Haar, 4. Juni 2007 Ähnlich wie Bioethanol tritt Biodiesel als besonders umweltfreundlicher Kraftstoff an, der noch dazu Geld sparen hilft. Aber ist der Dieselersatz wirklich CO2-neutral, wie immer wieder behauptet wird? Und kann man damit tatsächlich Geld sparen? Wir werfen einen Blick auf die Gesamtbilanz von Biodiesel.
Aus Pflanzenöl gewonnener Diesel
Nicht verwechseln sollte man Biodiesel mit Pflanzenöl, das ebenfalls als Treibstoff für Dieselmotoren eingesetzt wird. Aufgrund der hohen Viskosität (Dickflüssigkeit) und geringen Zündwilligkeit ist Pflanzenöl kein optimaler Treibstoff. Ganz anders verhält es sich bei Biodiesel. Zur Produktion werden vor allem die Fettsäuren der Rapspflanze verwendet, aber auch die der Sojapflanze, der Sonnenblume oder Palmöle. Sie werden chemisch mit Methanol in Fettsäuremethylester (Fat Acid Methyl Esters, FAME) umgewandelt. Beim Einsatz von Rapsöl heißt das Ergebnis Rapssäure-Methylester (RME).
Hohe Zündwilligkeit, aber Korrosionsgefahr
Ein Vorteil ist die höhere Zündwilligkeit von Biodiesel, die durch den im Molekül enthaltenen Sauerstoff bedingt ist. Die hohe Brennfreude vermindert die Partikelemissionen: Autos ohne Partikelfilter stoßen mit Biodiesel rund 50 Prozent weniger Ruß aus. Da RME praktisch schwefelfrei ist, entstehen außerdem so gut wie keine schädlichen Schwefeldioxid- und Sulfat-Emissionen. Zu den Nachteilen von Biodiesel gehört, dass sich Wasser darin besser als in normalem Diesel löst. Der Grund dafür liegt wieder im Vorhandensein von Sauerstoff im RME-Molekül. Folge: Korrosion wird begünstigt. Außerdem zersetzt Biodiesel ähnlich wie Bioethanol Gummischläuche und -dichtungen. Wenn der Hersteller die Biodieselfähigkeit nicht ausdrücklich zusichert, sollte man deshalb keinen Biodiesel tanken. Ansonsten sind Schäden vor allem an der Einspritzpumpe zu befürchten, so der Automobilclub ADAC.
Tückische Verstopfungen
Außerdem kann Biodiesel die Innenbeschichtung von ungeeigneten Kraftstofftanks ablösen. Die Beschichtungsreste können dann den Kraftstofffilter verstopfen. Dies ist nicht immer einfach zu erkennen, wie die Experten des ADAC wissen. Denn moderne Dieselmotoren mit Pumpe-Düse- oder Common-Rail-Einspritzung fördern erheblich mehr Kraftstoff, als tatsächlich verbrannt wird. Der Kraftstoffüberschuss dient zur Kühlung der Einspritzung. Bei blockiertem Kraftstofffilter kann es vorkommen, dass der Motor zwar noch einwandfrei versorgt wird, die Einspritzung aber mangels Kühlung heiß läuft und dadurch Schaden nimmt, so der ADAC. Auch Buntmetalle wie Kupfer und Messing sowie Zink werden von RME angegriffen. Finden solche Stoffe im Tank oder in den Kraftstoffleitungen Verwendung, kann es auch zur Polymerisation von RME kommen, da die Metalle als Katalysatoren wirken. Das Ergebnis ist eine Verschlammung des Sprits.
Kaum Neuwagen mit Biodieselfreigabe
Laut ADAC gibt es bei Neuwagen kaum Fahrzeuge mit Biodieselfreigabe. Nur VW Golf V und Skoda Octavia II sind biodieseltauglich aber auch nur, wenn sie mit dem aufpreispflichtigen Biodiesel-Paket ausgestattet wurden. In diesem Fall verzichtet man automatisch auf die Ausrüstung mit Diesel-Partikelfilter. Für Fahrzeuge mit serienmäßigem Partikelfilter wird laut ADAC von keinem Hersteller eine Freigabe erteilt. BMW und Mercedes-Benz bieten im aktuellen Neuwagenprogramm keine RME-Sonderausstattungen mehr an.
