Fahrbericht smart forfour: Wie aus Legoland
Kein anderer Kleinwagen ist so konsequent auf Show getrimmt wie der
smart forfour - außer vielleicht der zweisitzige smart fortwo oder die kleinen smart roadster... Bei genauer Betrachtung offenbart der erste viertürige smart pfiffige Details.
Verwirrende FamilienbandeDie zweifarbige Karosserie mit der auffällig hervorgehobenen Tridion-Sicherheitszelle schreit geradezu nach Aufmerksamkeit. Doch man kann dem Kleinen mit seinem spitzbübischen Grinsen und den vier Kulleraugen dafür kaum Böse sein. Die Familienähnlichkeit zu den anderen smarties ist perfekt gelungen, dabei teilt der fortwo doch seine Gene mit dem neuen Mitsubishi Colt. Beide sind auf der von DaimlerChrysler und Mitsubishi gemeinsam entwickelten Kleinwagenplattform entstanden. Sie laufen beim niederländischen Autohersteller NedCar in Born vom Band. Dass dabei so unterschiedliche Fahrzeuge entstehen können, liegt an der von smart perfektionierten Modulbauweise.
BaukastenprinzipVom Zulieferer Johnson Controls wird beispielsweise das gesamte Armaturenbrett inklusive Airbag, Querträger, Stirnwand, Klimaanlage, Pedalerie, Lenksäule, Bremskraftverstärker und Kombi-Instrument geliefert - und schon sitzt der Fahrer im smart und blickt auf den typischen Stoffbezug des Instrumententrägers. Der Innenraum ist typisch für die Marke: farbenfroh und sauber verarbeitet. Auch bei anderen Elementen wie dem Dach kommt das Baukastenprinzip zum Einsatz. Es besteht entweder aus Kunststoff, einem Panorama-Glaseinsatz oder einem Glas-Schiebedach und wird inklusive Himmel komplett vormontiert ans Band geliefert.
Gleiche BasisUnter der Haube der beiden ungleichen Brüder von smart und Mitsubishi arbeiten dieselben Benzin- und Dieseltriebwerke. Beim Testwagen, ein fortwo 1.3 passion (16.130 €), ist es ein 1,4-Liter-Benzinmotor mit 95 PS (70 kW). Das Bemühen um Familienzugehörigkeit zu den anderen smarties gipfelt darin, dass der Vierzylinder beim Beschleunigen genauso kehlig klingt wie die turbogeladenen Dreizylinder seiner kleinen Verwandtschaft. Auf schnellen Autobahnetappen ist der Sound allerdings fast zuviel des Guten. Gleiches gilt für die sportlich harte Federung, die in Kurven zwar viel Spaß bereitet, im Alltag aber bei hohem Tempo mit kurz aufeinander folgenden Bodenwellen ihre liebe Mühe hat.
Bruder LeichtfußDank dem geringen Gewicht von nur 970 Kilogramm schafft der forfour den Spurt von null auf 100 km/h in 10,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 180 km/h erreicht. Am Berg fehlt es allerdings an Durchzugskraft. Maximal 125 Nm Drehmoment stehen erst bei 4.000 Umdrehungen bereit. Das Fünfganggetriebe erledigt die Gangwechsel etwas knochig aber präzise. Auch bei vorwiegend flotter Fahrweise bleibt der Verbrauch mit Werten um die sieben Liter im Rahmen. Ein ruhiger Gasfuß sollte leicht den Normverbrauch von 5,8 Liter Super erreichen können.
Vier oder fünfIm Fond gibt es Platz für zwei Personen. Sollen drei Personen untergebracht werden, kostet das 120 € extra. Die hinteren Plätze verfügen über eine in der Neigung verstellbare Lehne und sind einzeln längs verschiebbar. Das Ladeabteil wächst so in mehreren Stufen von 268 Liter auf bis zu 910 Liter. Für ein gemütliches Nickerchen auf der Rückbank gibt es die Lounge-Sitze vorn (195 €) mit Höhenverstellung für Fahrer und Beifahrer und nach vorn umlegbaren Lehnen. Dann können sich die Beine im Fond bequem lang machen. Wie man es von smart kennt, bietet die Liste der Extras jede Menge Möglichkeiten, den forfour zum Luxus-Schnuckelchen aufzurüsten. Ledersitze, Navigationssystem, Regen- und Lichtsensor oder Kopfairbags treiben den Preis schnell auf über 20.000 €. Serienmäßig gibt es Front- und Seitenairbags, ABS und ein elektronisches Stabilitätsprogramm mit Bremsassistent.
Fazit: Der forfour trifft im B-Segment auf harte Konkurrenz - vom Zwillingsbruder Mitsubishi Colt bis zum VW Polo. Deswegen zeigt der Lifestyle-Mini Profil und setzt auf sportliche Fortbewegung. Das ist nur konsequent, denn so ein bunter Hund kann es einfach nicht allen Recht machen.
planbar.de, Holger Schilp