Die Unschuld vom Lande?
Freitag Mai 4
Auch wenn der Firmenname anderes vermuten lässt: Novitec Rosso beweist mit seiner neuesten Kreation, dass ein Ferrari auch ohne rote Lackierung wirklich eindrucksvoll sein kann.
Stetten im beschaulichen Unterallgäu: Hier gibt es unberührte Natur, rund 1.300 Einwohner und einen Ferrari-Veredler - Novitec Rosso. Was dort in den heiligen Hallen zwischen Landsberg/Lech und Memmingen entsteht, genießt weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Jetzt stellen die Bayern eine neue spektakuläre Kreation vor: Den Ferrari F430 Evoluzione, der dank Bi-Kompressor-Aufladung stramme 656 PS leistet. Doch der Umbau hat noch viele weitere Highlights zu bieten. Unter anderem die weiß/schwarze Lackierung, mit der Novitec Rosso - trotz des Firmennamens - bewusst einen Kontrast zum typischen Ferrari-Rot setzt. Die Unschuld vom Lande ist dieses Auto deshalb aber noch lange nicht.
Sechs Leistungsstufen
Dafür dürfte schon das Motortuning sorgen: Die fünf Leistungsstufen, deren bisheriges Highlight der nach wie vor angebotene Bi-Kompressor-Umbau mit 636 PS ist, ergänzt der Veredler jetzt um eine sechste. Im Vergleich zum bekannten Tuning verfügt der Evoluzione über ein Kompressor-Paar mit geänderten Turbinenschaufeln und separatem Ölkreislauf, einen vergrößerten Ansaugtrakt, einen neuen Luftleitkanal im Unterboden und geänderte Steuergeräte. Die weiteren Zutaten (wassergekühlte Ladeluftkühler mit zusätzlichen Wasserkühlern, Pumpen, verstärkte Keilrippenriemen und Injektoren) stimmen mit denen des Vorbilds überein. Im Zusammenspiel sorgen diese Änderungen dafür, dass die Kompressoren jetzt mit 0,38 statt 0,35 bar Ladedruck zur Attacke blasen.
Das wirkt sich natürlich nochmals positiv auf den Leistungs-Output aus: Jetzt galoppieren sogar 656 springende Pferde unter der transparenten Motorhaube des F430. Auch das maximale Drehmoment profitiert: Statt 638 Newtonmeter bei 6.250 Umdrehungen stellt der aufgeladene V8 jetzt 662 Nm bei 6.100 Touren bereit. Da muten die Daten des Basismodells fast schon hemdsärmelig an: Der Ferrari F430 liefert serienmäßig 490 PS und 465 Newtonmeter.
Auch bei den Fahrleistungen schlägt die Kopie das Original: Ferrari gibt für das Serienmodell offiziell "mehr als 315 km/h" an, Novitec verspricht spektakuläre 348 km/h. Allerdings setzt das eine längere Getriebeübersetzung voraus, was dazu führt, dass sich der Bayer in punkto Beschleunigungsvermögen nicht weit vom Italiener absetzt: Beim Null-auf-Hundert-Duell schafft Ersterer 3,7 Sekunden, Letzterer ist nur drei Zehntel langsamer.
Zwei Hochleistungs-Bremsanlagen im Angebot
Um Herz- und Pulsschlag des Fahrers möglichst schnell wieder auf ein normales Level zu bringen, hält Novitec Rosso gleich zwei Hochleistungs-Bremsanlagen bereit. Variante eins ist in Zusammenarbeit mit dem italienischen Spezialisten Brembo entstanden und besteht aus Sechskolben-Bremssätteln und 380 Millimeter-Scheiben an beiden Achsen. Die zweite Version arbeitet ebenfalls mit 380 Millimeter großen Bremsscheiben. Diese bestehen aber aus Keramik und werden vorne von Achtkolben- und hinten von Vierkolben-Sätteln in die Zange genommen. Die edlen Materialien sorgen für eine Gewichtsersparnis von mehr als 20 Kilogramm im Vergleich zur Serienanlage. Bei beiden Varianten erstrahlen die Bremssättel entweder in feurigem "Rosso", edlem Schwarz oder klassischem Silber.
Auch das Fahrwerk bekommt ein Update: Das Edelstahl-Gewindefahrwerk von KW erlaubt zwei Höheneinstellungen. Auch Zug- und Druckstufe der Stoßdämpfer lassen sich individuell konfigurieren. Zudem sorgen verstärkte Stabilisatoren für eine jederzeit souveräne Straßenlage. Eine Edelstahlauspuffanlage mit je zwei 90mm-Endrohren - wahlweise mit oder ohne Abgasklappensteuerung - rundet die technischen Modifikationen ab.
Auf Felgenseite stellen die Allgäuer ihre "NF2 Race"-Felge im 19- (Vorderachse) und 20-Zoll-Format (hinten) bereit. Kontakt zur Fahrbahn halten Reifen des Technologiepartners Pirelli, vorne in der Dimension 255/30 R19 und hinten in der Größe 345/25 R20.
Optischer Feinschliff
Auch optisch geht der Novitec F430 Bi Kompressor Evoluzione ein wenig auf Distanz zum Serien-Ferrari. Supersport-Frontschürze, Schwellerflügel sowie Supersport-Heckflügel und Diffusor machen aus dem Allgäuer einen waschechten Straßenracer. Auf Wunsch ersetzt Novitec Rosso die transparente Motorraumverkleidung durch ein Pendant aus Carbon, installiert ein Motorraum-Entlüftungsgitter aus demselben Material und tauscht die originalen Rückleuchten und Seitenblinker durch schwarze Gegenstücke. Rennsport-Ambiente auch im Innenraum: Eine Komplett-Lederausstattung mit Performance-Sportsitzen sowie Alu-Pedalerie und Fußstütze steigert die Exklusivität des Evoluzione weiter.
Die dürfte angesichts der Preisgestaltung sowieso immens sein. Nutzt man alle Angebote, die Novitec Rosso für den Ferrari F430 bereithält, packt der Tuner auf die knapp 150.000 Euro für das Basismodell nochmals 123.690 Euro drauf. Auch in dieser Beziehung ist der Novitec F430 Bi Kompressor Evoluzione also alles andere als unschuldig.
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