Biodiesel und Partikelfilter
Für Fahrzeuge mit serienmäßigem Partikelfilter liegen keine Biodiesel-Freigaben vor. In Fahrzeugen ohne Additivzugabe führt Biodiesel beim Regenerieren des Filters zu höheren Temperaturen, deren Auswirkungen auf die Abgasanlage noch nicht vollständig geprüft sind. Was den Nachrüstsektor betrifft, so erteilen bis jetzt nur HJS und Twin-Tec für die von ihnen angebotenen Nachrüst-Partikelfilter eine Freigabe für die Verwendung von Biodiesel allerdings nur für Autos, die vor der Nachrüstung biodieseltauglich waren.
Mehr Verbrauch, aber niedrigere Literkosten
Während es bei den biodieselfähigen Autos also etwas mau aussieht, ist das Angebot an den Tankstellen schon recht ordentlich. In Deutschland bieten derzeit etwa 1.900 Tankstellen den Dieselersatz an. Biodiesel ist durchschnittlich zehn bis 20 Cent je Liter günstiger als herkömmlicher Diesel. Andererseits hat Biodiesel einen niedrigeren Energiegehalt als normaler Diesel. Daher ist ein Mehrverbrauch von 10 bis 15 Prozent zu beobachten. Aus dem Mehrverbrauch und dem Preisunterschied zum normalen Diesel ergibt sich, dass man mit Biodiesel kaum Geld sparen kann. Dazu kommt, dass die Steuer auf Biodiesel jährlich steigen soll. Derzeit werden neun Cent je Liter abgeführt deutlich weniger als die 47 Cent je Liter bei herkömmlichem Diesel. Bis 2012 soll der Biodiesel-Steuersatz auf 45 Cent steigen. Dann dürfte sich Biodiesel finanziell definitiv nicht mehr lohnen.
Das Umweltbundesamt ist skeptisch
Wie bei Bioethanol wird oft auch bei Biodiesel behauptet, dass der Kraftstoff CO2-neutral wäre. Bei der Verbrennung entstünde nur so viel Kohlendioxid wie die Pflanzen, aus denen der Biodiesel erzeugt wird, beim Wachstum aus der Luft aufgenommen haben. Dass dies nicht stimmen kann, geht schon aus dem Herstellungsprozess hervor. Das bei der Veresterung verwendete Methanol wird meist aus Erdgas gewonnen, also aus einem fossilen Energieträger. Es steckt also fossile Energie im Biodiesel. Auch beim Rapsanbau, bei der Ölgewinnung und der Umwandlung in RME wird Energie verbraucht, und die stammt in Deutschland zu einem großen Teil aus der Verbrennung von Kohle oder Gas. Der CO2-Einspareffekt hängt auch davon ab, wie die Nebenprodukte Rapsschrot und Glyzerin genutzt werden. Laut Umweltbundesamt ergibt sich eine CO2-Minderung um bis zu 65 Prozent, je nach Bewertung dieser Nebenprodukte.
Lachgasemissionen heizen das Klima an
Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf den Rapsanbau. Dabei entstehen nämlich in geringen Mengen Treibhausgase wie Lachgas (N2O), wodurch sich der Klimaschutzeffekt verringert. Die Pflanzen setzen außerdem Ozon erzeugende Kohlenwasserstoffe frei. Auch der Flächenverbrauch durch die Raps-Monokulturen wird kritisiert. Darüber hinaus zeigen Berechnungen, dass Biodiesel keine allzu große Rolle beim Ersatz von Erdölprodukten spielen kann: Selbst wenn die Hälfte der deutschen Ackerfläche für Raps verwendet würde, kann man maximal fünf Prozent des Diesels durch Biodiesel ersetzen. Aus diesen Gründen hält das Umweltbundesamt nicht besonders viel von Biodiesel.
Montag Juni 4
Um den jährlichen CO2-Ausstoß Ihres Fahrzeugs zu berechnen, geben Sie bitte hier einfach Modell und Kilometerstand ein.
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