Agila 1.3 CDTI: Kleiner Brummi
Wertstabilstes Fahrzeug seiner Klasse, Sieger beim TÜV-Report und ein Marktanteil von über 74 Prozent. Opel darf auf seinen kleinen Micro-Van Agila stolz sein. Mit dem 1,3 Liter Turbodiesel wird der Rüsselsheimer zur rollenden, geräumigen Sparbüchse.
Einfach praktischÜberfüllte Innenstädte, gute Rundumsicht oder einfaches Ein- und Aussteigen. Es gibt viele Gründe, sich für einen Micro-Van zu entscheiden. Vielleicht ist es auch der Preis, der beim Opel Agila schon bei 9.995 € beginnt. Der Testwagen, mit 1,3-Liter-Turbodiesel und Njoy Design-Edition ausgerüstet, kostet 13.875 €. Dafür trägt er aber auch eine Zweifarbenlackierung in Prestigeblau/Starsilber, die im Straßenbild mehr auffällt als jeder
Porsche.
Nach obenPlatz für fünf Personen auf nur 3,53 m Länge. Der Agila meistert die Aufgabe, indem er sich auf unübersehbare 1,70 m nach oben streckt. Daher wirkt die Karosserie schmaler, als sie wirklich ist (1,62 m). Vorne ist das Platzangebot luftig, genau wie in der zweiten Reihe. Hier genießen die Passagiere durch die um sieben Zentimeter erhöhten Polster eine prima Sicht. Bis zu drei Kinder finden dort bequem Platz. Die Ausformung der Rückbank verhindert jedoch, dass dort jeder Kindersitz aus dem Zubehörmarkt stabil steht. Mit dem Römer Baby Safe war das zumindest eine recht wacklige Angelegenheit. Abhilfe versprechen Sitze mit Isofix-Verankerung. Besser gelöst: Eine asymmetrisch geteilte Rückenlehne, die mit nur einem Handgriff nach vorn klappt. Der Gepäckraum wächst von 240 auf bis zu 1.250 Liter. Praktisch, dass die Kopfstützen dazu nicht entfernt werden müssen.
Flotter HochsitzEinziger Tribut an das Fahrzeugkonzept "kurz und hoch" ist eine Sitzposition, die im ersten Moment an einen Küchenstuhl erinnert. Auf einer Tour durch halb Deutschland zeigte sich jedoch, dass die Vordersitze durchaus langstreckentauglich sind und dem Körper die nötige Unterstützung bieten. Trotz seiner hohen Bauweise reagiert der Agila spontan auf Lenkbewegungen. Das ist zunächst ungewohnt. Doch keine Angst, das Fahrwerk bietet große Sicherheitsreserven. Meist dürfte die exponierte Sitzposition sportliche Ambitionen im Keim ersticken. Jugendliche Heißsporne, die sich den Agila vielleicht von Mutti leihen, bremst der Agila durch konsequentes Schieben über die Vorderräder aus. Erschrecktes Gaswegnehmen lässt ihn mit einem unproblematischen Heckschlenker in die Kurven einlenken.
Kleiner DieselUnter der kurzen Haube des Testwagens, hinter großen Scheinwerfern, steckt ein echtes Highlight der Opel Motorenpalette. Der 1,3-Liter-Common-Rail-Turbodiesel ist eine Koproduktion mit Fiat. Der Vierzylinder leistet 70 PS und entwickelt zwischen 1.750 und 2.500 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von 170 Newtonmetern. Damit ist der Stadtfloh gut bestückt. Von einer Turbodiesel-typischen Anfahrschwäche abgesehen, ist das Triebwerk hellwach. Besonders gern lässt der kleine Selbstzünder beim Überholen auf der Landstraße seine Muskeln spielen. Jeder Tritt aufs Gaspedal wird mit einem kräftigen Knurren aus dem Motorraum beantwortet. Auf der Autobahn wird der Kleine aber recht laut - und dröhnt bei mittleren Drehzahlen wie ein Großer. Im Gegensatz zur gefühlten Geschwindigkeit stehen die Papierdaten: Von null auf 100 km/h in 15 Sekunden und 153 km/h Spitze. Größtes Plus des Antriebs ist ein Durchschnittsverbrauch, der kaum über sieben Liter Diesel klettert. Im Alltag reichen meist fünf bis sechs Liter.
Mini-Max-Prinzip Fahrkomfort hängt wesentlich vom Radstand ab. Und hier hat der Agila mit 2,37 m eigentlich schlechte Karten. Trotzdem gelang den Opel-Technikern eine Abstimmung, die kaum Schläge zu den Passagieren weiterreicht. Nickbewegungen auf kurzen Bodenwellen sind jedoch unvermeidlich. Auch die Verarbeitung des in Polen produzierten Micro-Vans überzeugt. Materialien und Lenkrad sind Opel-Piloten bestens vertraut. Spezialität des Agila Njoy Design-Edition: Zweifarbige Lackierung und Sitzpolster mit farblich darauf abgestimmten Sicherheitsgurten. Dachreling, 14-Zoll-Leichtmetallräder und die Innenkonsole sorgen für glänzenden Schick. Und das Seitenfenster in der hinteren Dachsäule ist einer lackierten Verkleidung gewichen. ABS, Sicherheitspedale, Front- und Seitenairbags sowie elektrisch einstellbare Außenspiegel sind hingegen bei allen Agila serienmäßig. Klimaanlage, Faltschiebedach oder CD-Radio können in Ausstattungspaketen mit über 600 € Preisvorteil geordert werden.
Fazit: Klein, aber oho. Der Micro-Van Opel Agila orientiert sich am automobilen Minimalismus, ohne deswegen ärmlich zu wirken. Der 1.3 CDTI ist ein praktischer Stadtfloh, der zur Not auch für längere Strecken taugt.
planbar.de, Holger Schilp