Ibiza FR: Immer feste druff
Nach Sport und Cupra kommt jetzt der FR - und zwar mit Macht. Die dritte Sportvariante des
Seat Ibiza hat alternativ einen TDI mit 130 PS oder den von uns getesteten Turbo-Benziner mit 150 PS unter der Haube. Beide kosten 18.460 €.
Sportlicher DoppelpackSeat nimmt die Rolle als Sportmarke im VW-Konzern ernst und bringt einen Kraftzwerg nach dem anderen auf den Markt. Topmodell des Ibiza ist der bis zu 180 PS starke Cupra. Kaum weniger Muckis zeigt der neue FR 1.8T 20V. Der Buchstaben-Ziffern-Salat steht für Formula Racing mit einem 1,8-Liter-Turbotriebwerk unter der Haube.
Kräftige ReservenVor wenigen Jahren noch galt ein knapp vier Meter langes Auto mit 150 PS (110 kW) als gnadenloses Geschoß. Der Ibiza FR beweist das Gegenteil. Im Alltag ist er ein unauffälliger Kumpel, der auch niedertouriges Stadtgezuckel nicht krumm nimmt. Auf dem Weg zum Kindergarten gibt nur das straffe Fahrwerk dezente Hinweise auf den Sportsgeist, der beim Tritt aufs Gaspedal mit Macht aus der Flasche drängt. Von bulligen 220 Nm Drehmoment wie am Gummiband gezogen, schießt der Spanier in unter acht Sekunden von null auf 100 km/h. Auf der Autobahn geht es dann zügig weiter Richtung 216 km/h Spitze. Einziges Problem: Das Überholprestige ist gleich null. Auch der wild entschlossene Blick aus Klarglasscheinwerfern hilft nicht viel.
Sicher im GriffWenn Fahrer mit notorischem Linksdrang mal wieder seelenruhig auf die Überholspur ziehen, obwohl der FR mit langem Schritt heraneilt, kann sich die Technik auszeichnen. Auf die bissige ABS-Bremsanlage ist Verlass. Und das serienmäßige ESP greift konsequent ein, wenn es der Fahrer einmal übertreibt. Doch auch mit ausgeschaltetem Stabilitätssystem bleibt der FR gutmütig. Er ist ein richtiger Kurvenflitzer. Ein leichter Gaslupfer und das Heck findet seinen Weg wie von selbst, unterstützt von der zielgenauen Lenkung. Und so fordert unser kleiner Freudespender schon eine Menge Selbstdisziplin, damit der Führerschein nicht ständig in Gefahr ist. Die Technik kann auf jeden Fall mehr, als die Straßenverkehrsordnung erlaubt.
Ein bischen Spaß muss seinNatürlich entfernt sich der flotte Ibiza beim lustvollen Umgang mit dem Gaspedal schnell von den durchaus erreichbaren acht Liter Durchschnittsverbrauch. Doch auch bei Autobahnetappen im Expresstempo zeigt der Bordcomputer selten mehr als elf Liter. Zuviel? Immerhin kann es der FR mit mancher Mittelklasselimousine aufnehmen. Bis auf den roten FR-Schriftzug deutet außen wenig auf das Potenzial des Testwagens hin. Doch die 205er-Bereifung auf 16-Zoll-Alufelgen steht ihm gut. Innen gibt es bequeme Sportsitze mit ordentlichem Seitenhalt, Lederlenkrad, weiß umrahmte Rundinstrumente und Aluminiumpedale.
Gut aufgehobenDie Sitzposition hinter dem in Länge und Höhe verstellbaren Lenkrad passt genauso großen wie kleinen Menschen. In der Stadt ist die hohe Sitzposition sehr angenehm, im Kurvengewusel über Land wünscht man sich dagegen gern etwas mehr Bodennähe. Dafür flutscht der Schaltknüppel des Fünfgangbox präzise auf kurzen Wegen. CD-Radio, Klimaautomatik, beheizbare Außenspiegel und Bordcomputer sind im Preis von 18.490 € enthalten. Gleiches gilt für Front- und Seitenairbags. Seitliche Kopfairbags für beide Sitzreihen kosten 260 € - für so einen flotten Feger sicherlich ein sinnvolles Extra. Wer möchte, kann auch in Xenon-Scheinwerfer, Farb-Navigationssystem, Lederausstattung, Licht- und Regensensor oder ein elektrisches Glasschiebedach investieren.
Fazit: Formula Racing. Hinter dem Kürzel könnte man ein brutales Fahrzeug vermuten. Doch der Seat Ibiza FR ist keine aufdringliche Krawallschachtel, sondern ein alltagstauglicher Kompaktwagen mit ordentlich Dampf im Kessel, der viel Spaß macht.
planbar, Holger Schilp