Seat Altea: Schluss mit Langeweile

Seat Altea: Schluss mit Langeweile
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Der Seat Altea ist der mutige Gegenentwurf zum Schuhkartondesign des VW Touran. Er reiht sich in der Modelpalette des VW-Konzerns zwischen VW Golf und Touran ein. In punkto Preis-Leistungsverhältnis fährt er beiden davon. Das 102-PS-Basismodell des Altea kostet 16.890 €.

Der Weg nach oben

Seat gehört seit zwei Jahren zum Audi-Markenverbund, dem auch die italienische Sportwagenschmiede Lamborghini angeschlossen ist. Die Ingolstädter bedienen den Premium-Markt, die Spanier sollen mit dem heißen Herz des Südens locken. Erster Seat, der seit der Markenzusammenführung vor zwei Jahren auf den Markt kommt, ist der neue Altea. Als Bekenntnis zum jüngsten Spross findet sich das Audi-"A" gleich zweimal im Schriftzug. Technische Basis des Hochdach-Fünfsitzers ist die Plattform des neuen Golf V. Selbstbewusst verkündet Seat, der Altea begründe das Modellsegment der MSV. Das Multi Sports Vehicle soll einen variablen Innenraum mit maximalem Fahrspaß vereinen.

Mutiges Design

Unter der pfeilförmigen Motorhaube thront das dominante Seat-Logo im schwarzen Schlund des Kühlergrills. Große Lufteinlässe unter dem Stoßfänger und Schlitzaugen, die an ein Raubtier erinnern, verleihen dem Altea auf der Autobahn gehöriges Überholprestige. Die linke Spur wurde jedenfalls schnell geräumt, wenn der Van mit über 200 km/h im Rückspiegel auftauchte. Bei hohem Tempo zeigte sich auch der Sinn der in den vorderen Dachpfosten ruhenden Scheibenwischer: sie verursachen weniger Lärm. Zudem steht ein größeres Wischfeld zur Verfügung und die Verletzungsgefahr für Fußgänger wird bei Unfällen reduziert. Bravo, denn die Innovation geht nicht auf Kosten des guten Überblicks. Im Heck dann ein Schuss Retrodesign. Kleine Rückleuchten und die hoch angesetzte Heckscheibe im wulstigen Rücken zitieren die Optik der Gangsterlimousinen in den 30er-Jahren.

Auf Beutezug

Der Altea ist nicht nur aggressiv gestylt, er soll tatsächlich kräftig bei der Konkurrenz auf Beutefang gehen. 75 Prozent der Kunden möchte Seat von anderen Marken erobern. Ein ehrgeiziges Ziel. Im laufenden Jahr ist der Absatz von 20.000 Exemplaren geplant. Und es werden allesamt kräftige Kerlchen sein: Weniger als 102 PS (75) hat nämlich kein Altea unter der Haube. Topmodell ist der 2.0 FSI mit Benzin-Direkteinspritzung und 150 PS (110 kW). Die Dieselfraktion wird mit dem 1.9 TDI mit 105 PS (77 kW) und mit dem 2.0 TDI mit 140 PS (103 kW) bedient. Letztgenannter ist optional mit dem revolutionären DSG-Direktschaltgetriebe verfügbar, das ohne Schaltrucke durch seine sechs Schaltstufen eilt. Gegenüber der Sechsgang-Handschaltung (22.870 €) kostet die DSG-Technik 1.400 € extra.

Solide Vorstellung

Der straff abgestimmte Altea liegt satt aber durchaus noch komfortabel auf der Straße. Auch mit ausgeschaltetem ESP bleibt das Fahrverhalten frei von tückischen Reaktionen. Weil die Traktionskontrolle automatisch mit deaktiviert wird, haben die Vorderräder dann bei beherzter Fahrweise Probleme, ihre Kraft auf die Straße zu bringen. Das gilt selbst für den Basismotor. Im Alltag spielt das sicherlich keine große Rolle. Doch wer, wie Seat, die Sportlichkeit als Kriterium bemüht, muss sich derartigen Experimenten stellen. Wichtiger sind da schon die bissig zupackenden Bremsen. Servolenkung mit automatischer Seitenwindkorrektur, ABS, Notbremsassistent, das Stabilitätsprogramm ESP, Traktionskontrolle und sechs Airbags sind bei allen Modellversionen serienmäßig.

Innere Werte

Bei aller Rasanz in den Genen: Der Nutzwert steht bei einem Kompaktvan an erster Stelle. Der Altea bietet fünf Sitzplatze und 409 bis 1.320 Liter Kofferraum. Die hinteren Polster lassen sich allerdings weder ausbauen noch in der Länge verschieben. Dafür ist die Lehne in der Neigung verstellbar. Mit einem Handgriff wird sie umgeklappt, eine ebene Ladefläche entsteht. Die Kopfstützen müssen dazu nicht entfernt werden. Unter dem doppelten Boden des Gepäckabteils verschwinden bis zu zwei Trolleys, wie sie als Handgepäck für Flugreisen üblich sind. Der Innenraum beherbergt bis zu 30 Ablagen. Von der CD-Hülle bis zur 1-Liter-Wasserflasche findet alles seinen Platz.

Richtung Ingolstadt

Radio und Klimaanlage kosten bei der Basisversion Reference (16.980 €) extra. In der gehobenen Ausstattungslinie Stylance (ab 19.470 €) sind CD-Radio, die automatische Klimatronic, ein Tempomat und 16-Zoll-Aluminiumfelgen serienmäßig. Liebe zum Detail verraten die groß dimensionierten und sehr bequemen Sportsitze mit ihren aufwändig gesteppten Seitennähten. Einzig die silbern lackierten Flächen im Armaturenbrett wirken etwas billig. Davon abgesehen präsentieren sich die verwendeten Materialien im Innenraum technisch funktional, aber hochwertig. Auch die Verarbeitungsqualität konnte bei ersten Testfahrten überzeugen. Die Nähe zu Audi beschränkt sich eben nicht nur auf das "A" im Schriftzug.

Fazit: Seat vermarktet den Altea nicht als Van, sondern als Multi Sports Vehicle (MSV). Und das ist gut so. In Sachen Variabilität bieten andere nämlich mehr. Agiler tritt derzeit jedoch kein Wettbewerber auf.

planbar.de, Holger Schilp

 
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