Corolla Verso: Entwicklung mit Weitblick
Der Toyota Corolla Verso hat ein Leben im Zeitraffer hinter sich. Nach kaum zwei Jahren kommt der Kompaktvan aufs Altenteil. Der Nachfolger übernimmt zwar den Namen, mehr aber auch nicht: Er präsentiert sich eleganter und deutlich variabler - mit Platz für bis zu sieben Personen.
Harter WettbewerbDer neue Corolla Verso trifft mit seinem "Easy 7"-Sitzkonzept auf einen hart umkämpften Markt. Nach Opel Zafira und Honda Stream bieten in der Kompaktklasse inzwischen auch VW Touran, Mitsubishi Grandis und der brandneue Grand Scénic von Renault eine versenkbare dritte Sitzreihe. Der bisherige Corolla Verso begnügte sich mit Platz für fünf Personen - nicht mehr zeitgemäß, meint Toyota. Und mustert den Kompaktvan nach nur zwei Jahren Produktionszeit gnadenlos aus. Wie schon der Vorgänger ist auch der Neue im Herzen ein Europäer: Design aus Nizza, zu großen Teilen in Brüssel entwickelt und gebaut in Istanbul. Die Toyota-Fabrik am Bosporus produziert im internen Konzern-Vergleich die Fahrzeuge mit den geringsten Mess-Toleranzen. Am 24. April rollt der Van zu Preisen ab 19.600 € in die Showrooms der deutschen Toyota-Händler.
Sicher ist sicherBesseres Platzangebot, mehr Komfort und vorbildliche Sicherheit standen bei der Entwicklung des neuen Corolla Verso ganz oben auf der Liste. Ergebnis: ein Kompaktvan, der wesentlich eleganter wirkt als der gedrungene Vorgänger. Heckleuchten im Klarglasdesign schaffen einen Hauch von Extravaganz. Vorbildlich: Neben Front-, Seiten- und Window-Airbags gehört nun auch ein Knie-Airbag zum Lieferumfang. ABS mit Bremsassistent und das Stabilitätsprogramm VSC sind ebenfalls an Bord. Gleiches gilt für ein Multifunktionslenkrad und das CD-Audiosystem. Im Topmodell Executive (ab 25.600 €) gibt es zudem eine Frontkamera mit Seitenblickfunktion. Damit kann der Fahrer beim Abbiegen in eine unübersichtliche Kreuzung hineinspähen und gefährliche Situationen früher erkennen. Serienmäßig ist auch die bereits vom Vorgänger bekannte Heck-Kamera. Sie erfasst beim rückwärts Einparken den gesamten Raum hinter dem Fahrzeug.
Fünf plus zweiDer 4,30 m lange Corolla Verso fasst als Fünfsitzer 423 Liter Gepäck, mit umgelegten Rücksitzen sind es 1.563 Liter. Nicht schlecht, wenn auch keine Spitzenwerte. Dass es nicht mehr ist, liegt am hohen Ladeboden. Er ist nötig, damit sich die beiden hinteren Sitzreihen komplett versenken lassen. Der Umbau funktioniert kinderleicht. Ein leichter Zug am Hebel an der Sitzrückseite genügt, damit sich Lehne und Sitzfläche übereinander falten. Kopfstützen müssen nicht abgebaut werden. Dennoch ist der Corolla Verso kein vollwertiger 7-Sitzer - eher ein 5-Sitzer mit zwei Notsitzen. Auf den flachen Polstern im Heck fühlen sich höchstens kleinere Kinder wohl. Daran ändert auch nichts, dass sich die drei Einzelsitze in der zweiten Reihe um 24 Zentimeter längs verschieben lassen. Bei voller Besetzung schrumpft zudem der Kofferraum auf das Format eines erweiterten Handschuhfachs (68 Liter).
Bequemer ReisenVorne und in der zweiten Sitzreihe sorgt ein mit 2,75 m konkurrenzlos langer Radstand für reichlich Bewegungsfreiheit. Die Vordersitze sind allerdings zu weich gepolstert und bieten den Oberschenkeln nur wenig Auflagefläche. Dank großzügiger Verstellmöglichkeiten von Lenkrad und Sitzen lässt sich dennoch eine bequeme Sitzposition finden. Der kurze Schalthebel ist im Armaturenbrett untergebracht, gestartet wird per Knopfdruck. Getriebe und Lenkung lassen sich präzise bedienen. Egal mit welcher Motorisierung, der Van liegt sicher auf der Straße. Allerdings reagiert die Federung bei langsamer Fahrt nicht besonders feinfühlig auf kurze Bodenwellen.
Drei für jeden ZweckBesonderes Lob verdient die gute Geräuschdämmung, was besonders beim 2,0-Liter-Turbodiesel auffällt. Der Verso D4-D (116 PS/85 kW) steht mit 21.150 € in der Preisliste. Das Common-Rail-Triebwerk gefällt mit kräftigem Antritt ohne Turboloch. Basismodell ist der Corolla Verso mit 1,6-Liter-Benzinmotor (110 PS/81 kW) und fünf Sitzen für 19.600 €. Die dritte Sitzreihe bleibt den stärkeren Motorisierungen und höherwertigen Ausstattungslinien vorbehalten. Der 1,8-Liter Benzinermotor (129 PS/95 kW) ist ab 20.950 € im Angebot. Für 650 € extra gibt es in diesem Modell das automatisierte Multi-Mode-Schaltgetriebe. Elektromotoren wechseln automatisch die Gänge und übernehmen die Bedienung der Kupplung. Bei einer ersten Testfahrt überzeugt die Technik mit weichen Schaltvorgängen - zumindest solange der Fahrer keine sportlichen Ambitionen hegt.
Nobel, nobelIn einem Punkt hat der Verso den Wettstreit um den besten Kompaktvan bereits gewonnen: Kein Wettbewerber verfügt über einen hübscheren Innenraum. Dunkle Kunststoffe mit hochwertigen Oberflächen, eine Mittelkonsole in Aluminiumoptik und Instrumente mit Skalen im grünlich schimmernden Milchglas-Look, das wirkt wahrlich nobel. Wer möchte, kann den Verso mit einem DVD-Entertainment-System und Monitoren in den Kopfstützen der Vordersitze zum rollenden Kino umfunktionieren (2.200 €). Angesichts derart exklusiver Extras verwundert es allerdings, dass der Verso nicht mit Xenon-Scheinwerfern angeboten wird oder dass eine Sitzheizung nur mit Lederpolstern geliefert wird.
Fazit: Die zweite Generation des Corolla Verso ist spürbar gereift. Design, Komfort und Variabilität liegen auf höchstem Niveau. In der Summe seiner Eigenschaften präsentiert sich der Kompaktvan als sehr harmonisches Fahrzeug.
planbar.de, Holger Schilp