- kräftiger, elastischer Motor, hohe Laufkultur |
- klingt nicht ganz so heiß wie im Golf GTI |
- äußerst neutrale, sportliche Abstimmung- präzise Lenkung, nicht übertrieben hart |
- vorne viel, hinten ausreichend Platz, guter Kofferraum |
- Übersicht nach hinten stark eingeschränkt |
- fairer Grundpreis, gute Ausstattung- Verbrauch angemessen, voraussichtlich guter Werterhalt |
Außen hui, innen weniger hui
Aber wie sagte schon VW anno 1974: "Wenn er nur schön wäre, wäre er nicht von uns". Beim Blick in den Innenraum macht sich zunächst Ernüchterung breit: Dort, wo andere Sportcoupés mit wildem Alu-Applikationen oder handgefrästen Metallschaltern ihre verspielte Seite rauskehren, setzt der Scirocco auf Großserientechnik aus dem Eos. Lediglich die dreieckigen Türgriffe aus Hartplastik und die groben Stoffapplikationen verströmen ein wenig jugendlichen Leicht-Sinn. Selbst die Instrumente stammen vom wenig aufregenden Blechdach-Cabrio - es läuft halt vom selben Produktionsband wie der Scirocco. Warum VW hier nicht die deutlich cooleren, getunnelten Uhren des Golf GTI verbaut? Die Kosten sind's. So jedenfalls rechtfertigen sich die Designer bei der Präsentation.
Alles passt
Objektiv kann man dem Interieur allerdings nicht viel ankreiden: Die Sportsitze packen ähnlich beherzt wie die des GTI zu, sehen schick aus und sind genau richtig gepolstert. Das exzellente Lederlenkrad liegt perfekt in der Hand und alle Schalter und Knöpfe sind dort, wo sie hingehören - typisch VW eben. Eine 1.000-Kilometer-Tour an die Côte d'Azur? Im Scirocco kein Problem. Auch wer seine Strandhasen gleich von daheim mitnehmen möchte, muss nicht verzweifeln: Auf der hinteren Bank ist Platz für zwei Erwachsene, die dort mit viel Knie-, aber leicht eingeschränkter Kopffreiheit, in sportlich ausgeformten Sitzmulden untergebracht sind.
Kein Spielverderber
Und selbst beim Thema Gepäck gibt sich der VW umgänglich: Knapp 300 Liter passen ins Kofferabteil, bei umgeklappter Rücklehne erweitert sich der Stauraum auf 755 Liter. Nicht ganz so umgänglich: Die Ladekante ist hoch und die Heckklappe lässt sich nur über die Schlüsselfernbedienung oder einen Schalter in der Fahrertür öffnen. Kritikpunkt Nummer zwei betrifft weniger die Umsetzung als vielmehr das grundsätzliche Design: Wie bei Sportcoupés üblich, betont der Scirocco seine dynamischen Ambitionen mit einer abfallenden Dach-, einer ansteigenden Seitenlinie und extrem breiten C-Säulen. Das Ergebnis sind äußerst flache Seitenfenster und eine Heckscheibe, die nur knapp über der Kategorie "Sehschlitz" liegt. Addiert man hierzu die herrlich unvernünftigen Rahmenkopfstützen, so ergibt das in der Summe eine mehr als bescheidene Sicht nach hinten und schräg hinten. Sei's drum: Dafür hat mein Scirocco eben eine rückwärtige Einparkhilfe (Aufpreis: 380 Euro). Schönheitsfehler am Rande: Auch wenn VW nicht müde wird, den Wagen als Coupé zu bezeichnen, so ist der Scirocco streng genommen eigentlich gar keins. Mit (versteckter) B-Säule und steiler Heckscheibe ist er formal dem Steilheck-Modell Volvo C30 näher als etwa dem Audi TT Coupé.
Leichter, aber nicht schneller als ein GTI
Befeuert vom exzellenten 2,0-Liter-Turbo des Golf GTI, löst der Scirocco-Fahrer Übersichtsprobleme aber so oder so am elegantesten mit dem rechten Pedal. Der Motor hängt gierig am Gas, dreht willig hoch und katapultiert das Coupé in 7,1 Sekunden auf 100 km/h. Genau wie im scharfen Golf ist auch im 200-PS-Scirocco erst bei 233 km/h das Ende der Fahnenstange erreicht - wenigstens dann, wenn DSG für die Gangwechsel zuständig ist. Als Handschalter sind 235 Sachen drin. Im direkten Vergleich zum GTI fällt allerdings auf, dass der Vierzylinder im Scirocco einen Teil seiner Stimmgewalt eingebüßt hat. Beim Durchbeschleunigen klingt der Golf schlichtweg kerniger und böser als sein zweitüriger Verwandter - ein Leisetreter oder gar akustischer Langweiler ist der Scirocco allerdings weiß Gott nicht. Begleitet von dumpfen Schlägen aus dem Auspuff treibe ich den VW von einer Schaltstufe in die nächste. Genau so muss eine Automatik funktionieren: Auch wenn ich jeden Gang bis zum Begrenzer ausquetsche, erfolgen die Schaltvorgänge absolut ruckfrei und fast unmerklich. Im D-Modus hingegen gibt sich das DSG so brav und unauffällig wie ein klassischer Wandler.
