Terrano 3.0 DI: Über alle Berge
Kantig und bullenstark. Der Nissan Terrano ist genau der richtige Partner für die Herkulesaufgaben ziehen, klettern oder schleppen. Nun macht Nissan seinen 4x4-Profi mit einer kleinen Schönheitskur auch noch fit für die Fahrt zur Oper. Im Test: das Topmodell 3.0 DI Elegance.
Hoch hinausWer den Nissan Terrano besteigt, verlässt die Niederungen des automobilen Daseins. Mit 1,80 Meter Höhe überragt der Geländewagen jeden Van. Der Vollblut-Offroader wird in der Nissan Modellpalette nur vom Patrol GR übertroffen. Von ihm hat er auch den Vierzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung geerbt. Im Terrano leistet der 3.0 Di 154 PS (113 kW). Damit darf der Japaner drei Tonnen an den Haken nehmen. Zwei Pferde oder eine Motoryacht - kein Problem. Wer derartige Transportaufgaben zu lösen hat, für den dürfte auch der Anschaffungspreis von 34.480 € keine Schwierigkeit bedeuten.
Fein gemachtMit der Erfolgswelle der SUV Freizeit-Offroader steigen auch bei den Extrem-Geländespezialisten die Ansprüche der Käufer - die kernigen Gesellen sollen plötzlich Sonntagsanzug tragen. Auch wenn es für den harten Einsatz in Matsch und Geröll unpraktisch ist, werden beim Terrano die Stoßfänger, je nach Ausstattung, ganz oder zumindest teilweise lackiert. Beim Topmodell Elegance glänzt zudem der Kühlergrill in schickem Chrom, üppige 17-Zoll-Bereifung füllt die Radkästen. Der Innenraum präsentiert sich in dezentem schwarz, mit einer Mittelkonsole im glänzenden Titan-Look. Im Testwagen sorgt das optionale Style Paket (2.000 €) für zusätzlichen Schick: Soundsystem mit CD-Wechsler, Glas-Schiebedach und Ledersitze gehören dann zum Lieferumfang. Kopf-Seitenairbags vorne und aktive Kopfstützen sind auch bei der Basisausstattung serienmäßig.
Für alle FälleBeim Dreh am Zündschlüssel erwacht der hubraumstarke Vierzylinder-Turbodiesel mit kraftvollem Brummen zum Leben. Nach wenigen hundert Metern wird das Verbrennungsgeräusch weicher, bleibt aber stets präsent. Bei maximal 170 km/h pfeift zudem der Fahrtwind lautstark um die vorderen A-Säulen. Wer es ruhiger angehen lässt, findet im Terrano ein durchaus langstreckentaugliches Fahrzeug. Federungskomfort und die bequemen Vordersitze müssen sich vor Mittelklasselimousinen nicht verstecken. Enge Kurven auf Landstraßen sollten mit Rücksicht auf die Passagiere nur mit gemäßigtem Tempo umrundet werden - 1,9 Tonnen Leergewicht sind stets präsent. Sein Gewicht hindert den Terrano nicht, bei Bedarf in 13,3 Sekunden von null auf 100 km/h zu sprinten. Zurückhaltung im Gasfuß erlaubt Verbrauchswerte um die neun Liter pro 100 Kilometer.
Harter KernUnter dem schnörkellosen Blechkleid steckt ein stabiler Kastenrahmen. Das verleiht der Karosserie auch unter extremen Bedingungen eine herausragende Stabilität. Im Alltag offenbaren sich diese Qualitäten in der unerschütterlichen Ruhe, mit der auch übelstes Kopfsteinpflaster gemeistert wird. Instrumente und Lenkrad des Terrano erinnern an normale Pkw. Unterschied: ein zweiter Hebel auf dem Mitteltunnel, mit dem sich während der Fahrt der Frontantrieb zuschalten lässt. Für besonders steile Geländepassagen gibt es eine zusätzliche Geländeuntersetzung. Damit geht es mit Standgas im Schritttempo bergab, ohne dass die Bremse betätigt werden muss. Der dicke Brocken bleibt damit leicht kontrollierbar. Auf besonders rutschigem Terrain sorgt eine automatische Differenzialsperre an der Hinterachse auch dann noch für Vortrieb, wenn nur noch ein Rad Bodenkontakt hat. Schade nur, dass derartige Experimente in Deutschland fast überall verboten sind.
Fazit: Obwohl der Terrano für extreme Einsätze konstruiert wurde, macht der Japaner auch auf Asphalt eine gute Figur. Nach der jüngsten Modellpflege gelingt dem Geländespezialisten sogar ein recht nobler Auftritt.
planbar.de, Holger Schilp