S-Type V6-Diesel: Kraft und Kultur
Neue Optik, renovierter Innenraum und als Krönung ein V6-Diesel mit Doppelturboaufladung. So geht der neue Jaguar S-Type ab sofort auf Kundenjagd. Nie zuvor war die britische Raubkatze besser in Form.
Alles DieselDer Weg zum Erfolg führt in Europa über den Dieselmotor. Auch in der luxuriösen Mittelklasse. Es wird nicht mehr lange dauern, bis zwei Drittel aller Limousinen von einem Selbstzünder befeuert werden. Moderne Selbstzünder gelten als potente Hightech-Aggregate, die kultivierten Fahrspaß zu vernünftigen Unterhaltskosten bieten. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Jaguar ein entsprechendes Triebwerk für die Premiumklasse präsentiert. In diesen Tagen ist es so weit. Die Premiere findet im frisch überarbeiteten S-Type statt.
Jaguar auf dem SprungFür den Diesel beginnt die Preisliste bei 39.900 €. Damit nimmt die Katze direkt die deutsche Nobelkonkurrenz ins Visier. Hinter der gelifteten Schnauze sitzt ein 2,7-Liter-V6-Turbodiesel mit 207 PS (152 kW). Das Common-Rail-Triebwerk ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit Ford und PSA Peugeot Citroen. Dank Biturbo-Aufladung stehen ab 1.900 Umdrehungen satte 435 Nm Drehmoment bereit. Das verheißt Kraft in allen Lebenslagen. Ohne große Zurückhaltung sind Verbrauchswerte um neun Liter möglich. Der Normwert beträgt sogar nur 7,1 Liter. Tatsächlich spurtet der V6 vehement los. Tempo 100 ist aus dem Stand in 8,5 Sekunden erreicht, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 230 km/h. Geschmeidig und leise wie ein Benziner schickt der V6-Diesel den Drehzahlmesser auf Reisen. Selbst jenseits von 200 Stundenkilometern sind noch Reserven abrufbar. Alternativ stehen ein neu entwickeltes Sechsgang-Schaltgetriebe oder eine butterweich agierende Sechsgangautomatik (2.030 €) zur Auswahl. Auch wenn der Handschalter spontaner auf das Gaspedal reagiert, gehört die Sympathie der Automatik. Zumal die Fahrleistungen nahezu auf gleichem Niveau liegen. Mit Automatik wird der S-Type zum souveränen Gleiter. Dennoch beherrscht die Katze bei Bedarf auch die sportliche Gangart.
Ruhe genießenDer Motor flüstert und der Fahrtwind summt ein sanftes Lied. Mit dem neu abgestimmten Fahrwerk gleitet die Katze noch sanfter über Fahrbahnunebenheiten. So bleibt der Alltagsstress vor der Tür des englischen Salons. Auffälligste Neuerung im Innenraum: hübsche Rundinstrumente mit edlem Chromrand. Auf den bequemen Sesseln mit elektrischer Verstellung lässt es sich auch auf langen Strecken gut aushalten. Und nur das Basismodell verzichtet auf Lederpolster. Für die anspruchsvolle Kundschaft sind neue Innenraumfarben verfügbar. Die Bandbreite reicht von dezentem Cognac bis zur knallig kontrastreichen Lederkombination. Im straffer abgestimmten S-Type Sport weichen die Holzapplikationen gebürstetem Aluminium - ganz im Stil der legendären E-Type aus den 60er-Jahren.
Frisch geliftetVon außen ist der neue S-Type an zahlreichen Details zu erkennen: Der angehobene Kofferraumdeckel gibt dem Heck mehr Spannkraft. Die Motorhaube besteht nun aus Aluminium. Das spart Kraftstoff und sorgt für ein noch besser ausbalanciertes Handling. Ihre V-Form lenkt den Blick zum Kühlergrill, der über dem geglätteten Stoßfänger steiler im Wind steht. Resultat aller Modifikationen ist ein optisch gestrafftes Blechkleid, das weniger verspielt wirkt als beim Vorgänger. Alle S-Type verfügen serienmäßig über ein elektrisch verstellbares Lenkrad, eine elektrische Parkbremse, die auf Knopfdruck reagiert, eine Klimaautomatik sowie ein 140-Watt-Soundsystem. Optional sind wie beim großen Jaguar XJ elektrisch verstellbare Pedale mit Memory-Funktion (400 €) erhältlich. Vorbildlich ist das Sicherheitspaket mit Front-, Seiten- und Window-Airbags, elektronischem Stabilitätsprogramm, Traktionskontrolle und Bremsassistent. Das ultraschallüberwachte Rückhaltesystem A.R.T.S entscheidet je nach Gefahrensituation, Sitzposition und Gewicht der vorderen Passagiere wie stark die Airbags aktiviert werden müssen. Oder ob der Airbag sogar eine Gefahr darstellt, weil die Passagiere beispielsweise nicht korrekt im Fahrzeug sitzen.
Vertrauen schaffenJaguar arbeitet nicht nur mit Hochdruck an der Optik sondern vor allem an der Qualität. Immer noch kämpft die britische Nobelmarke mit dem ramponierten Ruf, den ihr der Schlendrian der 70er Jahre einbrachte. Doch der Argwohn herrscht zu Unrecht, wie jüngste Untersuchungen zeigten. In den USA rangiert der Brite bei der J.D.Power Kundenzufriedenheitsstudie in seiner Klasse auf dem dritten Rang - als bester Europäer. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern bietet Jaguar seinen Kunden nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung, sondern eine dreijährige Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Das kennt man sonst nur von den Japanern.
Fazit: Der samtweiche V6-Turbodiesel passt perfekt zum neuen S-Type. Der Brite ist ein Angebot für alle, die Genuss nicht über Geschwindigkeit definieren - auch wenn der S-Type bei Bedarf wirklich rasant unterwegs sein kann.
planbar.de Holger Schilp