Mazda RX-8: Wankel-Mut bewiesen
Ein Coupé mit vier Plätzen und vier Türen bietet bislang nur Mazda. Als Krönung steckt unter dem scharf geschnittenen Blech ein Kreiskolbenmotor. Im Test: der RX-8 Revolution mit 231 PS.
Zeit zu träumenDie erste Bekanntschaft mit dem RX, bei der Presseveranstaltung auf Ibiza, war geprägt von Urlaubsstimmung. Sonne, mildes Klima und herrliche Landstraßen, die sich über die Hügel der Insel schlängeln. Genau richtig für den RX-8, der mit seiner direkten Lenkung geradezu nach Kurven giert. Jeder Gasstoß ein Freudenschrei aus der Doppelauspuffanlage. Im Asphaltgetümmel lernt man schnell die Vorteile des serienmäßigen Stabilitätsprogramms kennen. Wird die elektronische Fangleine ausgeschaltet, ist der Japaner nämlich ein ausgesprochener Quertreiber.
Tag für TagNun der Alltag in und um Berlin. Regen, Kopfsteinpflaster und Großstadtverkehr stellen den Japaner auf eine harte Probe. Zwischendurch etwas Sonne. Beim Blick über das zweifarbige Lederlenkrad auf die ausgestellten Kotflügel träumen wir von einer Cabrioversion. Zumindest ein Glasschiebedach, das für 820 € im Prospekt steht, wäre schön. Im Testwagen kümmert sich stattdessen die Klimaautomatik um angenehme Temperaturen. Von den elektrisch verstellbaren Leder-Sportsitzen über das Bose Sound-System mit CD-Wechsler bis zur 18-Zoll-Bereifung und Xenon-Scheinwerfern ist beim Topmodell Revolution zum Preis von 33.500 € alles an Bord. Zur Sicherheit gibt es für Fahrer und Beifahrer Front- und Seitenairbags. Zusätzliche Kopf-Schulterairbags schützen beide Sitzreihen.
Doppel-LebenDer RX-8 wagt den Spagat zwischen kompromissloser Sportlichkeit und uneingeschränkter Alltagstauglichkeit. Karosserie, Sitzposition und Fahrwerksabstimmung signalisieren unbeugsamen Bewegungsdrang. Und der Wankelmotor lässt Taten folgen. 231 PS (170 kW) schießen in 6,4 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 235 Stundenkilometern erreicht. Für diese Leistungsexplosion nutzt das Triebwerk zwei Brennkammern mit je 654 Kubikzentimeter Volumen. In dem in der Mitte der beiden leicht eingeschnürten Oval rotiert ein Kolben - ein Dreieck mit nach außen gewölbten Seitenflächen. Das vom schwäbischen Tüftler Felix Wankel erfundene Motorenprinzip kommt weltweit nur noch bei Mazda zum Einsatz. Über 1,8 Millionen Exemplare produzierten die Japaner bislang von dem Triebwerk ohne Pleuel und Ventile. Probleme bereiteten in der Vergangenheit der Ölverbrauch und ein mehr als gesunder Durst. Inzwischen erreicht der RX-8 einen Normverbrauch von 11,8 Liter. Zur Überprüfung muss der Taschenrechner bemüht werden, denn ein Bordcomputer fehlt - man ahnt warum. In der Praxis sind Werte unter 13 Liter unrealistisch. Wer Kontakt zu allen 231 Pferdestärken sucht, sollte mit deutlich mehr kalkulieren. Schade eigentlich, denn davon abgesehen gefällt das Hochleistungstriebwerk.
OhrenschmausIm Stadtverkehr erträgt der Wankel das niedertourige Bemühen um etwas Spritersparnis ohne Murren. Selbst 1.000 Umdrehungen im sechsten Gang sind kein Problem. Doch erst bei 2.000 Umdrehungen regt sich etwas unter der Haube, ab 3.000 Umdrehungen wird Herr Wankel langsam munter. 211 Nm Drehmoment stehen bei 5.500 Umdrehungen bereit, wenn das Triebwerk so richtig in Fahrt kommt. Während sich die Fahrer konventioneller Vier- oder Sechszylindermotoren nun langsam auf den richtigen Zeitpunkt zum Gangwechsel konzentrieren, beobachtet der RX-8-Pilot fasziniert, wie der Drehzahlmesser bei 9.000 Umdrehungen in den roten Bereich schießt. Der Klang beim Beschleunigen ist eine wahre Freude. Zur Auspuff-Fanfare gesellt sich das tiefe Heulen einer Turbine. Mit diesem Konzert versöhnte der Testwagen auch die Kritiker, die dem Antrieb aus ökologischen Gründen skeptisch gegenüber stehen.
Geteilte FreudeNach dem ersten Ausflug mit vier Personen möchte man die "Freestyle"-Türen des RX-8 nicht mehr missen. Nachdem die vordere Tür geöffnet wurde, geschieht ein Wunder: mit einem Griff zum Türholm klappt der hintere Teil der Karosserie auf und gibt den Zugang zu den Plätzen im Fond frei. Von außen verrät nur die senkrechte Fuge für dem hinteren Radlauf den genialen Trick. Zwei Erwachsene finden in der zweiten Reihe bequem Platz, während andere Coupés dort bestenfalls Sitzschalen für schulpflichtige Kinder bieten. Auch der Kofferraum kann sich mit 290 Litern sehen lassen. Allerdings ist das tiefe Gepäckabteil nur über eine hohe Ladekante und einen schmalen Kofferraumdeckel zugänglich, durch den gerade einmal eine Wasserkiste passt. Zum Transport langer Gegenstände gibt es in der Rückenlehne eine abschließbare Durchladeeinrichtung.
Fazit: Es ist nicht schwer, dem RX-8 zu verfallen, denn der lässig gestylte Kurvenheld taugt auch für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Wenn nur sein Durst nicht wäre.
planbar.de, Holger Schilp