1,80 m breit und mit 1,41 m vergleichsweise niedrig erinnert der Viertürer fast schon an ein Coupé. Im Fond gibt es daher zwar reichlich Beinfreiheit, doch nur wenig Platz für den Kopf. Daran ändert auch die sehr flach stehende Lehne der Rückbank nichts. Das Heck bietet Platz für bis zu 490 Liter Gepäck. Der recht ordentliche Wert lässt verschmerzen, dass die Rückbank nicht umgeklappt werden kann. Das Schweizer-Käse-Design des Armaturenbretts ist Vergangenheit. Statt vieler einzelner Anzeigen in tiefen Höhlen präsentiert sich der Fahrer-Arbeitsplatz nun klassisch sportlich - mit Chrom verzierten Rundinstrumenten und einer silbern glänzenden Mittelkonsole.

Alles drin, alles dran

Die jüngste Modellpflege beschert allen Ausstattungsvarianten seitliche Window-Airbags und eine automatische Türverriegelung (ab 20 km/h). Seit März steht neben den bekannten Ausstattungsstufen Progression (ab 29.700 €) und Distinctive (33.700 €) die neue Variante Luxory (37.580 €) zur Auswahl, deren Komplettlederausstattung auch das Armaturenbrett nicht ausspart. Wie bei dieser Preisgestaltung nicht anders zu erwarten, präsentiert sich bereits die Basis umfangreich ausgestattet: Klimaautomatik, Regensensor, 16-Zoll-Aluminiumfelgen und das elektronische Stabilitätsprogramm VDC sind serienmäßig. Der Alfa 166 Distinctive bietet zudem elektrische Sitzverstellung und -heizung, Lederausstattung, Tempomat, Regensensor, Bi-Xenonscheinwerfer, 17-Zoll-Bereifung und ein CD-Audiosystem.

Für Sportnaturen

Fahrer und Beifahrer freuen sich im 1,80 m breiten Alfa 166 über reichlich Ellenbogenfreiheit. Straffe und großzügig bemessene Vordersitze bieten auch auf langen Strecken den gewünschten Komfort. Freunde der sportlichen Gangart wünschen sich in schnellen Kurven jedoch mehr Halt für den Rücken - das gilt besonders für die lederbezogenen Sportsitze des neuen TI-Austattungspakets (1.500 €). 18-Zoll-Bereifung und ein tiefer gelegtes Sportfahrwerk liefern hier nämlich beste Voraussetzungen für einen flotten Kurventanz. Bei ersten Testfahrten lieferte die überarbeitete Limousine auch auf schlechten Straßen eine solide Vorstellung ab. Windgeräusche bleiben auch bei hohem Tempo dezent im Hintergrund. Komfort und Geradeauslauf konnten auch mit dem TI-Sportpaket noch überzeugen.

Lauschen und genießen

Basismotorisierung ist der 2.0 T.Spark mit 150 PS (110 kW). Der Vierzylinder-Benziner kostet 29.700 €. In der neuen Topmotorisierung 3.2 V6 schlägt das echte Alfa-Herz mit 240 PS (176 kW). Eigentlich müsste diese Version ohne Motorhaube ausgeliefert werden, denn der Sechszylinder mit seinen verchromten Ansaugrohren ist eine echte Augenweide - und ein Ohrenschmaus dazu. Das Triebwerk startet mit leisen Grummeln, um die Sinnesorgane dann mit heißem Röcheln zu beglücken, wenn der Drehzahlmesser mit Leichtigkeit dem Drehzahlbegrenzer entgegenfliegt. Echte Fans überweisen dafür gerne 36.900 € nach Mailand. Kaum weniger Freude bereitet der bislang angebotene 3.0 V6 mit 220 PS (162), der 36.900 € kostet und ausschließlich mit dem neuen Fünfgangautomatikgetriebe Sportronic geliefert wird.

Stark sparen

Für die Dieselfraktion gibt es einen 2,4-Liter-Common-Rail-Turbodiesel in zwei Leistungsstufen: Mit Zweiventil-Zylinderkopf stehen 150 PS (110 kW) bereit, der neue Vierventiler kommt auf 175 PS (129 kW). Bei ersten Probefahrten überzeugten dessen Laufruhe und bärenstarke Durchzugskraft gleichermaßen. Bullig, sonor, aber nicht aufdringlich laut legt sich der Fünfzylinder ins Zeug. Zerren die bis 385 Nm Drehmoment allzu heftig an den Vorderrädern, ist das ein Fall für die serienmäßige Traktionskontrolle. Alfa Romeo bescheinigt dem großen Turbodiesel einen kleinen Durst von 7,5 Litern - ein Wert, den wir auf unserer keinesfalls langsamen Testrunde locker um einen Liter unterboten.

Fazit: Endlich sieht der Alfa Romeo 166 so elegant aus, wie er sich fährt. Besonders der neue 2.0 JTD 20V bietet sich als Alternative zu deutschen Premiumherstellern an.

planbar.de, Holger Schilp

 
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