smart roadster: Bonsai-Kurvenräuber

smart roadster: Bonsai-Kurvenräuber
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Eine handvoll Luft unter dem Hintern, den blauen Himmel über dem Scheitel und im Heck röhrt ein Dreizylinder-Turbomotor. Das ist der smart roadster. Wir waren mit dem außergewöhnlichen Miniflitzer unterwegs.

Minimax-Prinzip

"Fahrspaß hat nichts mit PS zu tun", lautet eine Schlagzeile im Verkaufsprospekt des smart roadster. Eine reine Schutzbehauptung, möchte man meinen, angesichts von nur 82 PS (60 kW). Jede biedere Mittelklasselimousine hat mehr Dampf unter der Haube - aber auch wesentlich mehr Speck um die Hüften. Der smart roadster bringt keine 800 Kilogramm auf die Waage. Die Spannung auf den bevorstehenden Test steigt - auch mit Blick auf die sportliche Preisgestaltung: 18.610 € kostet der Mini-Sportflitzer. Ohne Radio, Lederlenkrad, Klimaanlage, elektrische Außenspiegel oder Seitenairbags.

Familienbande

Optisch zeigt der knapp 1,20 m hohe Flachmann deutlich die Verwandtschaft zum inzwischen in smart fortwo umbenannten city-coupé. Dominantes Element ist die silbern lackierte Tridion-Sicherheitszelle, die sich mit einem Überrollbügel schützend über die Köpfe der Passagiere erhebt. Die auswechselbaren, farbig eingefärbten Body-Paneels aus Kunststoff kommen ebenfalls wieder zum Einsatz. Wenn blau als Farbe nicht mehr gefällt, lässt sich der roadster damit in kurzer Zeit auf den neuen Geschmack umrüsten. Auch das Innenraumdesign ist typisch smart: bunte Stoffe auf dem Armaturenbrett und Rundinstrumente, die sich wie U-Boot-Schnorchel dem Fahrer entgegen recken.

Maßarbeit

In diesen roadster steigt man nicht einfach ein, man streift ihn sich über wie einen maßgeschneiderten Handschuh. Zuerst das rechte Bein in den Beinschacht einfädeln, dann mit dem Po am Sitz abstützen und tief hinab gleiten. Um auch das linke Bein in das Fahrzeug zu bekommen, bedarf es einer gehörigen Portion Gelenkigkeit. Besonders in engen Parklücken, wenn sich die Tür nur einen Spalt breit öffnen lässt. Wer es hinein geschafft hat stellt überrascht fest, dass der Innenraum keinesfalls zwickt. Selbst Personen über 1,80 m finden in dem 3,43 m kurzen Flitzer genug Platz für ihre Beine.

Sonnendeck

Das Verdeck öffnet unter leichtem Knarren elektrisch. Es zieht sich in ein flaches Fach über dem Motor im Heck zurück. Unter der Heckklappe ist höchstens noch Platz für etwas Kleidung oder eine schmale Aktentasche. Unter der flachen Motorhaube gibt es immerhin genug Stauraum für eine Wasserkiste. Für das maximale Frischlufterlebnis lassen sich zudem die beiden Dachholme entfernen. Mit den fehlenden Balken neben der Schläfe ist das Raumgefühl deutlich großzügiger. Dennoch verzichteten wir im Kurzstreckenbetrieb meist auf die kleine Umbauaktion. Auch so flutet jede Menge Frischluft in den Innenraum.

Sportskanone

Die grinsende Front mit dem grauen Kunststoffmund zaubert anderen Verkehrsteilnehmern nicht selten ein Lächeln ins Gesicht. Oder schmunzeln sie etwa und nehmen den kleinen Sportler nicht ganz ernst? Spätestens in der nächsten Kurve sind alle Zweifel verflogen. Jedes PS muss nur 9,6 Kilogramm Auto bewegen. Sein geringes Gewicht, der niedrige Schwerpunkt und die üppige 16-Zoll Bereifung auf schicken spikeline-Alufelgen (550 €) lassen den roadster um die Ecke wetzen als sei der Leibhaftige hinter ihm her. Der Wechsel zwischen Unter- und Übersteuern ist mit der super-direkten Lenkung und dem gut am Gas hängenden Motor fein dosierbar. In Notfällen greift das Stabilitätssystem ESP ein. Trotz harter Federung bleibt der roadster auch auf schlechtem Pflaster die Ruhe selbst. Nichts quietscht oder klappert, die Verarbeitung stimmt.

Soundmaschine

Der Dreizylinder im Heck trompetet kräftig. Mit Macht versucht er, wie ein erwachsenes Triebwerk zu klingen. Nicht einfach mit nur 698 Kubikzentimetern Hubraum. Dafür verbraucht der Flitzer auch selten mehr als sieben Liter. Erst bei Tempo 175 und Vollgas genehmigt er sich einen kräftigen Schluck. Bis zu elf Liter Durchschnittsverbrauch und ein kleiner 35-Liter-Tank sorgen dann für regelmäßige Pausen. Wie es sich für einen echten Sportwagen gehört, muss der smart roadster nicht am Limit bewegt werden, um die Vorzüge des Fahrzeugkonzepts zu genießen.

Schaltpause

Der Hecktriebler ist extrem agil, er wirkt stets hellwach. Mit einer Ausnahme: das automatisierte Sechsgangschaltgetriebe. Im Automatikmodus reagiert es einfach zu träge. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis sich die Elektronik für die richtige Übersetzung entscheiden hat. Besser klappt der manuelle Gangwechsel mit den Schaltwippen am griffigen Sportlenkrad oder durch Antippen des Wählhebels auf der Mittelkonsole. Dann lassen sich auch die Schaltrucke durch gezieltes Gaswegnehmen reduzieren.

Fazit: Der smart roadster überzeugt mit nur 82 PS als echter Sportskamerad. Übermäßigen Komfort sollte man jedoch nicht erwarten, aber das ist in diesen automobilen Kreisen nun mal so. Die Brieftasche des Käufers darf dagegen gerne etwas dicker gepolstert sein.

planbar.de, Holger Schilp

 
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