Leon Cupra R: Feuer im Herzen
Seat fällt im Volkswagenkonzern die vergnügliche Aufgabe zu, sich als Marke des Sports zu positionieren. Überzeugende Argumente liefert hierfür der Leon Cupra R - eine Art Über-GTI aus Spanien.
Lust statt LastDem Boom der Vans und Geländewagen zum Trotz, es gibt sie noch: die kleinen Wilden, die eine reichlich freche Spoilerlippe riskieren. Ganz wie ehemals der erste Golf GTI. 1976 genügten dem Urvater aller sportlichen Kompaktlimousinen 110 PS, beim Seat Leon Cupra R machen sich 225 PS (165 kW) über die Vorderräder her. Obwohl Gummiwalzen (225/40) die Radhäuser füllen, bringt der Spanier die Leistungsexplosion in engen Kurven oder auf welliger Fahrbahn nur mit Hilfe von ESP und Traktionskontrolle auf den Asphalt. Finden die Räder genug Grip, brennt jedoch der Asphalt. 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h und 242 Stundenkilometer Spitze katapultieren den schnellen Bruder des Golf in die Liga rassiger Sportwagen. So gesehen ist der Preis von 24.980 € ein echtes Schnäppchen.
In LauerstellungDer Cupra R duckt sich tief. Zwischen den Speichen der 18-Zoll-Alufelgen blitzen rote Bremssättel, die der Rennsportspezialist Brembo beisteuert. Kommt es hart auf hart, packen sie gnadenlos zu. Große Lufteinlässe zerfurchen den Frontspoiler. Und weil das noch nicht reicht, den temperamentvollen Südländer auf die Straße zu drücken, ist die Frontschürze mit einer zusätzlichen Gummilippe verlängert. Vorsicht ist damit bei den Holperschwellen verkehrsberuhigter Zonen geboten. Das Heck: Chromauspuff, roter Cupra R-Schriftzug und breite Reifen. Schnell wird klar, dass gerade kein normaler Leon im Tiefflug vorbeigezogen ist.
Schön auf dem Boden bleibenDas Paket stimmt, wie eine äußerst zügige Runde durch die Kasseler Berge beweist. Selbst, wenn die Tachonadel rasant Tempo 200 hinter sich lässt, klebt der Cupra R auf der Straße. Situationen in denen viele Mittelklasselimousinen bereits schweißnasse Hände verursachen, werden mühelos gemeistert. Grenzen der Physik kann aber auch der Seat nicht ignorieren. Das Fahrwerk ist deshalb wie ein fester Händedruck: Hart und verbindlich - aber nicht unsymphatisch. Kurze Bodenwellen werden bei hohem Tempo trocken zu den Passagieren weitergereicht. Brutale Schläge bleiben jedoch aus.
Gut geschnittenDie Sportsitze sind bequem und bieten viel Auflagefläche für die Oberschenkel. Einzig der Rücken wünscht sich beim Kurventanz noch mehr Halt. Sitze und Innenverkleidungen: alles schwarz. Weiß hinterlegte Instrumente mit roten Zeigern bringen etwas Farbe ins Spiel. Genauso wie der senkrechte rote Streifen in der Mitte des Volants. Er ist ein Tribut an den Rallye-Sport. Dort hilft er Piloten auf rutschigem Terrain festzustellen, in welche Richtung die Räder gerade eingeschlagen sind. Wer im Cupra R derartige Gedächtnisstützen nötig hat, dem ist nicht mehr zu helfen.
Leise TöneAus dem Motorraum dringt bei beherztem Gaseinsatz das dumpfe Summen eines eifrigen Bienenschwarms. Der Vierzylinder-Turbomotor kann seine zivile Herkunft eben nicht verleugnen. Nur bei geöffnetem Seitenfenster dringt sportlicher Sound ans Ohr. Kraft lässt sich beim Cupra R besser fühlen als hören. Bei 2.200 Umdrehungen spannt der Fünfventiler seine Muskeln, 280 Nm drücken auf die Kurbelwelle. Zwischenspurts werden zum kurzweiligen Vergnügen. Beim Antritt aus niedrigen Drehzahlen, muss sich das Triebwerk allerdings erst aus einem kleinen Turboloch herauswühlen. Weil jeder Tritt aufs Gaspedal die Brennräume flutet, ist der von Seat mit 8,9 Liter Super Plus angegebene Durchschnittsverbrauch mit Vorsicht zu genießen. Im Test schwankten die Werte zwischen neun und 15 Litern.
Fazit: Knackig, sportlich - und vergleichsweise günstig. Der Seat Leon Cupra R ist ein echter Individualist im von Vernunft geprägten Massenmarkt. Trotzdem taugt der spanische Hochleistungssportler problemlos für die tägliche Fahrt zur Arbeit.
planbar.de, Holger Schilp