Schön neutral
Akustisch zeigt der Golf GTI dem Scirocco vielleicht, wo Bartel den Most holt. Bei der Fahrdynamik hingegen liegt das Coupé eindeutig vorn. Im Prinzip stammt das Fahrwerk zwar vom Wolfsburger Breitensportler, für den Scirocco wurde es allerdings angepasst und verfeinert. Eine breitere Spur, fettere Gummis im 235er-Format sowie ein vorbildlich sanft regelndes ESP machen das Coupé merklich direkter, zackiger und kurvengieriger als den GTI. Dank geändertem Setup geht der Wagen praktisch wankfrei durch die Kurven. Passend zum sportlichen Auftritt ist die Bremsanlage, die den 1,3-Tonner souverän im Griff hat. Das Pedalgefühl ist ebenso wie die Dosierbarkeit gut, die Performance durchaus eines Sportwagens würdig.
Der kann auch quer
Grundsätzlich untersteuert auch dieser Fronttriebler, allerdings muss man es schon sehr schnell angehen lassen, um eine solche Reaktion zu provozieren. Das überarbeitete ESP verhält sich dabei vorbildlich: Es regelt spät und so behutsam, dass es der Fahrer kaum mitkriegt. Dabei lässt die Elektronik durchaus Raum für spaßige Manöver: Mit Gas in die Kurve, kurz gelupft oder gar die Bremse angetippt: Schon wird das knackige Heck leicht und möchte mitlenken. Erst wenn der Driftwinkel zu groß wird, zieht das ESP sanft die Zügel an. Das Schöne: Selbst wenn das Heck leicht ins Tanzen kommt, fühlt sich der Wagen jederzeit gutmütig und beherrschbar an. Das weniger Schöne: Der Scirocco kann derart schnell und neutral bewegt werden, dass sein volles Potenzial auf öffentlichen Straßen nur schwer ausgelotet werden kann.
Elektronisches Fahrwerk
Dies gilt umso mehr, wenn das adaptive Fahrwerk DCC (Dynamic Chassis Control) für 925 Euro mit an Bord ist. In der Sport-Einstellung verhärtet es nicht nur die Stoßdämpfer, sondern strafft auch die Lenkung. Die ist zwar auch ohne das elektronische Helferlein sehr gut abgestimmt und vermittelt genau das richtige Maß an Rückmeldung. Mit DCC auf "Sport" gibt's aber noch einen Tick mehr Präzision. Wirklich glänzen kann das System bei schlechtem Belag. Im Sportmodus etwa hoppelt der Scirocco bei höheren Geschwindigkeiten über wellige Straßen. Ein Druck auf die DCC-Taste, und der Wagen gleitet im Comfort-Modus über die Unebenheiten hinweg. Klar: Zur Sänfte wird der Scirocco damit auch nicht. Ob mit oder ohne DCC: Das Coupé ist grundsätzlich straff abgestimmt. Allerdings bietet der VW in jedem Fall genügend Restkomfort und nervt seine Passagiere nicht mit übertriebener Härte.
Auf sich allein gestellt
Das Thema Kosten ist vielleicht nicht besonders sexy, im Fall eines Volkssportlers kann es allerdings entscheidend sein. Beim Grundpreis ist VW außerordentlich fair: Mit dem 200-PS-Motor des GTI kostet der Scirocco 25.550 Euro - also 100 Euro weniger als der Golf. DSG kostet 1.850 Euro extra. Mit einem Verbrauch von 7,7 Liter (laut Hersteller) sollten sich zudem auch die Unterhaltskosten im überschaubaren Rahmen bewegen. In der Realität hingegen dürfte sich der Vierzylinder zwischen acht und 10 Liter auf 100 Kilometer einverleiben. Schwierig wird's bei der Suche nach Vergleichskandidaten: Ein Audi TT dürfte in etwa die gleiche Klientel ansprechen, bietet aber deutlich weniger Nutzwert als der VW. Zudem kostet der Ingolstädter mit demselben 200-PS-Motor satte 32.750 Euro und seine Aufpreise sind ebenfalls gesalzen. Der formal ähnliche Volvo C30 ist ebenfalls teurer, allerdings auch ein wenig stärker: Mit dem Fünfzylinder-Turbo und 230 PS geht er für 29.250 Euro vom Händlerhof.
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