NSX-T 3.2i V6: Nippon Soundmaschine
Kompromisslose Sportwagen kommen aus Italien, Deutschland oder England. Auf Japan tippt da kaum jemand. Dabei hat Honda bereits seit 13 Jahren den NSX im Programm. Wir haben den Ritt mit der Targaversion NSX-T 3.2i V6 gewagt.
Vorne oder hintenBei Sportwagenfans ist es die Glaubensfrage: Wo ist der Motor am besten platziert? Vorne wie bei Mercedes, im Heck wie bei
Porsche oder zwischen Fahrer und Hinterachse wie bei Ferrari - und dem Honda NSX. Das hierzulande wenig bekannte Sportgerät setzt dem Piloten ein 3,2-Liter-V6-Triebwerk in den Nacken. Wenn dessen 280 PS (206 kW) attackieren, ist der Japaner in 5,9 Sekunden auf Tempo 100.
Kompromisslos konstruiertIm Gegensatz zu einigen europäischen Wettbewerbern lässt Honda den NSX rennen so schnell er kann. Das sind immerhin 270 km/h. Die Aluminiumkarosserie hilft, das Gewicht auf 1,5 Tonnen zu begrenzen. In der nur 1,17 m hohen Flunder geht es erstaunlich kommod zu. Dank großer Türen gelingt das Aussteigen ohne große Verrenkungen. Die beiden Passagiere sollten allerdings schlank sein und nicht viel mehr als eine Zahnbürste einpacken - denn die maximal erlaubten 160 Kilogramm Zuladung sind schnell ausgeschöpft. Insofern hat der 157 Liter große Gepäckraum eher theoretische Bedeutung. Aber ein Langstreckenfahrzeug will der NSX sowieso nicht sein. Wer 95.000 € in eine solche Spaßmaschine investiert, dem geht es um Genuss. Um eine ganz spezielle Art von Genuss.
Wohlklang für TechnikfreaksUnd davon gibt es reichlich. Mehr noch als der Schub beeindruckt der Sound. Die Tonlage steigert sich von einem metallischen Summen zu einem kehligen Kreischen, mit dem der NSX auch in Rennsportkreisen Eindruck schinden könnte. Targadach abnehmen, einen Tunnel suchen und zwei Gänge zurückschalten. Wer nicht völlig immun gegen die Faszination der Technik ist, der wird sich nun kaum mehr gegen ein breites Grinsen wehren können. Adrenalin flutet die Blutbahn, das Gaspedal sinkt noch etwas tiefer. Die Sechsgangschaltung: Präzise und knackig. Beim Gangwechsel legt der Schaltknüppel ultrakurze Wege zurück, eine Zigarettenschachtel ist nicht viel kleiner.
Ab durch die MitteEs braucht etwas Mut, den NSX rasant durch die Kurven zu dirigieren. Schließlich bewegen sich Mittelmotor-Sportwagen normalerweise in einem schmalen Grenzbereich. Wenn die Haftung der Reifen trotz konstruktionsbedingt guter Traktion irgendwann abreißt, dann geschieht das plötzlich und mit Macht. Unser roter Blitz schiebt zuerst über die Vorderräder, um dann mit dem Heck spürbar nach außen zu drängen. Doch der Drift bleibt aus. Auch ohne ein elektronisches Stabilitätsprogramm - zumindest auf trockener Fahrbahn. Zur Kontrolle der Antriebskraft begnügt sich der Japaner mit einer Traktionskontrolle und einem Sperrdifferenzial mit begrenztem Schlupf.
Kilometer fressenDie Fahrwerksabstimmung ist erwartungsgemäß straff, verfügt aber über ein Restmaß an Komfort. Bose-Sound und Lederausstattung sorgen für etwas Luxus. Am teils klobigen Design des Interieurs zeigt sich am ehesten, dass der NSX schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Hinter dem griffigen Ledervolant findet sich dennoch intuitiv die passende Sitzposition. Auch wenn sich das Lenkrad nur in der Höhe justieren lässt. Die Leder-Sportsitze sind bequem und fixieren den Körper zuverlässig bei forcierter Gangart. Dennoch ist enges Kurvengewusel nicht das bevorzugte Terrain des NSX. Das Einlenkverhalten kennt man von anderen Wettbewerbern agiler und die Servolenkung verlangt einen festen Griff. Seine Freude trompetet der NSX lieber beim Herausbeschleunigen aus weitläufigen Kurven in die Welt - die Nase tief über dem Asphalt. Immer auf der Suche nach der Ideallinie.
Fazit: Mit dem NSX-T 3.2i V6 hat Honda einen exklusiven Sportwagen im Programm, bei dem besonders der Motorensound fasziniert.
planbar.de, Holger Schilp