Streetka: Offene Zweierbeziehung
Zwei Sitze und eine solide Stoffkapuze - der Ford Streetka setzt auf klassische Roadster-Tugenden. Damit das Sonnenvergnügen bezahlbar bleibt, dient als Basis der kleine Ford Ka. Die Preisliste beginnt bei 16.990 €.
Sonne in mein HerzDie Sonne auf der Nase, der Wind zupft an den Haaren. Langsam pirscht sich die Tachonadel an Tempo 180 heran, das Rauschen des Windes wird zum kleinen Sturm. Längst schon hat das Radio kapituliert, doch das ist egal. Endlich Sommer, den wir im Ford Streetka genießen.
Auf den ersten BlickSchon die erste Runde durch die Stadt zeigt: der Streetka fällt auf. Nette Details wie der zentral unter dem Heckstoßfänger angeordnete runde Rückfahrscheinwerfer erfreuen das Auge. Die kräftigen Chrombügel hinter den Kopfstützen sehen nicht nur schnittig aus, sie schützen im Fall eines Überschlags die Passagiere. ABS, Front- und Seitenairbags sind ebenfalls an Bord. Unser Exemplar ist in der gehobenen Elegance Ausstattung zum Test angetreten. CD-Radio, Klimaanlage und Sitzheizung sind beim Topmodell zum Preis von 19.500 € enthalten. Elektrische Fensterheber, beheizbare Außenspiegel, Funk-Zentralverriegelung 16-Zoll-Aluminiumfelgen und Sportsitze gibt es für jeden Streetka serienmäßig.
Im Herzen ein SportlerFront und Heck des kleinen Roadsters sind von der Seite kaum zu unterscheiden, gäbe es da nicht Klarglasscheinwerfer und knallrote Heckleuchten, die tief in die hinteren Kotflügel schneiden. Die Form erinnert etwas an kleine wuschelige Hunde, bei denen man vorne und hinten am Bellen unterscheidet. Beim Ford knurrt unter der steil abfallenden Motorhaube ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 95 PS (70 kW). Der hat genug Biss für 173 km/h Spitze und einen Sprint von null auf 100 km/h in 12,3 Sekunden - und jede Menge Fahrspaß. Sein zackiges Fahrwerk hat der Streetka von der Limousine geerbt. Mit straffen Waden stürmt der kleine Kölner durch die Kurven. Auch das exakt geführte Fünfganggetriebe und die zielgenaue Lenkung tragen zum Gokart-Feeling hinter dem Lederlenkrad bei. Ein elektronisches Stabilitätsprogramm ist nicht im Angebot. Doch das macht nichts, der Kölner bleibt auch bei forschem Fahrstil problemlos in der Spur. Auf holprigem Kopfsteinpflaster zollt der Streetka der sportlichen Abstimmung mit spürbarer Unruhe in der Karosserie Tribut.
Auf und zuSteht der Streetka zu lange offen in der glühenden Sonne, heizt sich der massige Aluminiumschaltknauf derart auf, dass es schmerzt. Dann lieber das Dach bei jedem längeren Stopp schließen. Im Gegensatz zu den immer häufiger vertretenen festen Klappkonstruktionen - im Stile des Mercedes SLK oder Peugeot 206 CC - setzt der Streetka auf das traditionelle Stoffverdeck. Zum öffnen müssen zuerst zwei Hebel oben am Windschutzscheibenrahmen gelöst werden. Dann heißt es aussteigen, das Dach etwas nach hinten klappen, die Kunststoff-Heckscheibe mitsamt dem hinteren Verdeckteil anheben und einen Knopf im Türrahmen drücken - der Verdeckkasten wird entriegelt und das gesamte Verdeck hinter den Sitzen verstaut. Mit etwas Übung dauert die Prozedur keine halbe Minute.
Für den AlltagDas klassische Verdeck ist in der Bedienung zwar etwas umständlicher als die elektrischen Klappdächer, es bietet jedoch einen großen Vorteil: 214 Liter Stauraum, die über den großen Heckdeckel gut zugänglich sind. Die Kapuze sitzt straff und schont die Ohren der Passagiere auch bei hohem Tempo. Damit taugt der kleine Spaßmacher auch für die lange Tour zum Gardasee. Wenn der Bleifuß regiert, schnellt der Verbrauch auf bis zu elf Liter hoch. Im Alltag werden es jedoch kaum mehr als acht Liter Super.
Fazit: Als Roadster erlebt der Ford Ka seinen zweiten Frühling. Der bei Pininfarina in Italien produzierte Streetka beweist wieder einmal, dass Fahrspaß keine Frage üppiger Motorleistung ist.
planbar.de, Holger Schilp