Ulysse 2.0 JTD: Dicker Brocken, kleiner Durst
Vans sind besonders bei Familien beliebt. Und weil die den Euro oft zweimal umdrehen müssen, testen wir den Fiat Ulysse mit dem kleinsten Dieselmotor. 109 PS treffen auf einen 1,7 Tonnen schweren Brummer. Ob das gut gehen kann?
Vier für einen ZweckFiat, Lancia und Citroen bieten unter verschiedener Modellbezeichnung alle den gleichen Van an - der von Peugeot produziert und auch unter eigener Flagge verkauft wird. Unterschiede finden sich bei Details wie der Innenraumfarbgebung und der jeweils individuellen Fahrzeugfront. Hier sticht besonders der Fiat Ulysse hervor: Kantige Scheinwerfer, scharf geschnittene Blinker und der v-förmige Kühlergrill lassen die Front zweckmäßig nüchtern und weniger verspielt erscheinen als bei den Schwestermodellen.
Komplette BasisDer Testwagen rollt mit der gehobenen "Emotion"-Ausstattung an den Start. Sieben Sitze, Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie Front-, Seiten- und Window-Airbags für alle drei Sitzreihen gehören zum Lieferumfang. Preis: 29.190 €. Günstigste Diesel-Variante ist der Fiat Ulysse für 26.690 €. CD-Radio, elektrische Außenspiegel, eine manuelle Klimaanlage und sechs Airbags sind auch hier an Bord. Alle Modellversionen sind zudem mit ABS, dem Stabilitätsprogramm ESP und einem Bremsassistenten ausgerüstet. Weil es Fiat gut mit der Presse meint, ist der Testwagen zusätzlich mit Memory-Ledersitzen und dem Navigationssystem Nav+ bestückt (3.390 €).
Eigenwillig im DetailBeim Programmieren der Navigationshilfe sollte bekannt sein: Dieser Computer kennt keine Umlaute. Einfach die Pünktchen über dem Vokal weglassen, dann klappt es. Sonst wird der Ort nicht gefunden. Im Test kostete uns diese Erkenntnis einige nervenaufreibende Minuten. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die Vielzahl an Displays und Monitoren vor, neben und schräg unter dem Lenkrad. Doch nach einigen hundert Kilometern klappt auch das. Richtig angenehm sind die körperfreundlich geformten Einzelsitze, die den Rücken prima stützen. Die Polster in der zweiten und dritten Reihe lassen sich verschieben und bei Bedarf komplett ausbauen. So wächst der Laderaum in Etappen von 324 Liter auf bis zu knapp drei Kubikmeter. Allerdings artet der Ausbau in eine böse Schlepperei aus, falls für die schweren Polster keine Garage zur Verfügung steht. Im Test machte das Gestühl bei Bodenwellen und Schlaglöchern zudem lautstark auf sich aufmerksam.
Klein, aber ohoDer 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel hat trotz eher bescheidenen 109 PS (80 kW) keine nennenswerte Probleme, den über 1,7 Tonnen schweren Ulysse in Schwung zu bringen. 270 Nm Drehmoment, die schon bei 1.750 Umdrehungen zur Verfügung stehen, leisten ganze Arbeit. Wer die kleine Anfahrschwäche bei ganz niedrigen Drehzahlen einkalkuliert, treibt den dicken Brocken in 13,4 Sekunden auf Tempo 100. Ab 174 km/h hat das Common-Rail-Triebwerk dann nichts mehr zuzusetzen. Bei aller Anstrengung hält sich der Testverbrauch mit acht bis zehn Litern in Grenzen. Hervorzuheben ist auch das geringe Geräuschniveau. Somit eignet sich der kleine Diesel durchaus als Partner für lange Strecken. Doch auch Stadtverkehr artet dank einer exakten Servolenkung und der akustischen Einparkhilfe nicht in Stress aus. In engen Parklücken lernt man dann auch schnell die Vorteile der beiden seitlichen Schiebetüren zu schätzen. Kinder können ein- und aussteigen, ohne dass die daneben parkenden Fahrzeuge Gefahr laufen, beschädigt zu werden. Familienfreundlich ist auch der zweite Innenspiegel, der die Bambini im Fond ins Blickfeld rückt.
Fazit: Bis auf das vorlaute Mobiliar ist der Ulysse 2.0 JTD Emotion gut in Form. Er bietet viel Platz und Sicherheit für Kind und Kegel. Und der kleine Turbodiesel entpuppt sich als anständige Basismotorisierung für den großen Familienfreund.
planbar.de, Holger Schilp