C3 Pluriel: Der Verwandlungskünstler
Die Idee fasziniert: Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich der Citroen C3 Pluriel von einer Limousine mit großem Stoffdach in einen flotten Speedster. Mit Platz für vier Personen, 109 PS und SensoDrive-Automatik kostet der Spaß 17.490 €.
Kopflos gemachtDa steht er nun. Die Karosserie bis zur Gürtellinie in unschuldigem hellblau. Felgen, Heckleuchten und die Dachstreben glänzen in schickem Silber. Basis des Pluriel ist der Citroen C3. Der französische Konkurrent von Polo und Co wurde für das Openair-Vergnügen gründlich umgebaut. Nun gibt es zwei statt vier Türen. Mächtige Türschweller sorgen für Stabilität. Auf normalen Straßen bleibt der Pluriel damit ruhig. Bei Kopfsteinpflaster offenbaren diverse Klappergeräusche jedoch, dass ein stabiles Blechdach fehlt. Nach dem Cabrio-Strip in mehreren Stufen steht am Ende eine gnadenlos offene Schönheit in der Sonne, die sich auf Gedeih und Verderb dem Wettergott ausliefert - falls keine Garage vorhanden ist. Dazu gleich mehr.
Die moderne EnteHeckscheibe aus Glas und ein Textildach, das sich über die ganze Fahrzeuglänge öffnen lässt - kennen wir bereits von der legendären Ente. Heute geht das per Knopfdruck. Schließlich schiebt sich das Verdeck sogar über die Heckscheibe. Dann lässt sich das ganze Paket mit einer eleganten Drehung im Kofferraumboden versenken. Deswegen spendierten die Ingenieure also schon dem C3 ein tief abgesenktes Gepäckabteil mit doppeltem Boden. Nun stehen noch 137 Liter statt ursprünglich 266 zur Verfügung. Für den Wochenendausflug zu zweit ist das meist ausreichend. Wer mehr Stauraum benötigt, freut sich über die umklappbaren Rücksitze. Werden alle vier Fenster elektrisch versenkt, entsteht beinahe schon Cabriogefühl. Leider sind die Schalter für die hinteren Fensterheber unpraktisch weit hinten auf dem Mitteltunnel platziert. Immerhin spart diese Lösung Kosten. Dass bei Citroen der Rotstift ein strenges Regiment führt, zeigen auch silbern lackierte Kunststoffteile, bei denen schnell die silberne Lackierung abblättert.
Kühne KonstruktionEchte Cabriofans wird das weniger stören, sie wollen maximalen Frischluftgenuss. Dazu werden die beiden Dachholme entfernt. Wohin damit? Am besten in die Garage, falls vorhanden. Zuerst im Kofferraum zwei Hebel entriegeln, dann die Arretierungen am Fensterrahmen vorne lösen - schon lassen sich die langen gebogenen Holme abheben. Das funktioniert ohne große Kraftanstrengung. Für den Auftritt als Speedster wird zum Schluss eine zusätzliche Kofferraumabdeckung montiert. Beim ersten Mal scheint die ganze Prozedur noch etwas mühselig. Doch bald klappt alles wie am Schnürchen. In der Werbung ist der Pluriel auch als Pickup zu sehen. Tatsächlich scheitert das an einem Nummernschild, das mit heruntergelassener Heckklappe nicht mehr zu lesen ist. Und das ist leider nicht erlaubt. Als Sitzbank eignet sich die stabile Konstruktion dagegen vorzüglich.
Schalten lassenAls wären das noch nicht genug eigenwillige Lösungen, besitzt der Pluriel 1.6 das automatisierte Fünfgangschaltgetriebe SensoDrive. Geschaltet wird entweder über zwei Kunststoffwippen am Lenkrad, durch Antippen des Ganghebels oder automatisch. Die Technik erinnert gelegentlich an einen noch wenig routinierten Fahrer kurz nach der Führerscheinprüfung: Normalerweise funktioniert der Automatikmodus flott und sanft. Sind jedoch schnelle Entscheidungen gefragt, kommt der Pluriel in die Bredoullie. Ruppiges Einkuppeln und zögerliche Gangwahl sind die Folge. Manuell geschaltet, funktioniert die Technik spürbar präziser. Der Gasfuß kann dann mithelfen. In der Innenstadt oder im Stau ist SensoDrive dagegen ein echter Segen.
Einfach ein AutoBei Bedarf ist der Pluriel 1.6 dank 109 PS (80 kW) wirklich flott unterwegs. Die Höchstgeschwindigkeit mit geschlossenem Dach: 188 km/h. Allerdings tost der Fahrtwind dann recht lautstark um die Dachkonstruktion. Und der Durchschnittsverbrauch schnellt von normalerweise knapp sieben auf zehn Liter und mehr empor. Weniger Gedanken muss man sich um die Sicherheit machen. Die Federung des Pluriel ist komfortabel, das Fahrverhalten unproblematisch. Allzu großen Übermut bremst das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Frontairbags und Seitenairbags für Brust und Kopf sind ebenfalls serienmäßig. Zusätzlichen Schutz versprechen die stabilen Dachbögen. Doch auch der verstärkte Windschutzscheibenrahmen allein genügt bereits den deutschen TÜV-Richtlinien. Die Passagiere können sich im Pluriel also ganz entspannt das Gemüt von der Sonne wärmen lassen.
Fazit: Von der Limousine zum Speedster in wenigen Minuten. Der Citroen Pluriel wird seinem Namen, der auf Französisch "Mehrzahl" bedeutet, wirklich gerecht. Er ist drei Autos in einem - und alle machen mächtig viel Spaß.
planbar.de, Holger Schilp